Sprachmodell made in A
© Talos
Ablatic AI Mitgründer: Florian Zimmermann, CEO (l.) und Julian Mauerkirchner, CTO
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 30.09.2026

Sprachmodell made in A

Talos-1 ist am Markt: Linzer Spin-off Ablatic AI liefert europäisches KI-Modell für den Unternehmenseinsatz.

LINZ. Das im Sommer angekündigte Sprachmodell des JKU-Spin-offs Ablatic AI ist nun für Unternehmen verfügbar: Talos-1 ist für Aufgaben gebaut, bei denen Künstliche Intelligenz nicht Fragen beantwortet, sondern Arbeit erledigt: Verträge lesen, Schnittstellen aufrufen, Formulare befüllen, einen Vorgang über mehrere Systeme hinweg abschließen. Trainiert wurde das Modell auf europäischen Hochleistungsrechnern im Rahmen des EuroHPC-Programms und der AI Factory Austria AI:AT, betrieben wird es in Rechenzentren in Österreich und der EU.

Architektur, die mit der Textlänge nicht explodiert
Der technische Kern von Talos-1 ist eine Modellarchitektur, die Ablatic AI selbst entworfen hat. Bei herkömmlichen Sprachmodellen wächst der Rechenaufwand mit dem Quadrat der Textlänge: Ein doppelt so langes Dokument kostet das Vierfache. Talos-1 durchbricht diese Kurve. Das Modell benötigt bis zu 14-mal weniger Rechenleistung und bewegt beim Antworten bis zu 79-mal weniger Daten durch den Speicher als ein herkömmliches Modell gleicher Größe. Je länger das Dokument, desto größer der Vorsprung: Bei 256.000 Tokens, das entspricht rund 500 Seiten, liegt er beim Achtfachen, bei einer Million Tokens beim 14-Fachen. Die Werte sind aus der Architektur berechnet.

Für ein Team von der Größe von Ablatic AI ist das der Unterschied zwischen möglich und unmöglich. Das Training auf langen Sequenzen, das bei großen Anbietern Rechenzentren im Milliardenmaßstab beschäftigt, war damit auf der über EuroHPC zugeteilten Rechenzeit machbar. Im Betrieb entscheidet dieselbe Kurve darüber, wie viele Kunden ein Server gleichzeitig bedient und was eine Anfrage kostet. Zum Marktstart verarbeitet Talos-1 200.000 Tokens am Stück, eine Erweiterung auf 512.000 ist noch für heuer geplant, eine Million folgt danach. Das Modell selbst ist für eine Million ausgelegt; begrenzt wird der Ausbau allein durch die verfügbare Serverkapazität. „Von Beginn an war uns klar, dass wir zuerst die Kosten für die Entwicklung und die Betreibung senken müssen, wenn wir konkurrenzfähig sein wollen“, sagt Julian Mauerkirchner, CTO und Mitgründer, Ablatic AI.

Auf Augenhöhe
In öffentlichen Benchmarks, die Sprachmodelle als eigenständig arbeitende Agenten prüfen, erreicht Talos-1 das Niveau der um ein Vielfaches größeren Modelle aus den USA und China. Auf Toolathlon, einem Test für Aufgaben in echter Software wie E-Mail, Kalender und Tabellen, kommt Talos-1 auf 74,4%; Claude Opus 5 von Anthropic erreicht 80,6%, GPT-5.6 Sol von OpenAI 74,9%. Beim präzisen Befolgen schriftlicher Anweisungen (IFBench) liegt Talos-1 mit 82,2% vor GPT-5.6 Sol, DeepSeek V4 Pro und GLM-5.3. Beim Auslesen realer Dokumente mit Tabellen und Formeln (OmniDocBench) erreicht es 90,8%, zwei Punkte hinter dem Spitzenwert. Alle Messwerte, Vergleichsmodelle und Quellen sind unter ablatic.ai/models veröffentlicht.
Elisabeth Ulbrich, CEO, LIT Open Innovation Center (JKU): „Ablatic AI zeigt, was ein starkes Gründerteam aus einem leistungsfähigen Innovationsökosystem rund um die Hochschule machen kann. Florian Zimmermann und Julian Mauerkirchner denken ambitioniert, setzen schnell um und nutzen Netzwerke und Kontakte gezielt für ihre Weiterentwicklung. Ich bin überzeugt, dass in diesem Team großes Potenzial steckt, von Linz aus relevante Impulse für europäische AI zu setzen."

Europäische Infrastruktur, europäisches Recht
Talos-1 wird ausschließlich von Ablatic AI betrieben und über eine OpenAI-kompatible Schnittstelle bereitgestellt, sodass bestehende Anwendungen ohne Umbau darauf umgestellt werden können. Das Modell verarbeitet Text, Bilder, Video und Dateien und antwortet in Text; drei Stufen der Denktiefe lassen sich je Anfrage wählen. Kundendaten werden nicht für das Training verwendet, Ablatic AI tritt als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO auf. Der Preis liegt bei einem Euro pro Million verarbeiteter Eingabe-Tokens, vier Euro pro Million erzeugter Ausgabe-Tokens und zehn Cent pro Million zwischengespeicherter Eingabe-Tokens.

Karl Kugler, Co-Lead, AI Factory Austria AI:AT: „Ablatic AI zeigt, wie viel ein Team erreichen kann, wenn Ambition auf die passende Infrastruktur trifft: Durch den Zugang zu europäischen Supercomputer-Ressourcen, den die AI Factory Austria ermöglichen konnte, ist in kurzer Zeit ein Modell entstanden, das international mithält und in Unternehmen echte Arbeit übernimmt. Genau solche Ergebnisse braucht Europa jetzt.“

Zugang
Unternehmen wenden sich über ablatic.ai an Ablatic AI und erhalten innerhalb eines Werktags eine Rückmeldung. Der Einstieg erfolgt über ein Pilotprojekt am eigenen Anwendungsfall. Eine Selbstregistrierung für die Schnittstelle ist vorgesehen, sobald die Serverkapazitäten ausgebaut sind.

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