Ardo-Aus mahnt zum Umdenken
© Katharina Schiffl
Günter Thumser
RETAIL Redaktion 23.10.2026

Ardo-Aus mahnt zum Umdenken

Nach dem unerwarteten Ardo-Aus wächst nun die Sorge um die heimische Lebensmittelproduktion.

Gastkommentar  ••• Von Günter Thumser

WIEN. Das sich abzeichnende Aus von Ardo in Groß-Enzersdorf zeigt, wie eng der Spielraum für heimische Produktion geworden ist. Der Tiefkühlgemüsehersteller hat ein Hilfspaket von Bund und Land abgelehnt und will künftig aus billigeren Werken im Ausland beliefern.

Harscher EU-Gegenwind
Dazu droht Markenherstellern Gegenwind aus Brüssel: Rund um den Europäischen Rat Mitte Oktober hat die Debatte über ein mögliches Pauschalverbot territorialer Lieferbeschränkungen (Territorial Supply Constraints, TSC) Fahrt aufgenommen.

Ein Händler will ein Markenprodukt günstiger aus Rumänien beziehen, der Hersteller verweist auf seinen österreichischen Vertrieb: Das ist eine territoriale Lieferbeschränkung. Echter Missbrauch dieses Instruments gehört sanktioniert. Ein Pauschalverbot träfe aber auch wirtschaftlich begründete Unterschiede zwischen den Märkten und könnte die heimische Lebensmittelproduktion zusätzlich gefährden.

Freiheit hat hohen Preis
Wenn jede Ware europaweit frei bezogen werden kann, lassen sich unterschiedliche Kosten nicht mehr abbilden – der niedrigste Preis wird zum Maßstab. Heimische Hersteller produzieren nach hohen Standards bei Sozialem, Pflanzenschutz und Tierwohl.

Würden sich diese Kosten letztlich nicht mehr im Preis niederschlagen, geraten Branchen mit knappen Margen unter Druck. Für den Handel heißt das: Je weniger regionale Lieferanten, desto weniger Substanz bleibt für Regionalität als Verkaufsargument.

Befürworter verweisen auf den „Österreich-Aufschlag“. Das Anliegen ist legitim, die Antwort liegt aber bei den Ursachen: Dem Fieberthermometer die Anzeige von mehr als 39 Grad zu verbieten, macht niemanden gesund. Leistbarer werden Lebensmittel durch wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Abgaben und Lohnnebenkosten sowie Bürokratieabbau.

Ja zur heimischen Produktion
Wir brauchen daher von der Politik einen differenzierten Ansatz, der regionale Liefervereinbarungen im Rahmen des Wettbewerbsrechts erhält und Missbrauch ahndet – also eine Entlastungsagenda für heimische Produzenten inklusive einer belastbaren Folgenabschätzung für Beschäftigung, Landwirtschaft und Versorgungssicherheit. Wer Eigenversorgung will, muss die Bedingungen dafür schaffen.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL