Haltbarkeit beginnt bei der Verpackung: Industriegase sollen Lebensmittelverschwendung reduzieren
© Messner Austria
Lukas Ritter
RETAIL Redaktion 17.09.2026

Haltbarkeit beginnt bei der Verpackung: Industriegase sollen Lebensmittelverschwendung reduzieren

WIEN. Lebensmittelverschwendung beginnt nicht erst im Haushalt. Bereits bei Verpackung, Kühlung und Lagerung wird beeinflusst, wie lange Lebensmittel ihre Qualität behalten. Messer Austria zeigt, welche Rolle Industriegase dabei spielen können: Unter anderem durch Schutzatmosphären lässt sich die Haltbarkeit bestimmter Lebensmittel verlängern und damit das Zeitfenster zwischen Produktion, Verkauf und Konsum vergrößern.

Rund 288.800 Tonnen Lebensmittel gehen in Österreich jährlich bereits in Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verloren. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Lebensmittelverschwendung am 29. September rückt Messer Austria deshalb die Möglichkeiten entlang der Lebensmittelkette in den Fokus.

Schutzatmosphäre verlängert Haltbarkeit
Bei der sogenannten Modified Atmosphere Packaging (MAP) wird die Luft in einer Verpackung durch eine gezielt zusammengesetzte Gasatmosphäre ersetzt. Lebensmitteltaugliche Gase wie Kohlendioxid und Stickstoff können dabei das Wachstum vieler Mikroorganismen verlangsamen und die Oxidation reduzieren.

„Welche Gase dabei zum Einsatz kommen, hängt vom jeweiligen Lebensmittel und der Verpackung ab. Bei rotem Fleisch kann beispielsweise Sauerstoff dazu beitragen, die gewünschte rote Farbe zu erhalten“, erklärt Lukas Ritter, zuständig für den technischen Vertrieb im Bereich Umwelt/Lebensmittel bei Messer Austria.

Wie groß der Effekt ausfallen kann, zeigen typische Anwendungsbeispiele: Bei rohem Fleisch sind unter Schutzatmosphäre statt vier bis sieben Tagen etwa 16 bis 21 Tage möglich, bei Wurstwaren statt zwei bis vier Tagen zwei bis fünf Wochen. Bei Hartkäse wie Emmentaler oder Gouda kann sich die Haltbarkeit von zwei bis drei Wochen auf etwa vier bis zehn Wochen verlängern. Bei Snacks wie Erdnüssen oder Chips sind statt rund zwölf Wochen bis zu 52 Wochen möglich, bei belegten Sandwiches statt ein bis zwei Tagen bis zu 28 Tage.

„Diese Zahlen zeigen vor allem, wie viel Zeit durch die richtige Verpackungsatmosphäre gewonnen werden kann“, sagt Ritter. „Eine Haltbarkeit lässt sich natürlich nicht pauschal versprechen. Sie hängt unter anderem vom Lebensmittel selbst, der Rezeptur, der Verpackung, der Hygiene und der Kühlkette ab.“

Kühlkette bleibt entscheidend
Eine längere Haltbarkeit kann dazu beitragen, vorzeitigen Verderb zu vermeiden und Lebensmittel länger in der Wertschöpfungskette zu halten. Denn werden Lebensmittel nach Erzeugung, Verarbeitung, Verpackung, Kühlung und Transport nicht verkauft oder konsumiert, gehen auch die dafür eingesetzten Ressourcen verloren.

„Weniger Verderb bedeutet auch, dass weniger Lebensmittel ersetzt werden müssen, die bereits unter Einsatz von Ressourcen hergestellt und in die Regale gebracht wurden“, sagt Lukas Ritter von Messer Austria. Eine Schutzatmosphäre allein verhindert jedoch keinen Lebensmittelverlust. Hygiene, Rezeptur, Verpackung und insbesondere eine durchgehend eingehaltene Kühlkette bleiben ebenfalls entscheidend.

Industriegase kommen zudem beim Kühlen, Tiefgefrieren, Lagern und Transportieren zum Einsatz. Flüssiger Stickstoff ermöglicht etwa ein besonders schnelles Gefrieren, wodurch sich unter geeigneten Bedingungen Struktur, Geschmack und Aussehen von Lebensmitteln erhalten lassen. Auch für Kühl- und Tiefkühltransporte gibt es technische Lösungen mit tiefkalten Industriegasen.

„Bei gekühlten Lebensmitteln ist die durchgehende Temperaturführung entscheidend. Wenn die Kühlung auf dem Weg von der Produktion bis zum Verkauf nicht zuverlässig funktioniert, kann auch die beste Verpackung ihre Wirkung nicht vollständig entfalten“, erklärt Ritter.

Für Lebensmittelhersteller stellt sich daher nicht nur die Frage nach dem eingesetzten Gas, sondern auch nach den konkreten Anforderungen des jeweiligen Produkts. Messer Austria unterstützt Unternehmen bei der Auswahl geeigneter Gasgemische und der technischen Umsetzung der Gasversorgung.

„Es geht nicht darum, einfach Gas in eine Verpackung zu geben. Entscheidend ist, welche Bedingungen das jeweilige Lebensmittel braucht und wie sich diese technisch zuverlässig umsetzen lassen“, sagt Ritter. (red)

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