FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euroraum für die Teilnahme an einem Pilotprojekt zum digitalen Euro ausgewählt. In der zweiten Jahreshälfte 2027 sollen über einen Zeitraum von zwölf Monaten technische Funktionen, operative Abläufe und die Nutzererfahrung der digitalen Zentralbankwährung getestet werden.
Mehr als 50 Zahlungsdienstleister hatten sich nach einem Aufruf zur Interessenbekundung im März 2026 beworben. Ausgewählt wurden Banken und Nichtbanken unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Ländern des Euroraums. Das Pilotprojekt wird von der EZB und den nationalen Zentralbanken von 19 Euroländern, darunter auch Österreich, durchgeführt.
„Das starke Interesse des Marktes an dem Pilotprojekt zeigt, dass die Privatwirtschaft bereit ist, sich aktiv einzubringen und das Projekt digitaler Euro zügig voranzutreiben, um die europäische Zahlungslandschaft zu stärken“, so EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone. „Wir freuen uns darauf, eng mit europäischen Zahlungsdienstleistern an der Entwicklung eines sicheren, effizienten und inklusiven digitalen Euro zusammenzuarbeiten und dabei voneinander lernen.“
Zum Einsatz kommt eine Beta-Version des digitalen Euro, die dem geplanten Endprodukt technisch weitgehend entsprechen soll, jedoch noch kein gesetzliches Zahlungsmittel sein wird. Mitarbeiter der EZB und der teilnehmenden Zentralbanken werden damit unter anderem Zahlungen zwischen Privatpersonen sowie Einkäufe im stationären Handel und im E-Commerce testen. Auch ausgewählte Händler werden in das Pilotprojekt eingebunden.
Die Erkenntnisse aus der Testphase sollen in die weitere Ausgestaltung des digitalen Euro einfließen.
HV zum Digitalen Euro
Ein Beschluss des Europäischen Parlaments am 9. Juli machte den Weg frei für die Trilog-Verhandlungen zum Digitalen Euro – der heimische Handelsverband spricht von „einem der wichtigsten europäischen Finanzprojekte der letzten Jahre“ und sieht eine historische Chance, Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungssystemen zu verringern, den Wettbewerb im Zahlungsverkehr zu stärken und die europäische Souveränität weiter auszubauen. Essenziell sei jedoch eine „praxistaugliche Ausgestaltung mit klarem Mehrwert“ – der Erfolg entscheide sich mit der Akzeptanz der Konsumenten.
„Der österreichische Handel unterstützt die Ziele des Digitalen Euro grundsätzlich. Richtig ausgestaltet kann er sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Unternehmen einen echten Mehrwert bieten – durch mehr Auswahlmöglichkeiten beim Bezahlen, hohe Sicherheits- und Datenschutzstandards sowie mehr Wettbewerb im Zahlungsverkehr. Entscheidend wird jedoch sein, dass der Digitale Euro im Alltag einen klaren Zusatznutzen schafft“, erklärt HV-Geschäftsführer Rainer Will. (red)