„Es braucht Überzeugung“
© Auris Immo Solutions
Laut Christian Schön, geschäftsführender Gesellschafter von Auris Immo Solutions, sollte Nachhaltigkeit in der Immobranche langfristig gedacht werden.
FINANCENET REAL:ESTATE Redaktion 03.07.2026

„Es braucht Überzeugung“

Christian Schön, geschäftsführender Gesellschafter von Auris Immo Solutions, über das diffizile Thema Nachhaltigkeit im Immobilienbereich.

WIEN. „Die aktuelle Diskussion rund um nachhaltiges Bauen und Sanieren zeigt deutlich, wie stark dieses Thema in den vergangenen Jahren von Förderprogrammen, regulatorischen Vorgaben, geopolitischen Entwicklungen und zuletzt auch von den Energiekrisen geprägt wurde. Das ist nachvollziehbar, greift aus meiner Sicht jedoch zu kurz“, sagt Christian Schön, geschäftsführender Gesellschafter von Auris Immo Solutions.

Gerade die jüngsten Entwicklungen hätten eindrucksvoll vor Augen geführt, wie eng Energieversorgung, Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Resilienz und geopolitische Entwicklungen miteinander verbunden sind. Deshalb müsse Nachhaltigkeit über politische Programme und kurzfristige Marktzyklen hinausgedacht werden.

Weitreichend
„Wer heute in Wohnimmobilien investiert, entwickelt oder saniert, trifft Entscheidungen für Zeiträume von oftmals mehr als 50 Jahren. Immobilien haben Lebenszyklen von mehreren Jahrzehnten. In solchen Dimensionen verlieren kurzfristige politische Zyklen an Bedeutung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Gebäude auch in Jahrzehnten noch wirtschaftlich tragfähig, ressourcenschonend und für ihre Nutzer attraktiv sein werden.“

Aus Sicht von Schön liege genau darin eine der zentralen Herausforderungen der Branche. Während politische Rahmenbedingungen, Marktphasen und gesellschaftliche Prioritäten einem ständigen Wandel unterliegen, bleibt die physische Immobilie selbst über Generationen bestehen. „Die Energiekrisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell vermeintliche Selbstverständlichkeiten infrage gestellt werden können. Gebäude, die auf einen niedrigen Energiebedarf, intelligente Versorgungssysteme und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen ausgerichtet sind, weisen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Entwicklungen auf. Gleichzeitig ermöglichen sie ein Stück weit die Entkopplung von volatilen Energiepreisen und externen Versorgungsabhängigkeiten.“

Gesamtheitlich
Es gehe dabei nicht um einzelne Technologien oder kurzfristige ESG-Maßnahmen, sondern um ein ganzheitliches Verständnis von Immobilienentwicklung und Asset Management.
Geothermie, Grundwassernutzung, Grauwassersysteme, Photovoltaik sowie hochwertige thermische Sanierungen seien keine Einzelmaßnahmen, sondern wesentliche Bestandteile eines langfristig funktionierenden Systems.

Strategisch
„Unser Ansatz war nie, einzelnen ESG-Trends zu folgen. Im Mittelpunkt steht für uns vielmehr die Frage, wie sich Immobilien über ihren gesamten Lebenszyklus entwickeln und welchen Beitrag sie langfristig zur Stabilität eines Portfolios leisten können. Wir betrachten Nachhaltigkeit nicht als Trend oder Marketinginstrument, sondern als Teil einer langfristigen Risiko- und Wertstrategie. Gerade institutionelle Investoren denken nicht in Quartalen und oftmals auch nicht in politischen Legislaturperioden. Sie denken in Generationen von Kapitalanlagen.“

Nach Ansicht von Schön werde sich langfristig jene Form der Nachhaltigkeit durchsetzen, die unabhängig von politischen Strömungen wirtschaftlich sinnvoll bleibe. „Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Förderungen heute verfügbar sind. Entscheidend ist, welche Immobilien auch unter veränderten wirtschaftlichen, energiepolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen langfristig funktionieren werden. Dort beginnt aus meiner Sicht echte Nachhaltigkeit“, reflektiert Schön abschließend. (hk)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL