WIEN Lange wurde gemunkelt, nun ist es fix. Der Medienmanager Markus Breitenecker hat freitag früh - nach Lisa Totzauer bereist Dienstag dieser Woche - seine Bewerbung via Vidobotschaft um die Position des Generaldirektors des ORF öffentlich gemacht. Der Medienmanager begründet seine Kandidatur mit den wirtschaftlichen Herausforderungen für den Medienstandort und verweist auf die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer aus seiner Sicht angespannten Phase der Branche. „Es geht um viel für Österreich – und vielleicht um alles für den ORF und den Medienstandort“, so Breitenecker.
Breitenecker verweist auf mehr als 30 Jahre TV-Erfahrung, Führungsverantwortung in einem Medienunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern sowie Erfahrung in der digitalen Streaming-Transformation. Gemeinsam mit dem ORF-Team wolle er „erstens, das bestmögliche Qualitätsprogramm für unser Publikum herstellen: österreichische Inhalte, regionales Programm, unabhängige Nachrichtenredaktionen. Zweitens, die technologische Vorreiterrolle des ORF so ausbauen, dass die gesamte Medienlandschaft davon profitiert. Und drittens, wieder zu einem menschlichen, anständigen und wertschätzenden Miteinander finden.“
In seiner Videobotschaft spricht Breitenecker das Team des ORF auch direkt an und er meint auch: „Gemeinsam mit den vielen hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im ORF möchte ich, erstens, das bestmögliche Qualitätsprogramm für unser Publikum herstellen: österreichische Inhalte, regionales Programm, unabhängige Nachrichtenredaktionen. Zweitens, die technologische Vorreiterrolle des ORF so ausbauen, dass die gesamte Medienlandschaft davon profitiert. Und drittens, wieder zu einem menschlichen, anständigen und wertschätzenden Miteinander finden.“
Konzept für einen „souveränen ORF“
Unter dem Titel „Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor“ tritt Breitenecker mit einem eigenen Bewerbungskonzept an. Dieses sieht eine stärkere Orientierung an Public Value und eine engere Zusammenarbeit innerhalb der österreichischen Medienlandschaft vor. „Zu einem souveränen ORF gehört der bedingungslose Fokus auf Public-Value-Programm. Das ist für mich Qualitätsjournalismus im Sinne des Gemeinwohls. Es ist meine langjährige Überzeugung, dass heimische Medien bei all ihrer Unterschiedlichkeit als strategische Partner zusammenarbeiten müssen und dass der ORF dabei eine entscheidende Rolle spielt.”
Kopperation, Kooperation, Kooperation
Mehrfach verweist Breitenecker auf Kooperationen als medienpolitisches Leitmotiv: „Mein medienpolitisches Credo für eine kooperative Medienordnung lautet seit mehr als zehn Jahren ‚Kooperation statt Konkurrenz‘. Ich bin überzeugt davon, dass darin auch der Grundstein für ein neues, zukunftsgerichtetes Selbstverständnis des ORF liegt – im Sinne einer Gesamtverantwortung für Österreichs Medienlandschaft. Nur gemeinsam sind wir stark und bleiben souverän.“
Immer wieder möglicher Kandidat
Breitenecker wurde auch bei den vergangenen Wahlen immer wieder nachgesagt, am Führungssessel im ORF Interesse zu haben. In seiner Funktion beim der Pro7-Gruppe in Österreich betonte der Medienmanager auch immer wieder, dass seine Sendergruppe mit ihrem Programm ebenfalls viel zum Thema Public Value beitrage und nicht nur der ORF. Breitenecker ist auch ein Fan der Idee, dass der ORF seine Inhalte mit den Privaten teilen solle.
Welche Chancen Breitenecker hat, wird sich erst weisen müssen. Aktuell gilt APA-CEO Clemens Pig als Favorit in der ÖVP, die wie bekannt, ein Vorschlagsrecht für den Top-Posten am Küniglberg hat. Falls weitere Bewerberinnen und Bewerber noch ihren Ring in den Hut werfen, könnte aber durchaus eine Dynamik entstehen, an deren Ende es durchaus bei der Wahl des ORF Generaldirektors oder der Generaldirektorin am 11. Juni doch noch eine Überraschung geben könnte.
In seiner Videobotschaft plädiert der 57-Jährige für einen „souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt“. Gleichzeitig sieht er Reformbedarf und sein Urteil über den ORF fällt deutlich aus: „Der ORF steckt in einer veritablen Krise. Nicht zuletzt die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Fokus auf das Wesentliche verstellt: die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags für das österreichische Publikum.“(fej)
Markus Breitenecker (57) studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien und ist seit den 1990er-Jahren in der Medienbranche tätig. Nach Stationen beim „The Weather Channel“ und Kabel 1 startete er 1998 ProSieben Austria und führte in der Folge die österreichischen Aktivitäten von ProSiebenSat.1 Puls 4 Österreich. Unter seiner Führung entstanden unter anderem Puls 4, der Nachrichtensender Puls 24 sowie die Streamingangebote Zappn und später Joyn. Breitenecker initiierte zudem das Digitalfestival 4Gamechangers, veröffentlichte gemeinsam mit Corinna Milborn das Buch „Change the Game“. Seit 2024 ist er als COO der ProSiebenSat.1 Media SE unter anderem für Streaming, Digitalstrategie, Technologie, KI, Vertrieb und Medienpolitik sowie die Märkte Österreich und Schweiz verantwortlich.