Verändern Stromer  auch die Ausbildung?
© Florian Wieser
Karl Schlosser
MOBILITY BUSINESS Redaktion 13.10.2026

Verändern Stromer auch die Ausbildung?

Wie Elektromobilität Wiener Fahrschulen betrifft, erklärt Karl Schlosser, Obmann bei der WKW, im Interview.

••• Von Alexander Haide

Zu teuer und nicht mehr zeitgemäße Ausbildungsmethoden – diese Diskussion entspann sich in Deutschland. Der Ruf nach modernen Ausbildungsmethoden in Fahrschulen – digitale Unterrichtseinheiten und die Verwendung von Fahrsimulatoren – wurde laut. Doch wie ist die Situation in Österreich? Können die Fahrschulen bei der rasanten Entwicklung moderner Medien und deren Einsatz im Unterricht mithalten?

Karl Schlosser ist ausgebildeter Fahrlehrer und übernahm im Jahr 2006 die Fahrschule Liesing von seinem Vater. Mittlerweile leitet er vier Fahrschulen in Wien und ist selbst noch als Fahrlehrer tätig.

Im Jahr 2020 wurde Karl Schlosser zum Vorsitzenden der Fachvertretung Wien der Fahrschulen und des Allgemeinen Verkehrs gewählt. Darüber hinaus vermittelt er Volksschülern im Rahmen von Workshops die Gefahren des Toten Winkels im Straßenverkehr und engagiert sich beim Bundesheer, um Grundwehrdiener mit dem Heereslenkerausweis C bei der Umschreibung in einen zivilen Führerschein der Klasse C zu unterstützen. Im medianet-Interview analysiert Schlosser die aktuelle Situation.

medianet: Wie geht es den Wiener Fahrschulen?
Karl Schlosser: Im Großen und Ganzen ist unsere Branche bei der Transformation dabei. Wir stellen auf Elektroautos um und wir bieten etwa Spritspartrainings an. Insgesamt geht es der Branche ganz gut, aber natürlich befindet sich alles im Wandel. Regional unterschiedlich machen die Menschen etwas später den Führerschein, manche, vor allem innerstädtisch, gar nicht.

medianet: Verwenden Fahrschulen E-Autos bei der Ausbildung?
Schlosser: Der Stand der Technik ist bei uns natürlich auch Ausbildungsinhalt. Insbesondere wird im Laufe des kommenden Jahres ein langjähriger Reformwunsch umgesetzt, sodass man dann auch mit einem Automatikauto die Führerscheinprüfung absolvieren kann.
Das hat vor allem den Grund, dass es immer mehr E-Autos gibt, die über kein Schaltgetriebe verfügen. Es wird aber auch eine sehr einfache Möglichkeit geben, daraus einen Schaltführerschein zu machen. Das begrüßen wir sehr.

medianet: Es gab bereits früher die Möglichkeit, einen Führerschein nur für Automatikfahrzeuge zu erhalten.
Schlosser: Das ist nach wie vor so, aber dann ist man auf Automatikautos eingeschränkt. Das wird auch so bleiben.

medianet: Wie sieht es bei der technischen Ausbildung aus? Wird noch immer die Verbrennertechnik gelehrt?
Schlosser: Wir befinden uns gerade in einer technisch sehr komplexen Umbruchzeit. Es gibt nach wie vor Verbrenner, es gibt Hybridfahrzeuge mit unterschiedlichsten Technologien und Elektroautos. Für jene, die die Ausbildung zum Fahrlehrer absolvieren, sind die Ansprüche heute höher. Bei jenen Kenntnissen, die ein Führerscheinbesitzer benötigt, ist es etwas einfacher.

medianet: Wird bei den Prüfungen nach wie vor Verbrennertechnikwissen verlangt?
Schlosser: Das wird jedes Jahr evaluiert, ausgemistet und mit Neuerungen ergänzt. Hier muss man aber zwischen Theorie- und Praxisprüfung unterscheiden. Bei der Theorie ist das gesamte Spektrum abgebildet, aber nur in groben Zügen und nicht bis hin zu einem Viertakt-Ottomotor. Dafür kam das Thema Rekuperation hinzu, denn das ist ein wesentlicher Aspekt, der für Führerscheinwerber wichtig ist. Das betrifft sowohl die Praxisausbildung als auch die Theorieprüfung. Die Praxisprüfung ist auf jenes Fahrzeug bezogen, das auch bei Fahrstunden verwendet wird. Wenn man mit einem Elektroauto antritt, wird der Prüfer Fragen zu Elektroautos stellen.

