ORF III: Peter Schöber abberufen und beurlaubt
APA / WOLFGANG JANNACH
Peter Schöber, bisher ORF III Co-Geschäftsführer muss den ORF verlassen
PRIMENEWS Redaktion 05.08.2026

ORF III: Peter Schöber abberufen und beurlaubt

Gegen Schöber lief seit geraumer Zeit eine Compliance-Untersuchung. ORF-Chefin Thurnher untersagt ihm auch Kontakt zu Stiftungsräten.

WIEN ORF-III-Co-Geschäftsführer Peter Schöber ist wegen Compliance-Vorwürfen abberufen und beurlaubt worden. Der ORF bestätigte gegenüber der APA entsprechende Medienberichte. Die alleinige ORF-III-Geschäftsführung obliegt bis auf weiteres Kathrin Zierhut-Kunz.

"Die Prüfung der gegen ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber erhobenen Vorwürfe durch die ORF-Compliance-Stelle sowie externe Expertinnen und Experten ist abgeschlossen", heißt es in einem der APA übermittelten Statement. "Sie kommt zum Ergebnis, dass in vielfacher Hinsicht Verhaltensweisen gezeigt wurden, die mit der Funktion einer Führungskraft im ORF nicht vereinbar sind."

Aus diesem Grund habe ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher Schöber mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt. Gespräche über sein Ausscheiden aus dem ORF wurden demnach aufgenommen. Weitere Details der Compliance-Untersuchung könne der ORF aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht kommentieren. Wie unter anderem "Der Standard" berichtet, habe Schöber "Verhaltensweisen gezeigt, die mit der Funktion einer Führungskraft im ORF nicht vereinbar sind".

Kontaktverbot für Schöber zu Stiftungsräten

Wie Thurnher laut orf.at dem Stiftungsrat mitteilte, sei Schöber angewiesen worden, von einer Kontaktaufnahme zum Gremium abzusehen. "Sollte es zu Kontaktaufnahmen kommen, bitte ich um eine entsprechende Meldung", schrieb Thurnher demnach. Schöber  hatte im Frühjahr mittels Antrag auf eine einstweilige Verfügung beim Arbeits- und Sozialgericht Wien zu verhindern versucht, dass der Stiftungsrat den Compliance-Bericht einsieht, womit er keinen Erfolg hatte. Das Gericht betonte damals die Verpflichtung der ORF-Räte zur Verschwiegenheit. Die Gefahr allein, dass Verschwiegenheitspflichten verletzt werden könnten, würde keinen Anspruch auf Unterlassung der Offenlegung begründen.

Kritik seit geraumer Zeit

Die ORF-Compliance-Stelle befasst seit geraumer Zeit mit Schöber. So erschien etwa Ende 2024 ein "Standard"-Bericht, laut dem in den Wochen davor mehrere  Dutzend Personen vor der Compliance-Stelle zum bisheringe ORF III Co-Geschäftsführer ausgesagt hätten. Viele davon hätten sich über seinen Führungsstil beschwert, heißt es. Dabei sei von verbalen Entgleisungen, Mobbing, Machtdemonstrationen, Einschüchterungen und Kündigungsdrohungen die Rede. Der ORF wie auch Schöber äußerten sich damals auf eine APA-Anfrage nicht zu den Vorwürfen.

Journalist seit Ende der 1980er

Peter Schöber sammelte Ende der 1980er-Jahre seine ersten journalistischen Erfahrungen beim ORF Radio Oberösterreich, ehe er in den 1990er-Jahren Führungspositionen beim Ars-Electronica-Festival übernahm und Teil des Gründungsteams des Ars Electronica Centers (AEC) wurde. Ab 1998 wirkte er als leitender Redakteur in der ORF-Informationsdirektion, steuerte europaweite Medienprojekte an der Schnittstelle von Journalismus und Technologie und absolvierte das CNN International Professional Programm.

In den Jahren 2007 bis 2009 leitet er die Hauptabteilung für Zentrale Programmdienste Fernsehen im ORF und verantwortete dort Bereiche wie die Programmplanung, Sendeleitung und Programmpromotion. Seit 2010 ist Schöber Geschäftsführer von TW1 und steuerte in dieser Funktion federführend den Umbau sowie das Genehmigungsverfahren hin zum heutigen Kultur- und Informationsspartensender ORF III, wo er schließlich vom ehemaligen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zum Senderchef bestellt wurde. Nach dem Abgang vom ehemaligen ORF Generaldirektor Roland Weißmann, ORF Enterprise Chef Oliver Böhm, und ORF-Manager Pius Strobl muss nun mit Peter Schönber in nur wenigen Monaten bereits der vierte Top-Manager den ORF verlassen. (APA/red))

 

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