Vom Boden bis zum Darm: Ja! Natürlich nimmt Mikrobiom in den Blick
© Ja! Natürlich / Christian Dusek
Klaudia Atzmüller und Dr. Gabriele Berg
RETAIL Redaktion 17.09.2026

Vom Boden bis zum Darm: Ja! Natürlich nimmt Mikrobiom in den Blick

WR. NEUDORF. Ja! Natürlich startet eine Forschungskooperation mit der Mikrobiomforscherin Gabriele Berg. Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen landwirtschaftlichen Anbaumethoden, der mikrobiellen Vielfalt von Lebensmitteln und dem Darmmikrobiom.

Vielfalt als Forschungsgegenstand
Gesunde Böden gelten als Grundlage für nährstoffreiche Lebensmittel und Biodiversität. Laut einer aktuellen Befragung im Auftrag von Ja! Natürlich stimmen 84 Prozent der Befragten zu, dass gesunde, humusreiche Böden eine wichtige Grundlage für nährstoffreiche Lebensmittel sind. Für 81 Prozent ist Darmgesundheit wichtig für das persönliche Wohlbefinden, 91 Prozent zeigen Interesse an dem Thema.

Gleichzeitig ist die Empfehlung, rund 30 unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel pro Woche zu essen, wenig bekannt: 71 Prozent haben laut Befragung noch nie davon gehört. Nur vier Prozent geben an, tatsächlich 30 oder mehr unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel pro Woche zu konsumieren. 86 Prozent ist hingegen eine gute Auswahl an Gemüse und Obst im Lebensmittelhandel wichtig.

„Gesunde, lebendige Böden schaffen die Basis für Biodiversität und vielfältige Lebensmittel“, erklärt Klaudia Atzmüller, Geschäftsführerin von Ja! Natürlich. „Gleichzeitig wissen wir, welche große Bedeutung Ernährung und Darmgesundheit für unser Wohlbefinden haben. Für uns ist es deshalb konsequent, noch genauer hinzusehen: Was passiert auf dem Weg vom Boden über die Pflanze und das Lebensmittel bis zu uns Menschen und welche Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Mikrobiome?“ Denn Boden, Pflanzen, Lebensmittel und auch der menschliche Darm sind Lebensräume für Mikroorganismen und besitzen jeweils eigene Mikrobiome. Welche Verbindungen zwischen diesen mikrobiellen Lebensräumen bestehen, rückt erst seit vergleichsweise kurzer Zeit stärker in den Fokus der Forschung.

Forschungsprojekt entlang der Produktionskette
Im Rahmen der Kooperation sollen ausgewählte Ja! Natürlich Lebensmittel wissenschaftlich untersucht werden. Im Fokus steht die Frage, wie unterschiedliche landwirtschaftliche Anbaumethoden die Mikrobiome entlang der Lebensmittelproduktionskette prägen – vom Boden über frische Erzeugnisse bis hin zu fermentierten Lebensmitteln.

Erste Untersuchungen von Berg zeigen am Beispiel Apfel, dass Mikroorganismen nicht nur auf der Schale, sondern zu einem großen Teil auch im Fruchtfleisch und im Kerngehäuse vorkommen. Die Zusammensetzung des Apfelmikrobioms wird demnach von verschiedenen Faktoren beeinflusst.

„Die Mikrobiomforschung ist ein noch junges Forschungsfeld. Erst neue wissenschaftliche Methoden ermöglichen uns heute, diese komplexen Gemeinschaften von Mikroorganismen in einer Tiefe zu untersuchen, die früher so nicht möglich war“, erklärt Gabriele Berg von der TU Graz. „Besonders spannend ist das Darmmikrobiom: Jeder Mensch trägt eine ganz individuelle mikrobielle Gemeinschaft in sich, die von vielen Faktoren geprägt wird – von unserer Umwelt und unserem Lebensstil bis hin zu den Menschen, mit denen wir zusammenleben. Vieles deutet darauf hin, dass die Vielfalt und Zusammensetzung unseres Darmmikrobioms für unsere Gesundheit eine wichtige Rolle spielen. Umso spannender ist die Frage, welche Rolle unsere Lebensmittel in diesem komplexen Zusammenspiel spielen. Genau hier steht die Forschung in vielen Bereichen noch am Anfang.“

Welche Faktoren das Mikrobiom prägen – etwa Boden, Sorte, Anbau, Umwelt oder Verarbeitung – und wie die unterschiedlichen mikrobiellen Lebensräume zusammenhängen, ist Gegenstand der weiteren Forschung.

„Für uns ist diese Forschungskooperation die logische Weiterentwicklung unserer Arbeit“, so Atzmüller. „Wir beschäftigen uns seit Jahren mit gesunden Böden, Biodiversität und Vielfalt. Die Mikrobiomforschung eröffnet uns jetzt eine neue, bislang weitgehend unsichtbare Ebene unserer Lebensmittel. Wir wissen noch längst nicht alles über diese Zusammenhänge, aber wir wollen dazu beitragen, sie besser zu verstehen. (red)

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