Aufpassen beim Kauf gebrauchter E-Autos
© Heinz Henninger
MOBILITY BUSINESS Redaktion 05.06.2026

Aufpassen beim Kauf gebrauchter E-Autos

Beim Kauf von gebrauchten Elektrofahrzeugen spielt nicht nur die Batterie eine entscheidende Rolle.

•• Von Alexander Haide

Seit gut 25 Jahren, noch bevor Elektromobilität massentauglich wurde, beschäftigt sich Christian Klejna, Experte beim ÖAMTC, mit allem, was Elektro- und Hybrid-Autos betrifft. Mittlerweile sind die Verkaufszahlen extrem angestiegen, der Krieg im Nahen Osten hat den Absatz nochmals befeuert und es ist längst ein Markt für gebrauchte E-Autos entstanden. Nicht nur durch den Wegfall von Förderungen beim Kauf von neuen Fahrzeugen sind Gebrauchte finanziell interessant. Worauf vor dem Griff zum gebrauchten E-Mobil zu achten ist, erklärt Klejna im Interview.

medianet: Wie sinnvoll ist es, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen?
Christian Klejna: Das ist durchaus sinnvoll, hängt aber von einigen Faktoren ab. Jene Fahrzeuge, die seit den Jahren 2019 bis 2021 unterwegs sind, sind technologisch weiterentwickelt als ihre Vorgänger. Vor allem die Batterietechnologie hat sich weiterentwickelt, deshalb sind diese neueren Fahrzeuge am Gebrauchtmarkt zu empfehlen. Für frühere Modellen sind etwa neue Akkus überhaupt nicht oder nur noch sehr schwer zu bekommen.
Bevor ein Elektrofahrzeug gekauft wird, sollte man sich aber einige Punkte überlegen. Verfügt man über eine Lademöglichkeit daheim, kann ich eine installieren, oder gibt es in unmittelbarer Nähe eine öffentliche Ladestation? Zudem kommt es auf das individuelle Fahrprofil an. Fährt man nur kürzere Strecken, dann reicht eine Batteriekapazität von 80 bis 85 Prozent aus. Wird ein Fahrzeug für Langstrecken benötigt, sieht es wieder anders aus.
Auch beim Kauf eines neuen E-Fahrzeugs sollte man die eigenen Anforderungen an das Auto kennen, allerdings wird heute meistens bereits eine größere Reichweite garantiert.

medianet: Wie sieht es bei der Verfügbarkeit von Ersatzteilen aus? Viele Hersteller verfügen über kein ausgebautes Netzwerk wie etablierte Marken, manche verschwinden kurz nach ihrem Markteintritt auch wieder …
Klejna: Es kann durchaus spannend werden, wenn man bei Exoten Ersatzteile oder Software-Updates benötigt. Allerdings ist es auch bei Fahrzeugen, die sich früher gut verkauft haben, der Fall, dass keine Batteriezellen mehr erhältlich sind oder man muss mehrere Monate darauf warten. Das wird immer mehr ein Thema.

medianet: Sie würden also zu gebrauchten Fahrzeugen von etablierten Herstellern raten?
Klejna: Ja, denn es gab schon Fälle, wo sich Hersteller nach kurzer Zeit wieder vom Markt zurückgezogen haben oder in Konkurs gingen. Eine andere Frage ist, wo es die nächste Werkstätte für meine Marke gibt. Viele Hersteller verfügen über keine ausgebaute Infrastruktur bezüglich Werkstätten und Mechaniker haben wenig Erfahrung. Und es kann ebenfalls Probleme bei Ersatzteilen geben.

medianet: Stimmt es, dass die Kostenersparnis bei einem gebrauchten E-Auto gegenüber einem Neuwagen zwischen 30 und 50 Prozent betragen kann?
Klejna: Das hängt sehr von dem jeweiligen Modell ab, manche werden bei der Bewertung gut gehandelt. Bei anderen gab es bei der Markteinführung etwa bei der Software größere Probleme und diese sind nicht der Renner. Wenn ein Fahrzeug vom Preis sehr attraktiv ist, es aber Softwareprobleme gab, sollte man sich den Kauf sehr gut überlegen. Ich würde deshalb zu einer gründlichen Recherche vor einer Kaufentscheidung ­raten.

