WIEN. Nach zwei Jahren rückläufiger Umsätze zeigt die österreichische Industrie erste Anzeichen einer Erholung. Laut dem aktuellen Industriebarometer von EY stieg der Umsatz im produzierenden Bereich im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent auf 94,9 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Beschäftigung jedoch bereits das zehnte Quartal in Folge, während die Exporte um 3,5 Prozent auf 49,5 Milliarden Euro zulegten.
„Die österreichische Industrie hat den Boden erreicht, aber noch lange nicht die Kraft, sich davon abzustoßen. Der Umsatz wächst wieder – doch das Wachstum ist schmal, ungleich verteilt und wird von einem strukturellen Beschäftigungsabbau überschattet, der sich mittlerweile über zweieinhalb Jahre zieht. Die Frage ist nicht mehr, ob die Rezession endet, sondern wie tragfähig die Erholung sein wird”, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.
Automobilindustrie wächst, Beschäftigung bleibt unter Druck
Die stärksten Umsatzzuwächse verzeichneten die Automobilindustrie mit plus 7,5 Prozent, die Metallerzeugung und -bearbeitung (+6,6 Prozent), die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+6,3 Prozent), der Maschinenbau (+5,7 Prozent) sowie die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren (+4,5 Prozent). Rückläufig entwickelten sich hingegen die Chemie- und Pharmaindustrie (-6,7 Prozent) sowie die Papier- und Pappebranche (-6,0 Prozent).
„Was wir aktuell sehen, ist keine flächendeckende Trendwende, sondern eine sehr selektive Erholung. Die exportorientierten Investitionsgüterbranchen profitieren von einer leichten Belebung der internationalen Nachfrage, während sich Chemie/Pharma und Papier/Pappe in einem strukturell härteren Umfeld bewegen. Für die Standortpolitik ist das ein Warnsignal: Die Unterschiede zwischen den Branchen werden größer, nicht kleiner”, so Preiss.
Die Zahl der Beschäftigten lag um rund 12.000 unter dem Niveau des Vorjahres. Den stärksten prozentualen Rückgang verzeichnete die Textil- und Bekleidungsindustrie, gefolgt von der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Beschäftigungszuwächse gab es lediglich in den Bereichen Chemie/Pharma und Maschinenbau.
„Der anhaltende Beschäftigungsabbau ist die eigentliche strukturelle Nachricht dieses Quartals. Vor allem die Zahlen aus der Automobilindustrie – jeder fünfte Arbeitsplatz wurde seit 2019 gestrichen – zeigen, wie tiefgreifend die Transformation in Teilen der österreichischen Industrie bereits ist. Wo die Wertschöpfungsketten neu geordnet werden, verändert sich das Beschäftigungsprofil dauerhaft. Das ist kein zyklisches Phänomen mehr”, betont Preiss.
Die Exporte österreichischer Industrieunternehmen stiegen im ersten Quartal auf 49,5 Milliarden Euro. Wachstumstreiber waren vor allem die Ausfuhren in die Eurozone (+4,4 Prozent) und in andere internationale Märkte (+8,1 Prozent). Dagegen gingen die Exporte in die USA um 15 Prozent zurück. Branchenseitig verzeichneten die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, die Metallerzeugung und -bearbeitung, Gummi- und Kunststoffwaren sowie die Automobilindustrie die stärksten Exportzuwächse, während Chemie/Pharma und die Papierindustrie Rückgänge hinnehmen mussten.
„Das USA-Geschäft ist im ersten Quartal regelrecht eingebrochen – ein Minus von über einer halben Milliarde Euro in nur einem Quartal ist ein deutliches Warnsignal, gerade vor dem Hintergrund der handelspolitischen Debatten. Dass die Eurozone und Großbritannien diese Lücke aktuell kompensieren, ist ein Glücksfall, aber keine Strategie. Die österreichische Industrie wird ihre Absatzmärkte noch stärker diversifizieren müssen, um sich gegen geopolitische Schocks abzusichern”, sagt Preiss. (red)