•• Von Georg Sohler
Die Wurzeln von café+co sind die österreichischen Unternehmen Delikomat und Vendare. In den 1970er-Jahren war die Welt noch eine ganz andere und mit ihr auch die Arbeitswelt. Diese unterliegt zunehmend Veränderungen. Damals wie heute gilt: Die Kaffeepause gehört dazu, auch wenn das dazugehörende Getränk mittlerweile ein Matcha ist. CEO Fritz Kaltenegger erklärt, wie das Unternehmen mit elf operativen Gesellschaften in insgesamt acht Ländern und über 2.300 Mitarbeitern heutzutage das richtige Getränk in die Büros liefert.
medianet: Wie entwickelt sich der Kaffeekonsum?
Fritz Kaltenegger: Kaffee ist nach wie vor das mit Abstand wichtigste Heißgetränk am Arbeitsplatz und die Nachfrage bewegt sich auf einem stabilen Niveau. Gleichzeitig sehen wir, dass sich die Anforderungen an die Versorgung in Unternehmen verändern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwarten heute mehr Auswahl und eine hohe Qualität. Das betrifft unterschiedliche Kaffeespezialitäten ebenso wie Kaltgetränke, Snacks oder komplette Verpflegungslösungen.
medianet: Welchen Stellenwert hat Kaffee im Alltag der arbeitenden Menschen aktuell?
Kaltenegger: Kaffee erfüllt am Arbeitsplatz mehrere Funktionen. Er ist Genussmittel, Energielieferant und vor allem ein sozialer Begleiter durch den Arbeitstag. Die Kaffeepause ist häufig jener Moment, in dem Kollegen informell miteinander ins Gespräch kommen. Gerade in einer Arbeitswelt, die durch Digitalisierung und teilweise auch durch mobiles Arbeiten geprägt ist, gewinnen solche persönlichen Begegnungen an Bedeutung. Viele Menschen möchten auch am Arbeitsplatz jene Kaffeequalität und Auswahl vorfinden, die sie aus der Gastronomie oder von zu Hause kennen.
medianet: Wie wirken sich die modernen To-Go-Angebote aus?
Kaltenegger: Sie haben den Kaffeemarkt insgesamt verändert und die Erwartungen der Konsumenten an Qualität, Vielfalt und Verfügbarkeit erhöht. Das wirkt sich auch auf die Versorgung am Arbeitsplatz aus. Unser Vorteil ist, dass der Kaffee dort verfügbar ist, wo die Menschen ihren Arbeitstag verbringen.
medianet: Inwiefern hängt die Kaffeeversorgung von Unternehmensgrößen ab?
Kaltenegger: Die Unternehmensgröße spielt bei der Wahl des Versorgungskonzepts eine wichtige Rolle, entscheidend sind aber ebenso die Arbeitsorganisation und die Bedürfnisse der Mitarbeiter. In einem kleineren Büro ist unsere Office-Coffee-Solution mit einer Espressomaschine die richtige Lösung. In größeren Bürostandorten oder Produktionsbetrieben braucht es oft mehrere Versorgungspunkte und ein entsprechend breiteres Sortiment. Unsere Aufgabe besteht darin, das Konzept an den jeweiligen Standort anzupassen und nicht umgekehrt. Aufgrund unserer über 50 Jahre langen Erfahrung wissen wir, welche Lösungen für die individuellen Anforderungen die richtigen sind.
medianet: Die Belegschaften wollen nicht mehr nur Kaffee. Gerade Getränke sind Trends unterworfen.
Kaltenegger: Diese Entwicklung sehen wir sehr deutlich. Gefragt sind unterschiedliche Kaffeespezialitäten, Kaltgetränke ebenso wie zuckerreduzierte oder koffeinfreie Alternativen. Dabei unterscheiden wir zwischen kurzfristigen Trends und Veränderungen, die sich langfristig durchsetzen. Unsere Aufgabe ist es, neue Produkte frühzeitig zu beobachten und dort ins Sortiment aufzunehmen, wo eine entsprechende Nachfrage besteht. Wir werden demnächst beispielsweise eine neue Matcha-Maschine an einigen Standorten aufstellen. Gleichzeitig muss ein komplettes Versorgungsangebot im Unternehmensumfeld einfach verfügbar, wirtschaftlich und für eine größere Zahl von Konsumenten attraktiv sein. Deshalb verstehen wir uns nicht als reiner Kaffeeanbieter, sondern als Vollversorger für die Verpflegung am Arbeitsplatz. Das umfasst auch Kaltgetränke, Wasser und natürlich Snacks.
medianet: Jüngst wurde bei Arabica-Kaffee ein Höchstwert verkündet. Das Wetterphänomen El Niño könnte die Preise noch weitertreiben. Wie viel ‚darf‘ ein Kaffee kosten?
Kaltenegger: Die Entwicklung der Rohkaffeepreise beschäftigt die gesamte Branche. Kaffee ist ein Agrarprodukt und damit von Ernten, Wetterbedingungen, globaler Nachfrage und internationalen Warenmärkten abhängig. Hinzu kommen Wechselkurse, Energie-, Transport- und Personalkosten. Für uns ist entscheidend, bei der Qualität keine Abstriche zu machen. Wir versuchen, Preisentwicklungen durch langfristige Beschaffungsstrategien, effiziente Prozesse und unsere Größe bestmöglich abzufedern. Außerdem haben wir unsere eigene Röst-Manufaktur, die durch hochwertige Mischungen die Qualität unserer Kaffees sicherstellt. Die Frage, was ein Kaffee kosten darf, lässt sich daher nicht unabhängig von Qualität und Leistung beantworten. Für unsere Kunden zählt am Ende das Gesamtpaket aus Produktqualität, technischer Betreuung, Verfügbarkeit und Service. Unser Ziel ist es, dieses Verhältnis auch bei steigenden Kosten attraktiv zu halten.
medianet: Auch weitere Kosten steigen. Wie kann man sich heutzutage resilient machen?
Kaltenegger: Resilienz entsteht vor allem durch Diversifikation und Effizienz. Das betrifft die Beschaffung ebenso wie Logistik, Technik, Sortiment und interne Prozesse. Als international tätiges Unternehmen können wir auf ein breites Netzwerk, entsprechendes Einkaufsvolumen und langjährige Lieferbeziehungen zurückgreifen. Wir investieren zudem laufend in effizientere Abläufe, digitale Systeme und eine optimierte Logistik. Wichtig ist aber auch ein breites Geschäftsmodell. Wenn sich Bedürfnisse verändern, müssen wir darauf reagieren können. Deshalb entwickeln wir uns vom Automatenanbieter zum umfassenden Versorger am Arbeitsplatz. Heißgetränke bleiben ein Bestandteil unseres Geschäfts, ergänzt werden sie durch moderne Verpflegungskonzepte bis hin zu Mini-Märkten an öffentlichen Standorten. Diese Breite macht uns auch gegenüber Veränderungen im Markt robuster.