Es zieht nordwärts
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FINANCENET REAL:ESTATE Redaktion 22.05.2026

Es zieht nordwärts

Laut UniCredit Bank Austria kann in den kommenden Jahren von einem Anstieg der Immopreise ausgegangen werden.


WIEN. „Nach zwei Jahren mit sinkenden Wohnimmobilienpreisen um insgesamt mehr als drei Prozent kam es 2025 zur Trendwende“, so UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Trotz leicht steigender Preise für Wohnimmobilien hat sich auch 2025 die Leistbarkeit aufgrund der stärker gestiegenen Einkommen verbessert. Seit 2022 kam zu einer Erhöhung der Leistbarkeit gemessen am Verhältnis der Nettoeinkommen zu den Immobilienpreisen um mehr als ein Fünftel.“ Begünstigt durch gesunkene Finanzierungskosten stabilisierten sich die Preise für Wohnimmobilien in der ersten Hälfte 2025 und begannen in der zweiten Jahreshälfte zu steigen. Nach dem Rückgang der Immobilienpreise 2023 und 2024 um insgesamt 3,2% gemäß Häuserpreisindex (HPI) der Statistik Austria legten die Preise 2025 im Durchschnitt um 2,6% zu.
„Trotz der eingesetzten Trendwende sind Wohnimmobilien aktuell noch günstiger als im Jahr 2022. Nach unserer Schätzung betrug der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in Österreich 2025 ca. 4.100 Euro und für Einfamilienhäuser knapp 2.800 Euro. Das stellt eine Ersparnis von rund 250 bzw. ca. 120 Euro pro Quadratmeter gegenüber 2022 dar“, meint UniCredit Bank Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Immopreise steigen wieder
Im langfristigen Vergleich ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Seit dem Jahr 2010 sind die Preise für Wohnimmobilien deutlich gestiegen. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank verstärkt durch unkonventionelle Maßnahmen, wie den unterschiedlichen Wertpapierkaufprogrammen, hat einerseits besonders günstige Finanzierungsbedingungen geschaffen und andererseits die Veranlagung in Wohnimmobilien besonders attraktiv gemacht. Die Nachfrage wurde zudem durch den hohen Wohnbedarf als Folge eines kräftigen Bevölkerungswachstums verstärkt.

„Im Durchschnitt haben sich die Preise für Wohnimmobilien in Österreich von 2010 bis 2025 mehr als verdoppelt. Die Immobilienpreise legten in diesem Zeitraum um 116 Prozent zu. Während sich bei Einfamilienhäusern der Quadratmeterpreis verdoppelt hat, stieg der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen sogar um 120 Prozent an“, so Pudschedl.

Stabilisierung erwartet
Für 2026 und 2027 gehen die Ökonomen der UniCredit Bank Austria von weiter steigenden Immobilienpreisen etwa in der Höhe der allgemeinen Inflation zwischen zwei und drei Prozent aus. Zum einen würden die Neubaupreise voraussichtlich weiter zulegen. Der neuerliche energiepreisbedingte Inflationsschock durch den Krieg im Iran werde die Materialkosten und mit etwas Verzögerung auch die Lohnkosten erhöhen. Damit würden die Baukosten und -preise, die sich in den vergangenen beiden Jahren kaum verändert haben, wieder eine Aufwärtstendenz aufweisen. Zum anderen sei in den kommenden Jahren eine zumindest leicht steigende Nachfrage nach gebrauchtem und meist leistbarerem Wohneigentum zu erwarten.

Experteneinschätzung
„Der nachfrage- und kostenbedingte Anstieg der Immobilienpreise in den kommenden Jahren wird auch durch ein enges Angebot geschürt werden, als Folge geringer Fertigstellungen nach dem Einbruch der Baubewilligungen ab 2022“, meint Bruckbauer und erklärt abschließend: „Trotz möglicher Leitzinsanhebungen durch die EZB als Reaktion auf die Folgen des Iran-Konflikts werden die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig sein, was den Erwerb von Wohneigentum auch aus Veranlagungsmotiven stärken dürfte, zumal eine nachfragebedingt anhaltend hohe Mietpreisdynamik eine ansprechende Renditeentwicklung in der Vermietung verspricht.“ (hk)

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