medianet: Was ist bei der Begutachtung eines gebrauchten E-Autos zu beachten?
Klejna: Wichtig ist der Gesamtzustand, nicht nur jener der Batterie. Dazu zählen die Korrosion der Karosserie, der Zustand der Achsen, der Lenkung und der Querlenker. Gerade bei E-Autos werden die Achsen durch die Beschleunigung stärker belastet und die Achsgummis können weich sein. Natürlich kommt es vor allem auf den Zustand der Hauptbatterie an. Aber auch die anderen Komponenten der HV Anlage können höhere Kosten verursachen, wie etwa der Austausch eines Ladesteuergeräts. Er kann zwischen 3.000 und 6.000 Euro kosten. Das Hauptaugenmerk liegt sicher auf der Batterie, die anderen Elemente dürfen aber nicht vernachlässigt werden. Ich würde auf jeden Fall eine Kaufüberprüfung, etwa beim ÖAMTC, durchführen lassen.

medianet: Und Sie können beim ÖAMTC das gesamte Fahrzeug durchchecken?
Klejna: Natürlich, denn unsere Kaufüberprüfungen sind auch auf E-Autos ausgelegt. Termine dafür können oft auch kurzfristig fixiert werden, das hängt aber von der betreffenden Region ab. Die Kosten erfahren Sie bei den jeweiligen Stützpunkten.

medianet: Wie verhält sich das beim Kauf eines Gebrauchten bei einem Händler?
Klejna: Auch hier sollte man eine Kaufüberprüfung durchführen lassen. Das ist bei uns alltäglich. Ein Händler, der nichts zu verbergen hat, wird einer Überprüfung sicher zustimmen.

medianet: Spielt die bereits gefahrene Kilometerleistung bei gebrauchten E-Autos eine Rolle wie bei Verbrennern?
Klejna: Ja, denn meistens gibt es bei Neuwagen eine Garantie von acht Jahren oder für eine bestimmte Kilometerleistung. Wurde ein Großteil der Kilometer bereits gefahren, aber die Batteriegarantie gilt noch für einige Jahre, muss man eine Kaufentscheidung genau abwägen. Die letzten Generationen der Batterien ab dem Jahr 2020 sind aber bereits sehr zuverlässig und verlieren nach kurzer Zeit ihre Kapazität nicht.

medianet: Gibt es bei E-Autos auch Tageszulassungen?
Klejna: Die gibt es bei allen Marken. Dabei ist aber zu beachten, dass die Garantie ab dem Tag der Erstzulassung zu laufen beginnt. Der Käufer erhält also nicht mehr die volle Garantielaufzeit.

medianet: In vielen neuen Fahrzeugen sind unter anderem Over the Air-Softwareupdates für eine gewisse Zeit kostenfrei inkludiert. Was ist hier, aber auch im Allgemeinen, bei der verbauten Digitaltechnik zu beachten?
Klejna: Heute gibt es keinen Tachometer mehr, der sich einfach austauschen lässt. Ist der Bildschirm im Auto kaputt, dann muss er komplett getauscht werden. Bei Softwareupdates sollte man darauf achten, wie lange sie vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wenn ein Auto älter ist, sind Updates oft kostenpflichtig. Es sollte also überprüft werden, wie lange nach dem Kauf eines gebrauchten Fahrzeugs Updates und Abos noch kostenlos sind.

medianet: Glauben Sie, dass sich in Zukunft ein großer Gebrauchtwagenmarkt, ähnlich wie bei Verbrennern, entwickelt?
Klejna: Heute ist der Gebrauchtmarkt noch überschaubar. Es wird auch davon abhängen, wie sehr Privathändler, die keiner Kette angehören, E-Autos verkaufen können. Es spielt eine Rolle, ob der Händler die Fahrzeuge servicieren kann, denn dazu sind speziell ausgebildete Mechaniker und die dazugehörige Technik notwendig. Kleine Werkstätten sind deshalb heute weitgehend vom E-Auto-Markt ausgeschlossen. Ein breit aufgestellter Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge wird sicher noch zumindest zehn, 15 Jahre auf sich warten lassen. Das wird sich bis dahin eher bei großen Händlern abspielen, die auch leichter eine Garantie auf gebrauchte Autos einräumen können.

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