Vier Millimeter Reifenprofil sind keine Sicherheitsreserve
© ADAC/Marc Wittkowsk
Das gesetzlich vorgeschriebene Reifenprofil von vier Millimetern ist kein Garant für Sicherheit auf Eis und Schnee.
MOBILITY BUSINESS Redaktion 22.09.2026

Vier Millimeter Reifenprofil sind keine Sicherheitsreserve

Der ÖAMTC testet abgefahrene Reifen und stellte fest, dass die Sicherheit unter vier Millimetern Profiltiefe rapide abnimmt.

WIEN. In Österreich schreibt der Gesetzgeber für Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern vor. Eine aktuelle Untersuchung des ÖAMTC und seiner Partnerorganisationen bestätigt die Sinnhaftigkeit dieser Regelung: Mit vier Millimetern Restprofil beginnen Winterreifen demnach, spürbar an Sicherheit zu verlieren. Besonders deutlich sind die Einbußen allerdings nicht bei Eis und Schnee, sondern vor allem auf nasser Fahrbahn.

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl: „Viele Autofahrer betrachten die vorgeschriebenen vier Millimeter Profil als Sicherheitsreserve. Tatsächlich zeigen unsere Ergebnisse, dass hier bereits eine kritische Phase beginnt. Es ist also durchaus sinnvoll, dass man sich in Österreich spätestens bei dieser Profiltiefe um neue Reifen kümmern muss.“

Nässe wird früher zum Problem als Schnee
Für die Untersuchung wurden fünf aktuelle Winterreifenmodelle sowohl im Neuzustand als auch mit vier und zwei Millimetern Restprofil getestet. Geprüft wurden unter anderem Bremsverhalten, Handling, Traktion sowie das Verhalten auf Schnee und bei Nässe. Besonders kritisch entwickelt sich die Aquaplaning-Performance. „Bereits bei vier Millimetern Restprofil verlieren die Reifen im Vergleich zu einem neuen Modell im Schnitt bis zu 25 Prozent ihrer Leistung bei der Wasserverdrängung. Bei zwei Millimetern Restprofil – ausreichend, um etwa in Deutschland gesetzeskonform unterwegs zu sein – steigen die Verluste auf über 50 Prozent an“, erläutert der ÖAMTC-Experte.

Der Hintergrund: Im Vergleich zu Sommerreifen, die über breite Mittellaufrillen verfügen, kann ein mit Lamellen gespickter Winterreifen mit sinkender Profiltiefe wesentlich weniger Wasser verdrängen bzw. ableiten. Dadurch geht der Kontakt zur Fahrbahn früher verloren und das Fahrzeug beginnt aufzuschwimmen. Kerbl: „Dass die größten Sicherheitsverluste in erster Linie nicht auf Schnee, sondern bei Regen, tiefen Pfützen und Schneematsch auftreten, überrascht viele Autofahrer. Dabei kommt eine nasse Fahrbahn in unseren Breiten viel häufiger vor als Schnee und Eis.“

Premiumreifen ersetzen fehlendes Profil nicht
Die Untersuchung zeigt zudem, dass die Profiltiefe einen größeren Einfluss auf die Fahrsicherheit hat als die Unterschiede zwischen einzelnen Reifenmodellen oder Preisklassen. Zwar unterscheiden sich Premium-, Qualitäts- und Budgetreifen in ihrem Ausgangsniveau, keines der getesteten Modelle konnte jedoch den negativen Einfluss geringer Profiltiefe kompensieren. „Selbst leistungsstarke Premiumreifen verlieren mit zunehmendem Verschleiß deutlich an Sicherheitsreserven. Die Profiltiefe bleibt damit der entscheidende Faktor für die Fahrsicherheit von Winterreifen“, hält Kerbl fest.

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