WIEN. Seit 2. August ist die EU-Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte in Kraft. Was das für Medienunternehmen bedeutet und welche Rolle redaktionelle Verantwortung und Transparenz spielen, erklärt Verena Krawarik, Head of Innovation und Head of Media Lab der APA – Austria Presse Agentur, im „mediadome pressclub“ im Gespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda.
Für Medienunternehmen komme es darauf an, zwischen Text, Audio, audiovisuellen und bildbasierten Inhalten zu unterscheiden. Im Textbereich gebe es Erleichterungen, denn die Frage: „Müssen wir das jetzt alles machen?“ könne hier mit „Nein“ beantwortet werden, so Krawarik: „Wenn ein Mensch die redaktionelle Verantwortung trägt, dann ist da dem Akt Genüge getan.“ Ein KI-gestütztes Korrektorat müsse nicht ausgewiesen werden. Im Bildbereich gehe es vor allem darum KI-Bilder zu kennzeichnen, die als wahr oder echt wahrgenommen werden – unabhängig davon, ob es eine Täuschungsabsicht gebe oder nicht.
Wichtig: Transparenz
Medienunternehmen müssten selbst definieren, wie weit sie bei der Transparenz gehen wollen. „Wichtig ist, dass man sich damit auseinandersetzt“, betont Krawarik. „Der Grad der Transparenz über das Gesetz hinaus, obliegt letztlich den Medien.“ Manche würden beispielsweise etwa KI-generierte Illustrationen freiwillig kennzeichnen, obwohl das nach dem AI Act nicht verpflichtend sei. „Viele Medien machen das aber trotzdem, weil sie den KI-Einsatz den Rezipienten gegenüber transparent machen wollen.“
Bei der APA gilt die KI-Leitlinie für das gesamte Unternehmen. „Im redaktionellen Bereich ist zum Beispiel festgelegt, dass wir KI-generiertes Bild- oder Videomaterial von Dritten nicht annehmen.“ Zugleich will die APA Unternehmen zum Beispiel bei der korrekten Auszeichnung entsprechender Inhalte, die auf APA OTS ausgeschickt werden, unterstützen.
Mehr als ein KI-Label
Generell stelle sich die Frage nach einem KI-Label bzw. einem KI-Zertifikat für redaktionelle Inhalte. Ein Thema, das, so Krawarik, auch in einem Branchenworkshop des Austrian Lab for You Trust diskutiert wurde. Das Resümee: Ein Label allein greife zu kurz. „Denn das sagt dem Konsumenten ja gar nicht, was der Prozess dahinter ist“, betont Krawarik. Mittelfristig stelle sich die Frage nach einem Qualitätslabel für „Trusted Content“. Entscheidend für Rezipienten seien Faktizität, Überprüfbarkeit und die Gewissheit, dass Inhalte journalistisch bearbeitet wurden. „Denn am Ende des Tages sind unsere Rezipienten daran interessiert, dass das stimmt, was sie hier von uns bekommen und nicht mehr so stark, ob da jetzt an irgendeiner Stelle die KI involviert war.“ Ein solches Label könne allerdings nicht bloß selbst vergeben werden. Dafür brauche es Rahmenbedingungen und einen branchenweiten Diskurs.
Beschaffenheit von Inhalten
Eine Herausforderung werde künftig sein, diese vertrauenswürdigen, journalistischen Inhalte so zu transportieren, dass auch KI-Systeme diese als vertrauenswürdig erkennen. „Das wird eine der nächsten Aufgaben sein“, so Krawarik. „Wie und in welcher Form transformieren wir diese guten Werte, damit sie auch als solche identifiziert und bevorzugt werden?“ Neben der Kennzeichnung wird damit auch die technische Abbildung journalistischer Qualität zur Aufgabe. Wie Inhalte beschaffen sein müssen, damit KI-Systeme sie optimal verarbeiten können, sei ein Aspekt der kürzlich von der APA vorgestellten Strategie APA[2]AI.
Das gesamte Interview finden Sie auf: tv.medianet.at