WIEN. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung österreichischer Unternehmen wird reifer und kompakter, der eigentliche Praxistest steht laut EY aber noch bevor. Das zeigt das aktuelle EY CSRD Barometer 2026, für das 196 Nachhaltigkeitserklärungen für das Geschäftsjahr 2025 analysiert wurden, darunter zehn Unternehmen mit Sitz in Österreich.
Die durchschnittliche Länge der analysierten Nachhaltigkeitserklärungen ist europaweit von 123 auf 112 Seiten gesunken. 122 der 196 Unternehmen haben ihre Berichte gegenüber dem Vorjahr gekürzt, im Schnitt um rund 25 Seiten. Gleichzeitig zeigen die Berichte laut EY eine stärkere Fokussierung auf wesentliche Themen sowie eine verbesserte Datenqualität.
Österreich nutzt Erleichterungen zurückhaltend
Die nationale Umsetzung der CSRD erfolgte in Österreich später als in vielen anderen europäischen Ländern, gleichzeitig sorgten die geplanten EU-Vereinfachungen durch das Omnibus-Paket für zusätzliche Unsicherheit. Dennoch nutzen österreichische Unternehmen laut Barometer Erleichterungen vergleichsweise zurückhaltend: Nur 20 Prozent der analysierten Unternehmen mit Sitz in Österreich wenden den sogenannten Quick Fix an, also die Möglichkeit, bestimmte Übergangserleichterungen bei einzelnen ESRS-Angaben länger zu nutzen. In Deutschland liegt dieser Anteil bei 32,4 Prozent, in Frankreich bei 52,9 Prozent und in den Niederlanden bei 50 Prozent.
„Österreichische Unternehmen haben lange auf rechtliche Klarheit warten müssen. Umso bemerkenswerter ist, dass viele bereits weitergearbeitet haben und sich nicht allein auf Erleichterungen verlassen“, sagt Mirjam Ernst, Director bei EY denkstatt.
Klimawandel, Belegschaft und Unternehmensführung dominieren
Die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen bleiben europaweit unverändert: eigene Belegschaft, Klimawandel und Unternehmensführung. Alle analysierten Unternehmen berichten über die eigene Belegschaft, 99,5 Prozent über Klimawandel und 97,4 Prozent über Business Conduct. Auch in Österreich berichten alle analysierten Unternehmen zu Business Conduct, darunter Unternehmenskultur, Compliance, Korruptionsprävention, Hinweisgebersysteme, Lieferantenbeziehungen und Zahlungspraktiken.
Frauen im Top-Management: Österreich fällt zurück
Bei sozialen Kennzahlen zeigen sich laut Barometer deutliche Unterschiede zwischen Ländern. Der Anteil von Frauen im Top-Management liegt in den analysierten österreichischen Berichten bei 19,8 Prozent und damit hinter Deutschland (24,9 Prozent), Frankreich (32,5 Prozent) sowie Norwegen und Schweden (jeweils 40,2 Prozent).
„Für Österreich zeigt sich hier klarer Handlungsbedarf: Diversität in Führung ist nicht nur ein gesellschaftliches Thema, sondern auch eine Frage von Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitgeberattraktivität und Entscheidungsqualität“, betont Ernst.
Externe Prüfung wird zum Standard
Limited Assurance ist laut Barometer inzwischen Marktstandard: 98 Prozent der analysierten Nachhaltigkeitserklärungen wurden zumindest mit begrenzter Sicherheit geprüft, in der Regel durch die Abschlussprüfer der Unternehmen. „Limited Assurance ist mehr als ein formaler Prüfschritt. Sie zwingt Unternehmen dazu, Nachhaltigkeitsdaten ähnlich ernst zu nehmen wie Finanzdaten“, sagt Ernst. „Unternehmen, die ihre ESG-Daten für strategische Entscheidungen nutzen, werden langfristig resilienter, glaubwürdiger und wettbewerbsfähiger sein", so Ernst abschließend. (red)