WIEN. Laut dem aktuellen HV Consumer Check von Reppublika Research im Auftrag des Handelsverbands bestellen 49 Prozent der bisherigen Kunden von Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress seither weniger. Gleichzeitig haben 53 Prozent höhere Preise oder zusätzliche Kosten bemerkt.
Insgesamt haben 40 Prozent der Österreicher in den vergangenen zwölf Monaten bei zumindest einer der abgefragten Fernost-Plattformen eingekauft. Am verbreitetsten ist Temu mit 30 Prozent, gefolgt von Shein (11 Prozent), Alibaba/AliExpress (9 Prozent) und TikTok Shop (6 Prozent). Besonders hoch ist die Nutzung bei der Gen Z: Mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe hat im vergangenen Jahr bei einer der Plattformen bestellt.
EU-Maßnahmen zeigen Wirkung
Auch die Paketmengen bestätigen laut Handelsverband den Rückgang. Die Österreichische Post verzeichnete demnach im dritten Quartal 2026 rund 30 Prozent weniger Fernost-Pakete als zuvor. EU-weit gingen niedrigwertige E-Commerce-Direktsendungen aus Drittstaaten laut EU-Kommission um mehr als 60 Prozent zurück.
Seit 1. November gilt zusätzlich eine EU-weite Bearbeitungsgebühr von zwei Euro für Bestellungen außerhalb der EU. Laut Consumer Check wollen deshalb 31 Prozent der bisherigen Fernost-Kunden künftig weniger bei Plattformen wie Temu und Shein bestellen. 28 Prozent geben an, verstärkt bei österreichischen oder europäischen Händlern einkaufen zu wollen.
„Der europaweite Pauschalzoll wirkt. Fast die Hälfte aller Fernost-Käufer in Österreich bestellt aktuell weniger. Wenn Billig-Importe aus Drittstaaten nicht mehr kostenfrei in den europäischen Markt geliefert werden können, verändert das auch das Bestellverhalten. Mehr Kostenwahrheit hilft somit auch dem heimischen Handel“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.
Kritik an nationaler Paketsteuer
Anders bewertet der Handelsverband die seit 1. Oktober in Österreich eingehobene Paketsteuer von 2,40 Euro. Laut Österreichischer Post ist das gesamte Paketvolumen dadurch um rund zehn Prozent zurückgegangen. Der Handelsverband sieht darin allerdings keine Verlagerung von Onlinekäufen in den stationären Handel. Vielmehr würden Kunden ihre Bestellungen bündeln, um die Abgabe pro Bestellung zu reduzieren. Laut Consumer Check versuchen das 43 Prozent der Befragten.
Der Handelsverband fordert daher die Abschaffung der nationalen Paketsteuer. Diese betrifft neben großen Versandhändlern und Plattformen auch rund 4.000 heimische Händler, die über diese Marktplätze verkaufen. Laut Erhebung lehnen 70 Prozent der Bevölkerung die Abgabe ab. Für die entsprechende Petition des Handelsverbands wurden bereits mehr als 24.000 Unterschriften gesammelt.
„Mit dem 3-Euro-Pauschalzoll und der neuen 2-Euro-Bearbeitungsgebühr setzt die EU bereits gezielt bei Drittlandsimporten an und erzielt eine wünschenswerte Lenkungswirkung im europäischen Binnenmarkt. Die Zahlen unseres Consumer Checks belegen, dass dieser Weg funktioniert. Es gibt daher keinen sachlichen Grund, zusätzlich eine standortschädliche nationale Paketsteuer einzuheben, die tausende heimische Händler und Konsumenten trifft und die Inflation befeuert“, so Will. (red)