•• Von Helga Krémer
Die dritte Digitalisierungsstudie der Post Business Solutions zeigt ein ambivalentes Bild: Während Künstliche Intelligenz (KI) in den heimischen Unternehmen breit Einzug hält, treten viele beim digitalen Gesamtfortschritt auf der Stelle. Kernzielgruppe der Studie waren Personen in Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern, die Auskunft zum Thema Digitalisierung/Automatisierung/IT-Systeme im Unternehmen geben konnten.
67% der befragten Betriebe nutzen bereits KI in verschiedenen Geschäftsbereichen. Im Vergleich zu 2023 ist das eine deutliche Zunahme – damals waren es lediglich 20%. Die Unternehmen sehen vor allem drei zentrale Vorteile durch den Einsatz von KI: die Automatisierung komplexer Aufgaben (57%), Produktivitätssteigerungen (52%) sowie schnellere Datenanalysen als Entscheidungsgrundlage (49%).
„Gar keine Vorteile“ sehen nur vier Prozent (2023: 15%). Die Mehrheit (61%) ist sicher, dass KI ihr Geschäftsmodell in den nächsten fünf Jahren maßgeblich verändern wird. Kein Wunder also, dass Pilotprojekte zunehmend in den Regelbetrieb überführt werden, und 58% der Betriebe planen, KI in den kommenden zwölf Monaten noch stärker zu implementieren (2024: 35%). Dennoch bewerten nur 49% der Befragten ihren Digitalisierungsgrad als (eher) weit fortgeschritten – das sind sieben Prozentpunkte weniger als 2024.
Grundsätzlich schaffen es KI-Pilotprojekte in den Regelbetrieb, wenn sie den Service verbessern, die Wartezeiten verkürzen und/oder die Effizienz steigern. Barbara Potisk-Eibensteiner, Finanzvorständin der Österreichischen Post AG hat bei der Präsentation der Studie ein Beispiel parat: Die Post-eigene Bank 99 setze bei der Vergabe von Konsumkrediten bis zu einer Höhe von 40.000 € fast ausschließlich auf KI. Diese bewillige eigenständig, zwischen Kreditantrag und Auszahlung vergehe oft nicht mehr als eine Stunde. Warum fast ausschließlich? Lehnt die KI den Antrag ab, schaue noch mal ein Mitarbeiter drüber.
„Keine Strategie“
„Der Einsatz von KI allein macht noch keine digitale Transformation. Die Zahlen zeigen deutlich: Österreichs Unternehmen kaufen zwar Tools und wollen KI noch stärker in ihre Geschäftsprozesse einbinden, aber die Hälfte der Unternehmen hat diesbezüglich keine klare Strategie. Ohne strukturierte Daten, strategische Ausrichtung und ausreichende Ressourcen bleibt jedoch die beste KI wirkungslos und die Digitalisierung der österreichischen Wirtschaft Wunschdenken – und das können wir uns im internationalen Wettbewerb nicht leisten“, sagt Potisk-Eibensteiner, die auch gleich mit dem Mythos, KI sei ein Jobkiller, aufräumt. Vielmehr sei KI ein Job-Transformator.
Ängste und Sorgen
Als größtes Hindernis bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse nennt rund die Hälfte der österreichischen Unternehmen die Angst vor Datendiebstahl und -manipulation (45%). Hohe Investitionskosten (35%) und der Mangel an qualifiziertem Personal (31%) sind weitere Bremsfaktoren, verlieren im Vergleich zu den Vorjahren jedoch an Bedeutung. Auch hinsichtlich der Bedenken bei der Nutzung von KI gibt die Hälfte der Unternehmen die Angst vor Datenmissbrauch bzw. Datenschutzbedenken an. Weitere Unsicherheiten betreffen menschliche Gedankengänge, die nicht vollständig durch KI ersetzt werden können (54%), und die Schwierigkeit, zu überprüfen, ob die KI Fehler oder falsche Informationen liefert (48%). Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass der Einsatz von KI für – immer noch – ein gutes Drittel der Unternehmen nicht die erhoffte Effizienzsteigerung gebracht hat (35% vs. 38% 2024). In einem Punkt sind sich die heimischen Unternehmen klar einig: Für 94% bleibt menschliche Kontrolle beim Einsatz von KI essenziell. Das ist eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren (2023: 86%; 2024: 91%).
