WIEN. Sicherheitsrelevante Infrastrukturinvestitionen könnten in den kommenden Jahren einen deutlichen wirtschaftlichen Effekt in Europa auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der DekaBank.
Europäische NATO-Staaten sollen neben höheren Verteidigungsausgaben künftig auch 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in sicherheitsrelevante Infrastruktur investieren. Dazu zählen unter anderem Verkehrsinfrastruktur, Bevölkerungsschutz sowie Cyber- und Netzwerksicherheit. Auf Österreich umgelegt ergibt sich laut Studie ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Milliarden Euro.
Die Investitionen könnten europaweit eine jährliche Produktionswirkung von insgesamt 822 Milliarden Euro auslösen. Davon entfallen laut Berechnung rund 17 Milliarden Euro auf Österreich. Jeder investierte Euro würde demnach einen gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro erzeugen.
Besonders profitieren könnten laut Studie Unternehmen aus den Bereichen Bau, Informations- und Kommunikationstechnologie, Logistik sowie Elektronik und Elektrotechnik. Die geplanten Investitionen könnten europaweit rund 4,4 Millionen Arbeitsplätze schaffen, davon knapp 75.000 in Österreich.
„Investitionen in Infrastruktur – von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit – bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten. Und wir werden in den kommenden Jahren einen massiven Anstieg dieser Infrastrukturinvestitionen sehen – dazu haben sich nicht nur die europäischen NATO-Länder verpflichtet, sondern diese Entwicklungen werden auch für Nicht-NATO-Staaten wie Österreich relevant werden“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe.
Laut Preiss könnten die Investitionen neben sicherheitspolitischen Zielen auch wirtschaftliche Effekte haben. „Diese Investitionen in die verteidigungsrelevante Infrastruktur werden erhebliche ökonomische Effekte entfalten und den Volkswirtschaften insgesamt zugutekommen, da sie – stärker noch als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinne – die Konjunktur kräftig ankurbeln können“, so Preiss.
Die Studie weist gleichzeitig auf Herausforderungen bei der Umsetzung hin. Dazu zählen bestehende Investitionsrückstände, begrenzte öffentliche Mittel sowie lange Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Matthias Danne, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, sieht daher auch privates Kapital als möglichen Faktor: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können – ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar. ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, aber im Ausland längst erfolgreich etabliert sind, sind zur Erreichung der Ziele unverzichtbar.“
Auch in Österreich werde verstärkt darüber diskutiert, wie privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte genutzt werden könne. Laut EY seien dafür unter anderem schnellere Genehmigungen, eine koordinierte zivile und militärische Planung sowie eine stärkere europäische Abstimmung notwendig.