Die österreichische Industrie hat ihren Erholungskurs im August deutlich beschleunigt. Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex (EMI) stieg um 2,9 Punkte auf 54,4 Zähler und erreichte damit den höchsten Stand seit Frühjahr 2022. Werte über 50 signalisieren Wachstum. Rückenwind kam vor allem aus Deutschland und der Eurozone: Der EMI für die deutsche Industrie kletterte auf 54,1 Punkte, jener des Euroraums auf 52,8. In Frankreich überschritt der EMI nach dem Rückschlag im Vormonat mit 51,5 Punkten wieder die Wachstumsschwelle.
Die Verbesserung zeigte sich auf breiter Basis. Der Index für die Neuaufträge stieg auf 53,6 Punkte, die Exportaufträge auf 53,2. In der Folge wurde die Produktion kräftig ausgeweitet. Der Produktionsindex erreichte mit 56 Punkten den höchsten Wert seit mehr als vier Jahren. Auch der Auftragsbestand legte auf 52,4 Punkte zu und deutet auf eine bessere Auslastung der Kapazitäten hin.
Wichtige Signale
„Die österreichische Industrie hat ihren Erholungskurs im August deutlich beschleunigt“, sagt UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer . Die Verbesserung der Industriekonjunktur wäre auf breiter Ebene erkennbar, „Aufgrund des gestiegenen Neugeschäfts aus dem In- und Ausland wurde die Produktion in Österreich im August stark ausgeweitet. Dadurch stieg erstmals seit über drei Jahren wieder die Beschäftigung. Der Kostendruck blieb hoch, doch verbesserte sich die Weitergabe der höheren Kosten an die Kunden. Im Lagermanagement wurde angesichts anhaltender Lieferkettenprobleme der Versorgungssicherheit weiterhin hohe Priorität eingeräumt“, fasst Bruckbauer die wichtigsten Ergebnisse der monatlichen Umfrage zusammen.
Arbeit, Einkauf und Kosten
Erstmals seit mehr als drei Jahren kam es zudem wieder zu einem Beschäftigungsaufbau. Der entsprechende Index stieg auf 51,3 Punkte. Der Personalstand lag mit etwas mehr als 618.000 Beschäftigten in den ersten acht Monaten allerdings noch um rund 6.500 Personen unter dem Vorjahresniveau.
Auch die Einkaufsaktivitäten wurden ausgeweitet. Der Index für die Einkaufsmenge stieg auf 53,4 Punkte, die Vormateriallager wurden weiter aufgebaut. Hintergrund sind unter anderem anhaltende Probleme in den Lieferketten. Die Fertigwarenlager gingen hingegen leicht zurück.
Belastend bleibt der hohe Kostendruck. Der Index für die Einkaufspreise lag bei 68,8 Punkten und signalisiert weiterhin stark steigende Kosten für Rohstoffe und Vorleistungen. Die Verkaufspreise stiegen auf 58 Punkte. Unternehmen können damit einen größeren Teil der Mehrkosten weitergeben, der Margendruck bleibt aber hoch.
Gute Aussichten
Deutlich verbessert haben sich die Geschäftserwartungen. Der entsprechende Index stieg auf 61,5 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit Beginn der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Das Verhältnis von Neuaufträgen zu Fertigwarenlagern erhöhte sich auf 1,11 und spricht für weitere Produktionssteigerungen.
„Erstmals seit längerer Zeit steigen Produktion, Aufträge und Beschäftigung gleichzeitig“, so Bruckbauer. Die Erholung sei damit breiter abgestützt. Geopolitische Risiken, Lieferkettenprobleme und der hohe Kostendruck blieben jedoch Unsicherheitsfaktoren. Ob das aktuelle Wachstumstempo nachhaltig ist, werde sich daher erst in den kommenden Monaten zeigen.
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