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Die Fernsehzukunft soll hybrid sein © Patricia Weisskirchner
© Patricia Weisskirchner

Redaktion 20.08.2021

Die Fernsehzukunft soll hybrid sein

Geht es nach Peter Kail, für HD Austria zuständig, gilt es, die richtigen Schlüsse aus der Pandemiezeit zu ziehen.

••• Von Georg Sander

WIEN. Dass in den vergangenen Monaten beziehungsweise eigentlich eineinhalb Jahre lang vermehrt ferngesehen wurde, ist kein Geheimnis. Doch Peter Kail, Managing Director bei Eviso Austria und somit für HD Austria, Teil der Canal+ Gruppe, verantwortlich, weiß noch mehr: „Wir haben während der Lockdowns einen starken Anstieg bei Video-on-demand verzeichnet. Auch bei den Premiumprodukten, wie etwa Filme, die oft auch gleichzeitig ins Kino gekommen sind.” Doch die Entwicklung am Fernsehmarkt muss auch ohne Corona weitergehen, denn „wir hoffen ja, dass es nicht mehr zu Lockdowns kommt”.

Eine weitere deutliche Entwicklung nach Lockdown und Fußballeuropameisterschaft ist eine extreme Zunahme bei der mobilen Nutzung von Inhalten. Das gibt es in Österreich zwar schon sehr lange, die Nutzung hat sich in den vergangenen Monaten aber deutlich erhöht, vermutlich, weil die Menschen auch außerhalb der eigenen vier Wände ferngesehen haben. Doch wie geht es dieser Bestandsaufnahme folgend weiter?

Learnings für Lineares

Auf der Hand liegt: Pressekonferenzen, Fußballevents – die will man sehen, wenn sie gerade live passieren, ob unterwegs, in der U-Bahn oder im Café. Andere Angebote wie ein neuer „Tatort” oder der Eurovision Song Contest werden wiederum oft gern mit anderen Menschen erlebt, zu Hause und linear. Doch es gibt auch vieles, wo das Wie oder das Wann keine Rolle spielt – was wird sich also bei Mobile, linearem und on-demand-TV tun? „Es gibt einen langfristigen Trend Richtung on-demand”, erklärt Peter Kail, „insbesondere bei Premium Fiction, also hochwertig produzierten Filme oder Serien.” Dieser Trend sei allgemein zu registrieren, auch verstärkt durch die Pandemie.

Dass das reguläre Fernsehen deswegen stirbt, stimme aber nicht. Denn es wird immer Ereignisse geben, siehe oben, die beliebt sind und nur linear funktionieren. „All das schaut man sich eben live an, egal wie. Die Tagesreichweite, die ja deutlich gewachsen ist, lässt sich auch durch Nachrichten erklären, begonnen bei den Vorgängen rund um das Ibiza-Video bis hin zu Lockdown-Verkündungen.”

Geschichten erzählen

Was einfach nach wie vor noch vorhanden ist, ist die Stärke von Bewegtbildern: das Erzählen von Geschichten. Laut Kail ist es dabei egal, ob diese Stories fiktional sind, die Welt da draußen sie schreibt oder ob sie in 90 Minuten am Fußballplatz entstehen. „Gemeinsam erleben, mitfiebern, mitfühlen, das ist ein wesentliches menschliches Bedürfnis, das durch Fernsehen abgedeckt wird”, präzisiert er.

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass zwei technologische Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht weiterverfolgt wurden: 3D-Brillen und Curved Screens. Dieser Umstand unterstreicht letztlich den Wunsch nach einem kollektiven Erleben, wie Kail meint: „Es sind beides Technologien, die beim Alleine-Schauen funktionieren. Für mich ist es eine plausible Erklärung, dass das dem gemeinsamen Schauen widerspricht.”

Dutzende Plattformen?

Ein weiterer Trend der letzten Jahre ist es bekanntlich, mehrere Streaming-Abos zu haben. Netflix hier, Amazon Prime da, Dazn hier, Sky dort, Dutzende Apps mit Bewegtbild, von YouTube, über Instagram bis TikTok. Wie kann man da mit einem hybriden Produkt überhaupt mithalten? „Es gibt wie immer mehrere Faktoren”, führt Kail aus, „in Österreich etwa zahlt man die GIS und das ist es dann schon. Man schaut einfach das, was dort geboten wird. Der Markt, den wir erobern wollen, besteht aus jenen Menschen, die noch gar nichts für Content bezahlen.”

Demzufolge wären die erwähnten Anbieter auch keine Gegner am Markt, sondern Mitstreiter, die den Österreichern Bezahlfernsehen ebenso schmackhaft machen wollen: „Es gibt eben mehr als das klassische lineare Fernsehen, etwas Neues, das man ausprobieren kann, und das sollte einem dann schon ein paar Euro wert sein. Laut AGTT-Zahlen schauen wir am Tag im Schnitt rund fünf Stunden fern – ich finde nicht, dass dafür zehn oder zwanzig Euro im Monat zu viel sind. Wir wollen Überzeugungsarbeit leisten, dass hochwertiger Content etwas wert ist.” Ein Vorteil von HD Austria sei in diesem Zusammenhang auf jeden Fall, dass die Inhalte kuratiert angeboten werden, denn irgendwann hat man auch zu viele Apps und Abos. „Canal+ war in Frankreich Launchpartner von Disney+, Netflix ist seit 2019 ins Angebot integriert.”

Der Schwenk hin zu hybrid

Content-Experten und Daten aus den Apps sowie auch viel professionelle Intuition bringen nun den Österreicherinnen und Österreichern HD Aus­tria direkt in ihre Wohnzimmer – oder eben dorthin, wo auch immer geschaut wird. Dazu hat man zu Beginn des Jahres zunächst das lineare Angebot mit Sendern wie Crime + Investigation oder National Geographic aufgestockt. Ab Herbst wird es dann noch einen deutlich stärkeren Fokus auf on demand-Dienste geben: „Die on-demand-Angebote werden mit Canal+ im Hintergrund integriert. Und immerhin ist Canal+ der führende Content-Produzent in Europa.”

In Zahlen ausgedrückt: Die Gruppe hat weltweit nicht weniger als 21,8 Mio. Kunden. 3,1 Mrd. € sind in Content investiert worden. Insgesamt nutzen 70% der Kunden Video on Demand. Was ist nun die Aufgabe hierzulande?

Publikum im Vordergrund

„Wir wollen aber noch nicht am österreichischen Markt beheimatete Player dem Publikum näherbringen.” Dafür gibt es nämlich ein lokal maßgeschneidertes Angebot. Peter Kail meint abschließend: „Man braucht Daten und eine Menge Fingerspitzengefühl. Das bietet der Schwenk hin zu hybriden Formen des Fernsehens, weg vom Satelliten. Und das ist unsere Stärke.”

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