Was Unternehmen ausbremst
„Österreichs Unternehmen wissen, dass sie bei KI handeln müssen – doch viele betrachten die Technologie noch immer primär als Werkzeug zur Kostenoptimierung. Das ist zu kurz gedacht: Wer KI nur durch diese Brille sieht, wird kaum konkrete Use-Cases entwickeln, die echten Mehrwert schaffen. Genau dort liegt derzeit die größte Bremse“, sagt Potisk-Eibensteiner und meint: „Mit der Post Business Solutions können wir Unternehmen genau dabei unterstützen – immerhin verfügen laut Studie nur 50 Prozent der großen und 33 Prozent der kleineren Unternehmen über ausreichende interne Ressourcen für KI- und Digitalisierungsprojekte.“
Expertise von außen
Post Business Solutions GmbH, 100%-Tochter der Österreichischen Post AG, unterstützt Geschäftskunden dabei, ihre Post‑ und Dokumentenprozesse auszulagern und zu automatisieren. Das senkt Kosten und optimiert Abläufe. Als österreichisches Unternehmen mit höchsten Datenschutz- und Sicherheitsstandards steht die Post Business Solutions mit einem eigenen KI-Kompetenzcenter über 500 Kunden zur Seite, insbesondere im Krankenversicherungs- und ESG-Bereich.
Wie groß der Hebel ist, zeigt etwa ihre Plattform DAiTA zur Dokumentenverarbeitung: Ein großes Unternehmen verarbeitet etwa 500.000 Dokumente pro Jahr – bei Kosten von 6 €/Dokument entstehen jährlich Kosten in Höhe von 3 Mio. €. Durch die intelligente Automatisierung lassen sich bis zu 60% dieser Kosten einsparen, was 1,8 Mio. € jährlich bei gleichzeitig steigender Dokumentenmenge entspricht.
Mit ihrem neuen Produkt „Fraud Detection“ adressiert die Post Business Solutions die größte Sorge heimischer Betriebe: Manipulation und Datenmissbrauch. Das Produkt, das derzeit mit ersten Kunden getestet wird, kombiniert KI-gestützte Analyse mit menschlicher Kontrolle (Human-in-the-Loop). So lassen sich manipulierte oder gefälschte Dokumente, etwa Rechnungen oder Belege, identifizieren, Datenschutzvorfälle verhindern und fehlerhafte Datengrundlagen für KI-Systeme vermeiden. Beispielsweise bleiben unterschiedliche Pixel-Auflösungen dem menschlichen Auge am Beleg verborgen, eine gut trainierte KI erkennt jedoch auch gut gemachte Fakes.
Kontext und Ziele
George Wallner, geschäftsführender Leiter der Post Business Solutions, weiß aus der Praxis: „Die Frage ist nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern wie. 2026 muss die Frage im Zentrum stehen, um welchen Kontext es geht, nicht mehr nur um welches konkrete Modell. Denn die Datenqualität und konkrete Ziele entscheiden über den Erfolg.“
KI-Technologien würden immer leistungsfähiger und gleichzeitig kosteneffizienter. Doch entscheidend bleibe, so Wallner: „Nur mit durchdachten Prozessen, strategischer Einbindung und vor allem Datensicherheit entsteht echter Mehrwert. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, sichert sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Wir unterstützen Unternehmen dabei – von der Analyse über die Prozessgestaltung bis zur Implementierung und dem laufenden Betrieb.“
