Schnellere Verfahren für Betriebsstandorte
© Florian Wieser
Stefan-Ehrlich-Adám
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 01.09.2026

Schnellere Verfahren für Betriebsstandorte

Wiens produzierende Betriebe geraten doppelt unter Druck: Neue Betriebsflächen sind knapp, bestehende Standorte oft nur schwer adaptierbar. Die Industrie fordert bessere Regeln.

WIEN. In Wien stehen rund 2.127 ha gewidmete Betriebsflächen zur Verfügung – etwa fünf Prozent der Stadtfläche. Doch die Reserven werden knapp: Nur sechs Prozent der Betriebszonen sind noch unbebaut, rund zwei Drittel des Bestands weisen hohen Erneuerungsbedarf auf. „Wer heute einen bestehenden Standort modernisieren oder erweitern will, stößt oft auf Regeln, Verfahren und Kostenstrukturen, die eher auf Neubau als auf Umbau ausgerichtet sind“, sagt Stefan Ehrlich-Adám, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Wien. Gefordert seien mehr Flexibilität im Bestand, schnellere Verfahren und rechtliche Klarheit.

Viele Betriebsimmobilien lassen sich nur schwer an moderne Produktions-, Energie- und Logistikanforderungen anpassen. Hohe Grundstücks-, Bau- und Finanzierungskosten sowie langwierige Genehmigungsverfahren erschweren Investitionen zusätzlich.

Eine einzige Ansprechstelle
Die Industrie fordert daher einen One-Stop-Shop, der Betriebsanlagen-, Bau- und Umweltverfahren bündelt, sowie eine Fast-Track-Schiene für industrielle Neubau- und Umbauprojekte. Auch mehrgeschoßige Produktionsstätten könnten Teil der Lösung sein, seien aber wegen hoher Kosten und komplexer Vorgaben nicht einfach umzusetzen, betont Ehrlich-Adám.

Entscheidend seien daher praxistaugliche Regeln für Umbauten und ein Rechtsrahmen, der Bestandserneuerung nicht wie einen Neubau behandelt. Nachverdichtung und Modernisierung bestehender Standorte würden künftig eine zentrale Rolle spielen.

Modernes Heute
Der produktive Sektor sichert in Wien rund 112.000 Arbeitsplätze und etwa zwölf Prozent der unselbstständig Beschäftigten. „Die Wiener Industrie hat kaum etwas mit dem veralteten Bild rauchender Fabrikschlote zu tun“, sagt Ehrlich-Adám. Viele Betriebe seien hochmodern und sauber, etwa in Pharma, Lebensmittelproduktion und Elektronik. Eine stärkere Durchmischung von Wohn- und Produktionsgebieten könne dazu beitragen, dass Menschen auch dort arbeiten, wo sie leben.

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