Fairtrade baut Unterstützung für Kakaobauern aus
© Dominik Schallauer
Hartwig Kirner
RETAIL Redaktion 16.06.2026

Fairtrade baut Unterstützung für Kakaobauern aus

WIEN. Klimakrise, volatile Rohstoffmärkte und geopolitische Unsicherheiten setzen die Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Fairtrade setzt deshalb gemeinsam mit Partnerunternehmen auf existenzsichernde Einkommen und langfristige Handelsbeziehungen. Bereits 15 Unternehmen im Kakaosektor zahlen sogenannte Living Income Reference Prices. In der Saison 2024/25 stieg die zu diesen Referenzpreisen gehandelte Kakaomenge gegenüber dem Vorjahr um 60% auf knapp 32.000 Tonnen. Für 2026 wird ein weiterer Zuwachs erwartet.

Die Referenzpreise orientieren sich an den Lebenshaltungskosten in den Herkunftsländern und berücksichtigen unter anderem Ausgaben für Ernährung, Wohnen, Bildung und Gesundheitsversorgung. Sie sollen Unternehmen dabei unterstützen, Preise zu zahlen, die existenzsichernde Einkommen ermöglichen.
Auch die wirtschaftliche Wirkung des Fairtrade-Systems wächst. Produzentenorganisationen erwirtschafteten zuletzt weltweit 201,6 Mio. Euro an Fairtrade-Prämien. In den vergangenen fünf Jahren summierten sich diese auf mehr als eine Mrd. Euro. Die Mittel fließen unter anderem in Bildung, Infrastruktur, Klimaanpassung und Produktivitätssteigerungen. Rund 35% der Prämien wurden zuletzt für Schulungen, Werkzeuge und landwirtschaftliche Maschinen eingesetzt.

Wie solche Investitionen wirken, zeigt die Kakaokooperative Ecakoog in Côte d’Ivoire. Dort wurden mit den Prämiengeldern Trinkwasserbrunnen errichtet, Schulmaterial finanziert und Alphabetisierungsprogramme umgesetzt. Über die Verwendung der Mittel entscheiden die Mitglieder der Produzentenorganisationen selbst.

Ein weiteres Merkmal von Fairtrade ist die Mitbestimmung der Produzenten. Bauernfamilien und Beschäftigte aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik verfügen über 50% der Stimmrechte bei Fairtrade International und wirken an der Weiterentwicklung des Systems mit. Im Rahmen der jüngsten Generalversammlung standen unter anderem Strategie, Finanzen, Menschenrechtsrichtlinien und die zukünftige Ausrichtung der Organisation auf der Agenda.

„Die aktuellen Wirkungsdaten und die Ergebnisse der Generalversammlung zeigen: Faire Einkommen, demokratische Mitbestimmung und langfristige Partnerschaften stärken Produzentenorganisationen und schaffen widerstandsfähigere Lieferketten. In einer zunehmend unsicheren Welt sind sie damit auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für nachhaltigen Handel“, betont Hartwig Kirner von Fairtrade Österreich.

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