medianet: Wie sieht es mit dem Erlernen der Verwendung von Assistenzsystemen aus?
Schlosser: Grundsätzlich werden Assistenzsysteme in groben Zügen in die Ausbildung aufgenommen. Es gibt in Österreich aber eine zweite Ausbildungsphase, in deren Rahmen zwei Perfektionsfahrten absolviert werden, bei denen speziell darauf Bezug genommen wird. Dabei geht es auch darum, die Grenzen von Assistenzsystemen aufzuzeigen und zu vermitteln, dass man sich nicht blind darauf verlassen soll.

medianet: Sie haben die Mehrphasenausbildung mit den Perfektionsfahrten nach der Führerscheinprüfung angesprochen. Ist das sinnvoll?
Schlosser: Sie ist absolut sinnvoll und ein internationales Vorbild für die EU. Die Einführung der Mehrphasenausbildung und des L17 im Jahr 2003 hat sich massiv positiv auf die Verkehrssicherheit ausgewirkt und die Unfallzahlen in dieser Altersgruppe sind rückläufig. Im Rahmen der Perfektionsstunden haben wir die Möglichkeit, genauer auf Assistenzsysteme einzugehen und dem Fahrer Feedback zum Fahrverhalten zu geben. Hinzu kommt ein Sprit- oder Stromspartraining.

medianet: Gibt es auch bei der Zweiradausbildung Neuerungen, was die Elektromotorräder betrifft?
Schlosser: Noch gibt es keine großen Unterschiede, da E-Motorräder in der Anschaffung relativ teuer sind.

medianet: Die Ausbildungskosten für einen Führerschein der Klasse B betragen in Österreich zwischen 2.000 und 2.500 Euro. In Deutschland gibt es Kritik, dass die Ausbildung zu teuer ist. Angeregt wird mehr Remote-Learning und Training am Fahrsimulator. Wie verhält es sich in Österreich?
Schlosser: In Deutschland ist die Führerscheinausbildung deutlich teurer. Bei uns sind etwa 18 Fahrstunden vorgeschrieben, in Deutschland braucht man wesentlich mehr bei gleichen Kosten pro Stunde. Man hat auch das Wording in der Wissensvermittlung geändert.
Wir machen zusätzlich Bewusstseins- und Verkehrssinnbildung. Dabei nehmen wir viele Inhalte aus den Fahrstunden in den Theoriekurs. Das ist sehr effizient gestaltet, damit weniger Fahrstunden benötigt werden.
Ich bin der Meinung, dass jede qualifizierte Ausbildung Geld kostet und den Führerschein macht man einmal im Leben. Kosten von 2.000 bis 2.500 Euro inklusive Behördenkosten, der medizinischen Untersuchung und 18 Fahrstunden sind realistisch. Wobei sich die Anzahl der Fahrstunden individuell unterscheiden kann.

medianet: Die Arbeiterkammer monierte zum Teil intransparente Preise.
Schlosser: Die Angabe von Kosten auf der Homepage einer Fahrschule ist seit Anfang August gesetzlich verpflichtend. Unterschiedliche Preise erklären sich durch die unterschiedlichen Eigenkosten der Fahrschulen, wie Miete oder Kosten für den verpflichtenden 2.000 Quadratmeter großen Übungsplatz. Das ist in Wien nicht gerade billig.

medianet: Wie stehen Sie zur Anerkennung von ausländischen Führerscheinen?
Schlosser: Das kann ich pauschal nicht beantworten, aber Fahrschulen bieten Auffrischungsstunden, auch bei der Theorie, an, wenn sich jemand über die lokalen Vorschriften informieren möchte.

medianet: Stimmt es, dass es eine hohe Durchfallquote bei den Praxisprüfungen gibt?
Schlosser: Die Quote ist in den vergangenen Jahren statistisch gesehen stabil. Bei Prüfungen in Wien ist eher die Vielfalt der Verkehrssituationen für Fehler­quellen bei der Praxis ein Thema.

medianet: Es gab Diskussionen über das Schummeln mit moderner Technik.
Schlosser: Der Gesetzgeber hat entsprechende Maßnahmen getroffen, um das zu unterbinden. So werden Handys zur Seite gelegt oder überhaupt
abgedreht.

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