HARTKIRCHEN. Bei zahlreichen Essiggurkenprodukten im österreichischen Lebensmittelhandel ist die Herkunft der verwendeten Gurken nicht eindeutig erkennbar. Das zeigt eine Untersuchung von Wirtschaften am Land, efko Frischfrucht und Delikatessen sowie der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Insgesamt wurden Anfang Juni 2026 98 Produkte überprüft, darunter 58 Markenartikel und 40 Eigenmarken.
Bei 57,1 Prozent der untersuchten Produkte war am Etikett keine erkennbare Herkunftsangabe zu finden. Besonders betroffen waren Eigenmarken des Handels: Bei 77,5 Prozent der geprüften Produkte fehlte eine klare Herkunftsangabe. Von den 40 untersuchten Eigenmarken waren lediglich fünf Produkte eindeutig mit österreichischer Gurkenherkunft gekennzeichnet.
Nach Angaben der Organisationen ergaben Rückmeldungen des Handels teilweise mehrere mögliche Herkunftsländer für einzelne Produkte. In einigen Fällen wurden bis zu 15 Länder genannt, wodurch keine eindeutige Zuordnung möglich gewesen sei.
„Die Konsumenten erwarten sich heimische Gurkerl, bekommen jedoch oft unwissentlich Gurken aus Indien. Speziell bei den Eigenmarken des Handels ist die Herkunft nicht erkennbar. Wir sehen hier eine dramatische Entwicklung für die Konsumenten und für die heimischen Gemüsebauern. Wer keine indischen Gurken will, muss beim Einkauf zu Produkten greifen, die die Herkunft ausloben und so sicherstellen, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich bleiben“, sagt Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land.
Die Organisationen verweisen auf den steigenden Wettbewerbsdruck durch Importe. Seit dem EU-Beitritt Österreichs sei der oberösterreichische Marktanteil bei Einlegegurken im Lebensmittelhandel von mehr als 80 Prozent auf rund 50 Prozent gesunken. Gleichzeitig seien heimische Betriebe mit höheren Kosten für Arbeit, Energie und Betriebsmittel konfrontiert.
„Heimische Lebensmittelproduktion braucht faire Wettbewerbsbedingungen. Unsere Betriebe produzieren nach hohen Qualitätsstandards, schaffen regionale Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze und unsere Kulturlandschaft. Gleichzeitig tragen auch Konsumentinnen und Konsumenten Verantwortung: Wer bewusst Lebensmittel aus Österreich kauft, stärkt die Wertschöpfung im eigenen Land. Qualität aus Österreich hat ihren Wert – Transparenz schafft die Grundlage für bewusste Kaufentscheidungen“, betont Thomas Krahofer, Geschäftsführer von efko.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich verweist zudem auf die Bedeutung des arbeitsintensiven Anbaus. Laut Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, sichern oberösterreichische Gemüsebaubetriebe zahlreiche Arbeitsplätze in Produktion und nachgelagerten Bereichen.
Die beteiligten Organisationen fordern vom Handel eine transparentere Kennzeichnung der Herkunft, damit Konsumentinnen und Konsumenten Kaufentscheidungen auf Basis nachvollziehbarer Informationen treffen können. (red)