Silos benötigen ganz eigenen Brandschutz
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INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 21.08.2026

Silos benötigen ganz eigenen Brandschutz

Das Zauberwort heißt Inertisierung – Messer Austria-Spezialist Silvio Hödl erklärt die Tücken der Silobrandbekämpfung.

••• Von Helga Krémer

Das Getreide wird gedroschen, zur Mühle gebracht und dort in Silos bis zur nächsten Verwendung gelagert. So sind die Körnerfrüchte wie etwa Weizen, Mais oder Gerste zum einen vor Feuchtigkeit, Schädlingen und Witterungseinflüssen geschützt, zum anderen wird durch den Einsatz von automatisierter Belüftung, Temperaturüberwachung und aktiver Kühlung die Qualität und Haltbarkeit des Ernteguts über Monate oder Jahre gesichert.

Was unspektakulär klingt – die Lagerung von Getreide in Silos –, birgt ein besonders tückisches Risiko: die Gefahr eines Schwelbrandes. Ein solcher Brand kann im Inneren des Silos lange unentdeckt bleiben. Nach außen wirkt das Getreide völlig unauffällig, während sich im Inneren bereits ein heißer Bereich oder ein Glutnest entwickelt. Wird der Brandherd beim Öffnen des Silos plötzlich mit Sauerstoff versorgt, kann aus dem Schwelbrand rasch ein offenes Feuer werden. Bei aufgewirbeltem Getreidestaub droht zudem eine Staubexplosion. Was also tun?

Gasförmiger Brandschutz
„Silos, in denen brennbare Schüttgüter wie Getreide, aber auch Kohle, Holzschnitzel oder getrockneter Klärschlamm lagern, werden oftmals mit einer Schnellinertisierung ausgestattet“, weiß Silvio Hödl, Experte für Silobrandbekämpfung beim Industriegasespezialisten Messer, und erklärt: „Dazu erhalten die Silos eine CO- oder Temperatur-Überwachung sowie eine Inertgas-Versorgung. Wird durch CO- oder Temperaturanstieg ein Glimmnest detektiert, erfolgt eine sofortige Inertisierung des Silo-Kopfraumes, um eine Staubexplosion zu vermeiden.“

Gleichzeitig wird zur Brandbekämpfung auch die Schüttung inertisiert. Die Inertisierung wird dazu bis zur vollständigen Erstickung des Brandnestes aufrechterhalten. Hödl: „Weitere Schädigungen des Produktes oder sogar des Silos, wie sie bei konventionellen Löschmitteln auftreten können, werden beim Inertisieren mit N2 oder CO2 vermieden.“

Expertise einholen
Um das jeweils optimale Inertisierungsverfahren auszuwählen, sollten Fachleute zunächst eine umfassende Systemanalyse durchführen, rät der Experte. „Dabei berücksichtigen sie die baulichen Voraussetzungen, die Geometrien der Anlagen, die Stoffspezifikationen sowie gegebenenfalls gesetzliche Vorgaben und Richtlinien. Bei einer erstmaligen oder gelegentlichen Inertisierung werden die entsprechenden Anlagenteile mit einem Inertgas gespült. Günstige Behältergeometrien, wie beispielsweise weit auseinanderliegende Ein- und Austragsstutzen, senken den Bedarf an
Inertgas.“

Basis entziehen
Im Gegensatz zur herkömmlichen Brandbekämpfung mit Löschwasser wird bei der Bekämpfung von Silobränden mit Stickstoff der Luftsauerstoff im Silo verdrängt; dadurch wird den Flammen jegliche Basis entzogen. (Woher auch die deutsche Bezeichnung für Stickstoff herrührt: Molekularer Stickstoff erstickt Flammen durch Verdrängen von Sauerstoff. Lebewesen ersticken in reinem Stickstoff, weil Sauerstoff fehlt.) Aber zurück zur Luftsauerstoff-Verdrängung. Zu diesem Zweck wird der Stickstoff gasförmig in den Silo eingebracht (mittels sogenannter Inertisierungsanschlüsse). Da Stickstoff selbst eine sehr geringe Kühlwirkung hat, kommt darüber hinaus ein Leichtschaum zum Einsatz.

Ein Löschvorgang im Silo mit Stickstoff könne laut Hödl mitunter einige Wochen dauern; während dieser Zeit sei es wichtig, dass das Siloinnere mittels Infrarotmessung bzw. Sauerstoff-, Kohlenmonoxid- und Kohlendioxidmessungen auf noch bestehende brandfördernde Gase und Glutnester überprüft wird.

Brand aus!
„Auch nach der vollständigen Löschung des Brandherds ist bei der Räumung der Silozelle größte Vorsicht geboten. Damit durch die Luftzufuhr der Brand nicht erneut aufflammen kann, muss auch dabei Stickstoff eingesetzt werden“, warnt Hödl. Dazu müsse man die Eigenschaften der Löschgase ganz genau kennen. Abschließend gibt Hödl zu bedenken: „Bei einem Silobrand geht es nicht darum, möglichst schnell ‚viel Stickstoff hineinzupumpen‘, sondern darum, den Brand kontrolliert zu ersticken und gleichzeitig sicherzustellen, dass weder eine Explosion noch eine erneute Entzündung entsteht.“

https://www.messer.at/silobrandbekaempfung-mit-stickstoff

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