Wieder auf Kurs, aber unter Druck
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Wolfgang Ziniel, Studienautor und Projektleiter KMU Forschung Austria, und Rainer Will, Geschäftsführer Handelsverband, präsentierten das Jahrbuch Handel 2026.
RETAIL Redaktion 11.09.2026

Wieder auf Kurs, aber unter Druck

Das Jahrbuch Handel 2026 ortet steigende Umsätze, aber auch historisch niedrige Gewinnmargen.

WIEN. Der heimische Handel ist 2025 erstmals seit 2022 wieder gewachsen: Ein Gesamtumsatz von 298 Mrd. € (inkl. Groß- und Kfz-Handel) steht für ein inflationsbereinigtes Plus von 0,6% sowie eine Bruttowertschöpfung von 47 Mrd. € – das zeigt das Jahrbuch Handel 2026, das von der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbandes ausgearbeitet wurde. „Der Handel ist auf Wachstumskurs zurückgekehrt, er bleibt aber strukturell unter Druck“, fasst HV-Geschäftsführer Rainer Will die Analyse zusammen.

Dynamischer Sektor
Die Branche sei die umsatzstärkste des Landes, sie erwirtschafte fast ein Drittel aller Erlöse, holt Will aus. Mit 711.000 selbstständig und unselbstständig Beschäftigten sei man „der größte Arbeitgeber des Landes innerhalb der marktorientierten Gesamtwirtschaft“, jeder fünfte Job in der Privatwirtschaft werde vom Handel angeboten, „Die volkswirtschaftliche Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, so Will. Im Vergleich mit anderen Branchen zeichne sich der seit jeher dynamische Retail-Sektor durch schnellere Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten aus, insbesondere auch für Frauen.
Die Betrachtung der Entwicklung der letzten Jahre zeige allerdings auch die herausfordernde Situation des Handels: „Die Anzahl der Unternehmen ist zwischen 2019 und 2025 deutlich zurückgegangen. Im Vorjahr musste die Branche im Schnitt fünf Insolvenzen pro Werktag verkraften. Die Schließungsquote war zuletzt mit 6,5 Prozent deutlich höher als die Neugründungsquote von sechs Prozent“, bestätigt Studienautor Wolfgang Ziniel, Projektleiter der KMU Forschung Austria.

„Kein Körberlgeld“
Innerhalb der Handelssektoren hat sich der Großhandel am schwächsten entwickelt. Im Einzelhandel steht für das erste Halbjahr 2026 laut Statistik Austria kalenderbereinigt ein nominelles Umsatzplus von 2,1% zu Buche. Preisbereinigt bleibt mit +0,1% allerdings nur ein minimales Wachstum übrig.
„Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, der Handel habe sich in der Inflationskrise ein Körberlgeld verdient, kommuniziert faktenbefreit. Die Gewinnmarge liegt sektorübergreifend mit 4,4% auf einem historischen Tiefstand, im Lebensmittelhandel liegt sie bei nur 0,5% bis 2,5%. Sowohl der Lebensmittel- als auch der Non-Food-Handel haben in den letzten drei Jahren nachweislich inflationsdämpfend agiert“, stellt Will klar. Das vollständige Jahrbuch Handel 2026 kann unter www.handelsverband.at („Publikationen“) bestellt werden. (red)

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