Der Markt für alkoholische Getränke ist seit Jahren im Umbruch, und Karl Schwarz gibt sich keinen Illusionen hin. Der Bierabsatz geht zurück, ehemalige Biertrinker werden kaum in größerem Ausmaß zurückkehren, die jüngeren Generationen verzichten zunehmend auf den Gerstensaft.
Dosenpfand, Rabattierungen, die allgemeine Teuerung – das alles macht es den Brauern nicht gerade leicht. Aber, so der Eigentümer der Privatbrauerei Zwettl im medianet-Interview, das bedeutet nicht, dass sich eine Brauerei nicht zukunftsfit aufstellen kann.
Wachstumsmarkt „alkoholfrei“
Ein erster positiver Aspekt ist in diesem Zusammenhang, dass alkoholfreies Bier ein Wachstumsmarkt ist. Zwettler wähnt sich mit dem „Frei“ bzw. mit dem jüngst gelaunchten „Das Ohne“ aus dem Hause Weitra bestens aufgestellt.
„Durch technologische Entwicklungen können wir ein sehr gut schmeckendes, alkoholfreies Bier herstellen“, erklärt Schwarz. Und auch wenn die Basis noch gering ist, sehen „wir in anderen klassischen Biermärkten, was möglich ist.“ 2025 lag der Marktanteil an alkoholfreiem Bier bei vier Prozent, bis Jahresende könnten es sechs sein.
Unser Nachbar Deutschland zeigt vor, wohin es gehen kann: Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes und Daten des Marktforschungsunternehmens NielsenIQ haben alkoholfreie Biere und Biermischgetränke im Jahr 2025 beim Umsatz im Handel erstmals die Zehn-Prozent-Marke überschritten, beim Marktanteil könnte diese Schwelle in diesem Jahr erreicht werden. Ähnlich sieht es in Tschechien aus. Doch nicht nur alkoholfreie Biere bieten Wachstumspotenzial.
Anders abgefüllt
Ein zweiter Erfolgsfaktor liegt in der Diversifikation des Sortiments: Zwettler generiert bereits zehn Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf der Eigenlimonaden. Diese werden in denselben Gebinden wie Bier abgefüllt – ein Effizienzgewinn. „In Zwettl gibt es nur noch Mehrwegflaschen“, sagt er.
Zudem ist man einer der größten heimischen Lizenzpartner von Frucade. Dazu braucht es wiederum leichte Anpassungen bei der Abfüllung. Flaschen und Kisten haben andere Formate. Die Umrüstung ist eine einmalige Investition und rechnet sich schnell. Das betrifft auch andere Weißglas-Limonaden mit Schraubverschlüssen. „Hinsichtlich Abfülltechnik und Logistik besteht kein Unterschied zwischen Limonaden und Bier“, bestätigt er auf Nachfrage. Zwettler ist bei weitem nicht die einzige Brauerei, die sich in dieser Hinsicht auf die neuen Zeiten eingestellt hat.
Corona-Tal durchschritten?
Neben Produktstrategie und Effizienz spielt auch das Umfeld eine Rolle. Von der Covid-19-Pandemie waren beispielsweise alle betroffen. Mittlerweile setzt hier Erholung ein, die „Corona-Delle“ in der Gastronomie gibt es laut Schwarz nicht mehr: „Wir beliefern wieder vermehrt und sogar neue Betriebe.“
Die Lage ist bei diesem Thema allerdings nicht eindeutig – schließlich wird oft vor dem Wirtshaussterben gewarnt. Und klarerweise hätten viele Wirtshäuser unter den Corona-Beschränkungen gelitten. Allerdings zeigen die belastbaren Zahlen der Statistik Austria zur Konsumerhebung, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, keine Zurückhaltung. Die Ausgaben für Gastronomie und Beherbergung sind von 2019/20 auf 2024/25 um 43,8% gestiegen. Das ist nicht nur der stärkste Zuwachs aller Bereiche, sondern liegt auch über der Inflationsrate im angegebenen Vergleichszeitraum. Trotz dieser positiven Entwicklung sieht Schwarz jedoch ein anderes Problem.
Gute Stimmung verbreiten
An dieser Stelle nimmt er die Politik und Medien in die Pflicht. „Es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass niemand Lust auf Ausgehen hat, wenn immer nur gesudert wird“, so Schwarz. Nachsatz: „Das ist leider unsere österreichische Grundeinstellung.“ Bier ist ein Stimmungsgetränk. Ist diese nicht gut, möchten weniger Menschen ausgehen.
Viele Medien befeuern dies, man fragt selten, ob die News gut oder schlecht sind. Gerade in Zeiten von Social Media geht es oft um Emotionen – und da zieht eine aufrührende Headline mehr Likes und Kommentare an. Ihn stört aber nicht nur dieser Vibe, sondern auch ein anderer Punkt: „Als Beobachter der politischen Lage muss ich anmerken, dass – parteiunabhängig – mehr angekündigt als umgesetzt wird.“
Vor diesem Hintergrund konzentriert sich Zwettler auf das, was im eigenen Einflussbereich liegt. Letztes Jahr startete man den Markenrelaunch, begleitet von einer breit aufgestellten Marketingkampagne. Das erste Rebranding nach 13 Jahren und die Werbemittel würden gut ankommen. „Allerdings ist es nicht so, dass ich Likes in Hektolitern umrechnen kann – so einfach ist es auch wieder nicht“, meint er mit einem Augenzwinkern.
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