WIEN. Das Vertrauen in Nachrichten ist in Österreich gegenüber dem Vorjahr stabil. Laut dem am Dienstag veröffentlichten "Reuters Institute Digital News Report" 2026 trauen 39,3 Prozent der Erwachsenen ihnen meistens. Der Wert liegt über dem globalen Schnitt von 37 Prozent, der einen Tiefststand seit 2015 markiert. Social Media wird speziell bei Jüngeren immer häufiger als Hauptnachrichtenquelle angeführt. Mit der Zahlungsbereitschaft für Onlinenews geht es hingegen wieder abwärts.
Mit rund vier von zehn Befragten, die Nachrichten im Allgemeinen vertrauen, liegt zwar ein Rückgang gegenüber 2021 vor, als der Wert noch bei 46 Prozent lag, allerdings auch eine Besserung gegenüber 2024, als mit 35 Prozent ein Tiefpunkt erreicht wurde. Die Ergebnisse deuten laut Report darauf hin, dass das durch die Pandemie und die darauffolgende gesellschaftliche Spannungen belastete Vertrauensverhältnis zwischen Bevölkerung und Medien etwas stabilisiert wurde. Speziell Personen, die sich politisch als "Mitte-links" einstufen, haben überdurchschnittlich großes Vertrauen in Nachrichten (50,6 Prozent), gefolgt von "ausgeprägt links" (44,5 Prozent). Am unteren Ende des Nachrichtenvertrauens sind Menschen, die sich als "ausgeprägt rechts" einstufen, angesiedelt (32,4 Prozent).
Zwei Drittel vertrauen in ORF-Nachrichten
Mit Blick auf Marken werden die ORF-Nachrichten von 65,9 Prozent als vertrauenswürdig eingestuft - ein Anstieg um 2,7 Prozentpunkte gegenüber 2025. Auch "Der Standard" (63,1 Prozent) und "Die Presse" (61,5 Prozent) verzeichnen ein Plus. Regional- oder Lokalzeitungen sprechen 60,6 Prozent der Befragten ihr Vertrauen aus. Deutlich weniger stufen dagegen die Boulevardmedien "Heute" (36,5 Prozent), "oe24" (40,7 Prozent) und "Kronen Zeitung" (46,4 Prozent) als auch die Nachrichten bei ATV (42,4 Prozent) als vertrauenswürdig ein.
Social Media für jede zweite junge Person die Hauptnachrichtenquelle
Klassische Fernsehnachrichten werden nach wie vor am häufigsten als Hauptnachrichtenquelle (29,7 Prozent) angeführt. Soziale Medien (18,3 Prozent) holen allerdings auf und legten gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozentpunkte zu. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist Social Media bei fast jedem zweiten Befragten (46,7 Prozent) die dominierende Quelle für News - ein starker Anstieg gegenüber 2025 (33,1 Prozent). TV-Nachrichtenprogramme sind in dieser Altersgruppe deutlich seltener an erster Stelle (10,4 Prozent). Radionachrichten haben hier einen höheren Stellenwert (13,3 Prozent). Auf sie folgen Websites bzw. Apps von Zeitungen (12,7 Prozent) und gedruckte Zeitungen (8,8 Prozent).
Der Anteil der Bevölkerung, der KI-Chatbots als Hauptnachrichtenquelle nennt, liegt unter einem Prozent. Rund ein Viertel der unter 35-Jährigen bringt nachrichtlichen Inhalten aus KI-Chatbots Vertrauen entgegen. Gleichzeitig äußern aber auch 51 Prozent der 18- bis 34-Jährige Besorgnis darüber, zutreffende und unzutreffende Infos im Internet nicht voneinander unterscheiden zu können. In der Gesamtbevölkerung sind es 46 Prozent. Jede fünfte Person hat hingegen keine Bedenken, Fakten von Falschmeldungen unterscheiden zu können.
Als Gründe zur Nutzung von KI-Chatbots werden etwa die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen, wenn man detailliertere Informationen oder Erläuterungen möchte (44,4 Prozent) und die Übersetzung von Sprachen (41,6 Prozent) genannt. Als "erste Anlaufstelle, an die ich mich heutzutage bei den meisten Dingen wende" führen 26,8 Prozent der Befragten, die KI-Chatbots in der Vorwoche genutzt haben, solche an.
Minus bei Zahlungsbereitschaft für Onlinenews
Ein deutliches Minus verzeichnet die Zahlungsbereitschaft für Onlinenews. 16,1 Prozent der Befragten (global: 14,7 Prozent) gaben an, im Vorjahr für Onlinenachrichten gezahlt zu haben - ein Rückgang von fast sechs Prozentpunkten. Allerdings liegt der Wert nach wie vor über jenem aus 2024, als der Digital News Report für Österreich 13,7 Prozent auswies. Als Gründe für die Bezahlung von Onlinenachrichten werden am häufigsten die Unterstützung von Journalismus (43 Prozent) und der Zugriff auf hilfreiche Inhalte, die man anderweitig nicht erhalten würde (36,3 Prozent), angeführt.
Erstmals erhoben wurde eine Einschätzung zur gesellschaftlichen Wirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. 37,6 Prozent der Befragten meinen, dass Nachrichten von öffentlich-rechtlichen Anbietern - wie hierzulande dem ORF - einen sehr oder eher positiven Effekt auf das Leben im Land haben und damit deutlich mehr als jene Gruppe, die von einem eher oder sehr negativen Effekt spricht (24,3 Prozent). Knapp über ein Drittel ist neutral eingestellt. Damit liegen die Werte für Österreich sehr nah am globalen Schnitt.
Der "Digital News Report" des Reuters Institute for the Study of Journalism sammelt seit 2012 Daten zum Wandel der Nutzung von analogen hin zu digitalen Nachrichten. Für den Österreichteil der Studie zeichnet der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verantwortlich. Die von Anfang Jänner bis Anfang Februar durchgeführte Befragung von ca. 2.000 Personen alleine in Österreich, ist repräsentativ für die online aktive Bevölkerung ab 18 Jahren. (APA)