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Umsatzplus trotz Verlusten in der Gastro © efko

Klaus Hraby ist Geschäftsführer von Efko

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Klaus Hraby ist Geschäftsführer von Efko

Redaktion 16.04.2021

Umsatzplus trotz Verlusten in der Gastro

efko-Geschäftsführer Klaus Hraby über die Gastronomie-Schließungen und den Personalmangel auf den Feldern.

••• Von Daniela Prugger

EFERDING. Der Umsatz von efko im Jahr 2020 zeigt sich quer über die diversen Warengruppen positiv. Sowohl im Kerngeschäft „Eingelegtes Gemüse”, als auch in den neuen Kategorien „Frische und Convenience” verzeichnete das Unternehmen Zuwächse. Trotzdem steht efko im zweiten Corona-Frühling vor altbekannten Herausforderungen, erklärt Geschäftsführer Klaus Hraby im Interview.

medianet: Herr Hraby, vor welchen Herausforderungen steht efko im zweiten Pandemie-Jahr?
Klaus Hraby: Ein Faktor, der uns auch heuer wieder beschäftigt, ist der beständige Personalmangel. Die an sich schon schwierige Lage, genügend Erntehelfer für unsere Landwirte auf die Felder zu bekommen, wurde 2020 durch die Einreisebeschränkungen nochmals verschärft.

medianet: Im vergangenen Jahr startete efko mit 110 Ferial­arbeitern in die Gurkensaison. Welche Strategie haben Sie für die kommende Saison entwickelt?
Hraby: Wir sind hinsichtlich Prävention und Hygienekonzepte perfekt aufgestellt. Hier hat sich viel, das wir entwickelt haben, bewährt. Der Testraster und alle flankierenden Maßnahmen in der Produktion haben uns bisher von einer Cluster-Bildung verschont. Wir haben keinen Anlass, diese erfolgreiche Konzeption zu ändern und werden das auch mit den vielen Saison- bzw. Ferialarbeiterinnen so halten. Wir hoffen auf eine gute Ernte und freuen uns auf die vielen jungen Damen und Herren, die uns bei der Verarbeitung unterstützen.

medianet: Wie bewerten Sie die jüngsten Versuche der Regierung, Österreicher für die Jobs auf dem Feld zu gewinnen?
Hraby: Dieses Thema ist ein wiederkehrendes, und es herrschen hierzu viele Missverständnisse. ‚Wir gehen mal zum Bauern und helfen einen halben Tag', hat nichts mit Erntearbeit zu tun. Um eine Erntemaschine für Gurken (Gurkerlflieger) ausreichend mit Personal zu besetzen, sind 35 Erntehelferinnen und Helfer nötig. Das können nicht jeden Tag andere 35 Personen sein, ganz nach dem Motto, wer eben gerade Zeit hat. Es müssen eingespielte, verlässliche Trupps sein, die diese Arbeit machen. Diese werden zumindest nach dem Landarbeiter-KV entlohnt, und die Menschen müssen angemessen untergebracht sein. Um dies wirtschaftlich abbilden zu können, ist aber dann auch eine gewisse Ernteleistung nötig.

medianet: Welche Missverständnisse gibt es denn noch bezüglich der Arbeit als Erntehelfer?
Hraby: Erntehelfer zu sein, ist kein Hobby, sondern harte Arbeit, auf die man eingestellt sein muss. Leider sind Menschen, die beim AMS als ‚arbeitsuchend' vorgemerkt sind, für diese Art Job seltenst einteilbar. Man muss diese Arbeit können und man muss sie wollen. Zudem können bei der Erntearbeit auch leider keine fixen, verlässlichen Arbeitszeiten angeboten werden – diese hängen immer vom Erntewetter ab. Hier ist größte Flexibilität gefragt. Menschen aus z.B. der Ukraine oder dem Kosovo reisen für zwei bis drei Monate an und leisten – gut eingeschult – einen perfekten Job hier bei uns in der Erntearbeit. Auch ist es mir wichtig, festzuhalten, dass diese Menschen hier in Österreich niemanden eine Arbeit wegnehmen. Diese würde schlicht und einfach nicht erledigt werden, wenn wir die Erntehelfer nicht hätten!

medianet:
Vor welchen Herausforderungen steht efko in der Produktion?
Hraby: Die Sonderkosten, die bei der Rohstoffbeschaffung, aber auch bei uns in der Produktion coronabedingt anfallen, sind herausfordernd. Das hat zu notwendigen Preisanpassungen geführt. Es kann der gesamten Versorgungskette nicht zugemutet werden, alle angefallenen Kosten einfach so zu übernehmen, ohne diese zumindest teilweise weiterzugeben. Das würde die Sicherheit der österreichischen Supply Chain nachhaltig schädigen. Abgesehen davon wird die Versorgungssicherheit mit österreichischen Rohstoffen völlig unterschätzt. Das ist ein Thema, das uns in den nächsten Jahren noch massiv beschäftigen wird.

medianet: Welche Produkte sind zurzeit am meisten gefragt?
Hraby: Die aktuellen Marktentwicklungen zeigen, dass sich die Lebens- und Essgewohnheiten der Konsumenten verändern. Menschen greifen immer häufiger zu qualitativ hochwertig und nachhaltig produzierten Lebensmitteln. Das Thema Frische und Convenience hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und hält noch viel Potenzial bereit. So wächst zum Beispiel der Markt für ultrafrische Salat- und Gemüse-Convenience-Produkte rasant, und frische Salate liegen voll im Trend. Aus diesem Grund investiert efko in Zukunft stark in diese Bereiche.

medianet: Inwiefern haben Sie einen Unterschied in der Wahrnehmung und Wertigkeit von regional produzierten Lebensmitteln bemerkt?
Hraby: Die Lebensmittelindus­trie – also auch wir als efko – trägt jetzt eine große Verantwortung. Gemeinsame Lösungen von Politik, Handel und der Industrie für ökologisch und ökonomisch ganzheitlich durchdachte Produktionsstrategien, die einerseits unsere Umwelt schonen und andererseits die regionale Wirtschaft fördern, sind mehr denn je gefragt.

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