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Kakao aus Fairtrade und viel mehr Nachhaltigkeit © Ströck

Gabriele Ströck, Geschäftsführerin der gleichnamigen Bäckerei, mit Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.

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Gabriele Ströck, Geschäftsführerin der gleichnamigen Bäckerei, mit Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.

Redaktion 25.03.2022

Kakao aus Fairtrade und viel mehr Nachhaltigkeit

Ströck stellt auf fair gehandelten Kakao um. Themen wie Regionalität schreibt man schon lange groß.

••• Von Georg Sander

WIEN. Ab sofort stellt die Wiener Bäckerei Ströck all ihre Schokolade-Backwaren komplett auf Kakao aus Fairtrade-zertifizierter Herstellung um. „Fairtrade steht hierzulande seit fast 30 Jahren für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Mehr als die Hälfte dieser Zeit über hat uns Ströck bereits als Partner für Fairtrade-Kaffee begleitet und setzt nun einen weiteren wichtigen Schritt”, zeigt sich Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtraide Österreich, erfreut. Die Bäckerei sorge dafür, dass man in Zukunft auch bei Backwaren nicht auf fair gehandelten Kakao verzichten müsse.

Das bietet Fairtrade

Durch die Organisation der Kleinbauernfamilien in Kooperativen wird in demokratischen Gemeinschaften zum Beispiel über die Verwendung der Fair­trade-Prämie abgestimmt. Außerdem bestünden in den Betrieben bessere Arbeitsbedingungen, ein Diskriminierungsverbot sowie ein Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit.

„Ströck war der erste Bäcker in Wien, der sich mit diesem Thema näher auseinandergesetzt hat”, blickt Gabriele Ströck, Geschäftsführerin der Bäckerei, auf das Jahr 2006 zurück, als man mit dem Fairtrade-Kaffee anfing. medianet hat sich bei Bäckermeister Philipp Ströck über den Umstellungsprozess erkundigt – und nachgefragt, wie es bei Ströck in Sachen Nachhaltigkeit sonst so aussieht.

Zusammenarbeit schafft Nähe

„Das Siegel bietet eine klare Orientierung für Konsumentinnen und Konsumenten”, erklärt Philipp Ströck, warum man angesichts der Zertifikatsvielfalt gerade auf Fairtrade setzt. Bei fair-zertifizierten Produkten habe man die Sicherheit, dass bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten werden. „Unsere Zusammenarbeit funktioniert seit vielen Jahren sehr gut und auf Augenhöhe.” Man habe auch schon einige Male die Möglichkeit gehabt, mit den Produzenten direkt zu sprechen, „das schafft einfach Nähe”.

Bereits seit dem Weihnachtsgeschäft habe man den Fokus auf Fairtrade gesetzt, mit der Kommunikation aber noch zugewartet, bis wirklich alle Restbestände aufgebraucht waren. Vieles, was an Mehlspeisen zuletzt verkauft wurde, war schon mit Fairtrade-gehandeltem Kakao hergestellt. Mit der neuen Agentur Ogilvy habe man Ende letzten Jahres „den richtigen Partner gefunden, der mit uns auch diese Themen gemeinsam aufarbeiten kann”.

Fußballfelder voll Regionalität

Bei Fairtrade bleibe es aber nicht: Nachhaltigkeit, so Philipp Ströck, sei Teil der Unternehmens­philosophie, und alle Bereiche in der Bäckerei seien angehalten, nachhaltig zu agieren und neue Vorschläge zur Verbesserung zu bringen.

Man setzt auf Langfristigkeit: „Wir sind stolz auf unsere regionalen, langjährigen Partnerschaften zu österreichischen Bauern und Mühlen. Unser gesamtes Getreide ist angebaut und verarbeitet in Österreich”, führt er aus. „Dabei haben wir bereits einen Bio-Mehlanteil von 60 Prozent. Unsere Anbaufläche für Bio-Weizen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt: 1.100 Hektar sind dazugekommen, das entspricht etwa 1.570 Fußballfeldern oder etwa drei Fußballfeldern pro Woche.” Die Anbaufläche des Bio-Weizens ist mittlerweile fast doppelt so groß wie die des konventionellen. Beim Roggen, von dem man deutlich weniger verbäckt, waren es auch immer noch 700 ha mehr Bio-Anbaufläche (oder knapp zwei Fußballfelder) pro Woche: „So halten wir gemeinsam mit unseren Kunden unsere heimischen Böden für die Zukunft gesund.”

Work in Progress

Im gesamten Unternehmen setze man darüber hinaus auf Ökostrom und rüste die Kälteanlagen auf umweltfreundlichere Kühlmittel um; das Altbrot geht in die Tierfuttermittel-Verwertung, und auch das Verpackungsmaterial wurde bereits auf nachhaltige Materialien umgestellt. Philipp Ströck: „Wir brauchen uns hier nichts schönzureden, es gibt noch immer viel Verbesserungsbedarf – und wir hinterfragen uns auch diesbezüglich ständig und ­erarbeiten neue Lösungsansätze.”

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