„Unverzichtbarer Teil  der Zahlungslandschaft“
© Christian Husar
RETAIL Redaktion 25.09.2026

„Unverzichtbarer Teil der Zahlungslandschaft“

Bargeld genießt weiterhin einen sehr hohen Stellenwert, zeigt eine neue Studie von Geldservice Austria.

•• Von Paul Hafner

Gut drei Jahre ist es her, dass sich der damalige Bundeskanzler Karl Nehammer für die Verankerung des „Rechts auf Bargeld“ in der österreichischen Verfassung stark machte. Der Vorstoß wurde in der Öffentlichkeit rasch als „Nebelgranate“ abgekanzelt und dem Sommerloch zugerechnet – und verlief im Sand. Der Tenor: Bargeld sei ohnehin rechtlich geschützt und es sei in niemandes Interesse, es abzuschaffen.
In der Tat stellen physische Banknoten und Münzen ein einklagbares Grundrecht der EU-Bürger dar – das ändert sich auch mit der Einführung des Digitalen Euro nicht, im Gegenteil: Das Recht wird im kurz vor der Finalisierung stehenden „Single Currency Package“ noch einmal gesetzlich untermauert.

Doch während Bargeld gesellschaftlich und wirtschaftlich relevant bleibt, muss über ein Drittel der heimischen Gemeinden ohne eigene Bankfiliale auskommen – und in 15% gibt es nicht einmal einen eigenen Bankomaten. Das zeigt eine aktuelle Studie von Pitters Trendexpert im Auftrag der Geldservice Austria (GSA), an der 205 Entscheidungsträger – u.a. Bürgermeister und Amtsleiter – teilnahmen. Die Ergebnisse machen demnach deutlich, „dass Bargeld in den Gemeinden weiterhin einen hohen Stellenwert hat, gleichzeitig aber nicht überall dieselben infrastrukturellen Voraussetzungen bestehen“, wie die Studienautoren zusammenfassen.  Besonders sichtbar werde der Handlungsbedarf beim Zugang zu Bankfilialen und Geld­ausgabegeräten sowie bei der langfristigen Absicherung einer verlässlichen Bargeldversorgung.

Regionale Wertschöpfung
Als größte Hindernisse für die Bargeldversorgung nennen die Befragten die Schließung von Bankfilialen und den Abbau von Geldautomaten. Auch bei der Bargeldentsorgung und der Bereitstellung von Wechselgeld für lokale Unternehmen besteht laut Studie Verbesserungspotenzial. Alternative Möglichkeiten des Bargeldbezugs über den Handel würden indes eine noch „begrenzte“ Rolle spielen.

„Bargeld ist weit mehr als ein unverzichtbarer Teil unserer hybriden Zahlungslandschaft. Als derzeit einziges gesetzliches Zahlungsmittel ist es ein wichtiger Faktor für die lokale Wirtschaft“, erklärt Gerhard Gierer, Geschäftsführer der GSA. Bargeld garantiere, dass „100 Prozent der Wertschöpfung in der Region und damit im österreichischen Wirtschaftskreislauf bleiben – ein Faktor, der gerade für unsere Gemeinden von enormer Bedeutung ist“. Die Ergebnisse der Umfrage würden eine klare Sprache sprechen: „Der Wunsch nach sicherer Bargeldver- und -entsorgung ist in den Gemeinden präsenter denn je“, fasst Gierer zusammen.

Problem in Angriff genommen
78% der Befragten bewerten Bargeld in ihrer Gemeinde als sehr oder eher wichtig. Besonders deutlich wird die Bedeutung im regionalen Alltag: 98% halten Bargeld für Vereine, Märkte und Veranstaltungen für unverzichtbar, 89% finden Bargeld für lokale Klein- und Mittelbetriebe wirtschaftlich bedeutsam. 87% sehen Bargeld als wichtige Alternative bei möglichen Cyberattacken und ebenso viele als besonders wichtig für sozial schwächere Bevölkerungsgruppen.

Eine funktionierende Bargeldversorgung wird außerdem insbesondere für ältere Menschen und zur Absicherung bei Ausfällen digitaler Zahlungssysteme als essenziell beurteilt. Auch die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Vermittlung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Geld an Kinder und Jugendliche werden von einer deutlichen Mehrheit als relevante Funktionen gesehen.

„Der Gemeindebund hat bei der Bargeldversorgung in den vergangenen Jahren konkrete Fortschritte erreicht: Wir haben gemeinsam mit den Banken die bestehenden Bankomat-Standorte bis Ende 2029 abgesichert und danach mit der Oesterreichischen Nationalbank die Initiative für bis zu 120 zusätzliche Geldausgabegeräte in bisher unterversorgten Gemeinden auf den Weg gebracht“, berichtet Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebunds. 73 davon seien bereits in Betrieb. „Für uns ist klar: Bargeld ist Teil einer verlässlichen Daseinsvorsorge und sichert die Wahlfreiheit der Menschen. Digitalisierung soll neue Möglichkeiten schaffen, aber bestehende Wahlmöglichkeiten nicht beseitigen. Deshalb werden wir uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass Bargeld in allen Regionen Österreichs gut erreichbar bleibt.“

Auch Matthias Schroth, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen, betont: „Euro-Bargeld verbindet Wahlfreiheit mit europäischer Souveränität. Es ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, das durch und durch europäisch ist und dessen gesamte Wertschöpfungskette in Europa verankert ist. Wer Wahlfreiheit und damit Unabhängigkeit beim Bezahlen erhalten will, braucht auch in Zukunft ein starkes Bargeld. Das sicherzustellen, bleibt ein zentrales Anliegen von uns.“

Hohe Nachfrage
Von der Unverzichtbarkeit von Bargeld in Österreich weiß auch die Österreichische Post zu berichten: Mit rund 1.700 Standorten in Postfilialen und Postpartnern und ca. 250 Bankomaten bietet die bank99 als Post-Tochterunternehmen eines der größten Bank- und Servicenetze Österreichs. Allein an den Bankomaten wurden zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 3,4 Mio. Bargeldabhebungen durchgeführt; das Gesamtvolumen beläuft sich auf 466 Mio. €. Zählt man die Abhebungen an Schaltern bei Postfilialen und Postpartnern im genannten Zeitraum hinzu, sind es sogar mehr als 600 Mio. €.

Zunehmende Popularität genießen darüber hinaus auch Abhebeservices im Lebensmittelhandel – längst nicht nur im filialisierten LEH: So bieten etwa viele Nah&Frisch-Kaufleute im Zuge des Einkaufs einen „Cashback“-Service mit Bargeldbehebungen von bis 200 € an der Kassa an.

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