Die Erweiterung  einer Diskussion
MARKETING & MEDIA Redaktion 13.02.2026

Die Erweiterung einer Diskussion

Wer findet, man müsse Jugendliche vor Social Media schützen, muss jetzt weiter ausholen.

Leitartikel  ••• Von Sabine Bretschneider

VERSTÖREND. Fachärzte schlagen Alarm: Exzessive Mediennutzung im Kleinkindalter könnte nicht nur Sprach- und Aufmerksamkeitsstörungen auslösen, sondern auch autismusähnliche Verhaltensmuster. Besonders kritisch sei die Phase zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr, in der sich grundlegende kognitive, soziale und motorische Fähigkeiten ausbilden – wenn Kinder zwar souverän swipen, aber Schwierigkeiten mit Sprache und Bewegung zeigen. Der Einsatz digitaler Geräte als „shut-up-toy“ sei jedenfalls eine kritische Betrachtung wert – nicht aus einem kulturpessimistischen Reflex heraus, sondern zur entwicklungspsychologischen Vorsorge.

Zwar ist gesellschaftliche Verunsicherung bei neuen Technologien ein wiederkehrendes Muster, das bedeutet jedoch nicht, dass die Sorgen unbegründet sind. Wer die Gefahr, dass schon Babys und Kleinkinder sich die Zeit mit digitalen Geräten vertreiben, für vernachlässigenswert hält, liegt übrigens falsch: Verlässliche aktuelle Daten sind zwar Mangelware, aber schon im Safer Internet Day-Report aus dem Jahr 2020 gaben 72% der Eltern von 0- bis 6-Jährigen an, dass ihre Kinder digitale ­Medien nutzen. 24% der Kleinen beschäftigten sich täglich mit internetfähigen Geräten wie Smart­phone oder Tablet.
Man darf die Hoffnung hegen, dass der Befund, dass Tablets Autismus fördern könnten, sich in ebenso rasantem Tempo verbreitet wie die thematisch überlappende Theorie zur Masern-Mumps-Röteln-Impfung.

Die Behauptung, Impfungen würden Autismus verursachen, ist eine der bekanntesten medizinischen Verschwörungstheorien der letzten Jahrzehnte – wiewohl sie wissenschaftlich klar widerlegt ist. Dennoch sind die Impfquoten auch hierzulande in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken.

Waren das noch heile Welten, als man in den 1960ern und 70ern den Fernseher als „elektronischen Babysitter“ verdammt und verflucht hat. Kasperlpuppen statt Tablet-Krabbelgruppen!

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