WIEN. Der Beginn des anhaltenden KI-Booms lässt sich genau datieren: Am 30. November 2022 präsentierte OpenAI die erste öffentlich zugängliche Version von ChatGPT – und wurde damit binnen kurzer Zeit zum globalen Gesprächsthema. Sukzessive verwendeten auch in Österreich immer mehr Menschen KI-Tools für allerlei Zwecke: Vom besser auf konkrete Fragen ausgerichteten Google-Ersatz über die Reise- und Trainingsplanung bis hin zur Formulierungshilfe für E-Mails und Bewerbungsschreiben.
Mittlerweile kommen KI-Anwendungen auch beim Shopping immer mehr zum Tragen: Gemäß dem jüngsten HV Consumer Check, dem eine Umfrage unter 1.014 Personen in Österreich zugrunde liegt, geben elf Prozent der Österreicher an, KI-Tools bereits „häufig“ beim Einkauf zu nutzen. Jeder Zweite der Befragten (50%) will künftig verstärkt auf KI setzen – nicht zuletzt, um zu sparen.
„Der österreichische Handel steht vor einem Paradigmenwechsel“, analysiert HV-Geschäftsführer Rainer Will. „Bereits mehr als ein Zehntel der Bevölkerung nutzt häufig KI-Tools beim Einkauf. Immerhin 22 Prozent nehmen regelmäßig bewusst wahr, dass in Webshops KI-Technologien eingesetzt werden. Gleichzeitig zeigt sich enormes Potenzial: Jeder Fünfte interessiert sich für automatisierte Produktempfehlungen, 14 Prozent interessieren sich für intelligente Einkaufslisten.“
Preisvergleich und Assistenz
„Künstliche Intelligenz hilft den Menschen schon heute, schneller passende Produkte zu finden, Preise zu vergleichen und bessere Kaufentscheidungen zu treffen. Damit entwickelt sich die Technologie zunehmend vom netten Zusatzfeature zum echten Einkaufsassistenten“, erläutert Will. Laut Consumer Check erwarten bereits 32% der Befragten, dass KI-Anwendungen ihre Kaufentscheidungen beim Online-Shopping schon in den nächsten zwei Jahren „stark beeinflussen“ werden.
Autonome Einkaufshilfen
Die technischen Einsatzmöglichkeiten gehen dabei weit über den aktuell üblichen Gebrauch hinaus: KI-Agenten können inzwischen selbstständig Produkte suchen, vergleichen, auswählen und sogar Zahlungen tätigen. Während Konsumenten so alltägliche Aufgaben und Besorgungen auslagern können, eröffnet sich für Händler ein neuer Kanal: Laut einer aktuellen Studie von Strategy&, der Strategieberatung von HV-Partner PwC, könnten schon 2030 bis zu 15% des europäischen Onlinehandels durch sogenannte „Agentic AI“ abgewickelt werden. Diese Form der Nutzung ist hierzulande noch sehr selten, doch haben schon immerhin vier Prozent der Anwender mit Agentic AI geshoppt.
Der Handel ist gefordert
Für den Handel, folgert Will ob der Ergebnisse, ergebe sich ein klarer Handlungsauftrag: „KI-Anwendungen sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo sie echten Mehrwert bieten – etwa beim Preisvergleich, bei der Produktsuche oder in der digitalen Beratung.“ Entscheidend sei, dass die Systeme transparent, verständlich und freiwillig nutzbar seien – und dem Konsumenten nachvollziehbare Empfehlungen liefern. (red)
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