••• Von Christian Novacek
Antonio Baravalle, CEO der Lavazza Group, beschreibt die Lage offen: „Wir erleben eine Wirtschaftslage, die nach wie vor von extremer Volatilität der Kaffeepreise geprägt ist. Es wird immer schwieriger, Prognosen zu erstellen, aber der Sturm ist noch nicht vorüber.“ Nichtsdestotrotz hat der italienische Kaffeekonzern das Geschäftsjahr 2025 mit Zuwächsen bei Umsatz, Ergebnis und Gewinn abgeschlossen. Das Unternehmen profitierte dabei gleichsam von seiner internationalen Aufstellung, der breiten Präsenz über mehrere Vertriebskanäle sowie einer strikten Kostenkontrolle. Der Umsatz der Lavazza Group stieg 2025 um 15,7% auf 3,9 Mrd. €. Das EBITDA legte von 312 auf 340 Mio. € zu, das EBIT von 130 auf 157 Mio. €. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 92 Mio. € nach 82 Mio. € im Vorjahr. Die EBITDA-Marge (also das EBITDA im Verhältnis zum Erlös) ging allerdings von 9,3 auf 8,8% zurück. Gleichzeitig verbesserte sich die Nettofinanzposition von minus 511 auf minus
432 Mio. €.
Die Conclusio dazu lautet: Lavazza wächst weiter, muss sich dieses Wachstum in einem rauen Marktumfeld aber zunehmend erarbeiten. Baravelle kommentiert das so: „Trotz der komplexen Gesamtsituation, die auch zu einem Rückgang der Verkaufsmengen geführt hat, ist es uns gelungen, das Jahr 2025 mit positiven Ergebnissen bei den wichtigsten Finanzkennzahlen abzuschließen.“
Holpriges Ausnahmejahr
Dazu passt, dass 2025 für die gesamte Branche ein Ausnahmejahr war. Die Preise für Rohkaffee blieben hoch, die Unsicherheit entlang der Lieferkette groß. Von Jänner 2021 bis Anfang 2025 stieg der Preis für Arabica um 230%, Robusta sogar um 325%. Für das Management ist dies das Ergebnis eines „perfekten Sturms“ aus mehreren Faktoren: Klimawandel und extreme Wetterereignisse in den Anbauländern, geopolitische Spannungen, höhere Logistikkosten, regulatorische Unsicherheit und zusätzliche spekulative Einflüsse an den Rohstoffbörsen. Hinzu kamen strukturelle Kostensteigerungen, die inzwischen klar über dem Niveau vor 2020 liegen. Auch die Zollpolitik der USA wirkte 2025 belastend auf Industrie, Logistik und die globale Lieferkette.
Verkaufsmengen sinken
Die Auswirkungen sind branchenweit sichtbar. Nach einem Volumenrückgang des globalen Kaffeemarkts um 3,5% im Zweijahreszeitraum 2023 bis 2024 sank das Volumen 2025 nochmals um rund 2,4%. Lavazza blieb davon nicht verschont. Baravalle spricht von rückläufigen Verkaufsmengen, betont aber zugleich, dass die Gruppe unter diesen Bedingungen ihre industrielle Solidität bewahrt habe. Entscheidend sei gewesen, die Positionierung der Marken und die Qualitätsstandards zu schützen.
Ein zentraler Faktor ist für Lavazza die Diversifizierung. Die Gruppe ist international bestens aufgestellt, in mehr als 140 Ländern aktiv und deckt den Kaffeekonsum sowohl für zuhause als auch außer Haus ab. Zum Geschäftsmodell gehören damit nicht nur der klassische Lebensmitteleinzelhandel, sondern auch Gastronomie, Office Coffee Service, Vending, E-Commerce und digitale Plattformen. Diese Breite half 2025, regionale und kanalbezogene Schwächen abzufedern.
Erfolgreich in Amerika
Besonders positiv entwickelte sich Nordamerika. Dort stieg der Umsatz um 26,9%, hauptsächlich getragen von Retail und E-Commerce. In Europa blieb Lavazza trotz schwieriger Rahmenbedingungen in den reifen Märkten präsent – allerdings standen einzelne Regionen klar unter Druck. In Deutschland und auf dem Balkan lief das Geschäft schwächer, Polen verzeichnete einen Absatzrückgang von 26%, Frankreich einen von 16,3%. Gerade dort machten sich höhere Vertriebskosten bemerkbar. Parallel treibt Lavazza seine Expansion in China voran. Gemeinsam mit Yum China will das Unternehmen seine Position im wachsenden Markt absichern.
Um in diesem Umfeld gegenzusteuern, setzte Lavazza 2025 auf eine Reihe operativer Maßnahmen. Dazu zählen die Optimierung des Working Capital, Eingriffe in die Lieferkette, die Kontrolle von Lagerbeständen und Warenströmen sowie eine weitere Straffung des Produktportfolios. Das Ziel ist klar: Effizienz heben, ohne die Stärke der Marken zu beschädigen. Zum Portfolio zählen neben Lavazza selbst auch Carte Noire, Merrild und Kicking Horse Coffee. 2025 war für das Unternehmen zudem ein Jubiläumsjahr. Lavazza feierte 130 Jahre Firmengeschichte und nutzte diesen Anlass, um eine zentrale Innovation in den Markt zu bringen. Mit Tablì präsentierte die Gruppe ein neues Single-Serve-System, das mit Tabs aus 100% Kaffee arbeitet.
Neben dem operativen Geschäft verweist Lavazza auch auf ESG-Themen (ESG steht für Environmental, Social, Governance). Die Gruppe habe 2025 ihre Welfare-Programme weiterentwickelt und ihre „Caring Culture“ ausgebaut – etwa anhand von Initiativen zu psychischem und emotionalem Wohlbefinden, Gesundheitsprävention und Gesundheitsversorgung.
Für 2026 bleibt Baravalle vorsichtig optimistisch: „Das Schlüsselwort lautet aktuell auf Agilität im Sinne der Fähigkeit, effektiv und zeitnah auf das Umfeld zu reagieren. Die ersten Monate 2026 waren durch weitere ernste geopolitische Spannungen gekennzeichnet, die sich auch auf die Betriebskosten der Unternehmen auswirken werden. Eine echte Stabilität scheint daher derzeit in weiter Ferne zu liegen. “ Die Gruppe mit weltweit 5.800 Mitarbeitern werde aber weiter in Qualität, Markenstärke, nachhaltige Innovation und die Resilienz der Lieferkette investieren.
