••• Von Alexander Haide
Hochwertigen Content, praxisnahe Inputs und einen Austausch auf Augenhöhe verspricht der HR-Kongress „Art of Recruiting 2026“, der am 22. und 23. April im Salzburg Congress in die nächste Runde geht. Hintergrund sind die fundamentalen neuen Herausforderungen im HR-Bereich: Der Arbeitsmarkt ist komplex, Recruiting wird anspruchsvoller und die Erwartungen von Bewerbern werden vielfältiger, wobei auch die demographische Veränderung in der Arbeitswelt eine große Rolle spielt.
Veranstaltet von den Salzburger Nachrichten und PromoMasters Online Marketing, stehen folgende Schwerpunkte auf dem Programm: Employer Branding und Arbeitgeberpositionierung in einem vielschichtigen Arbeitsmarkt, Recruiting-Trends und -Tools, Marketing-Denken in HR-Prozessen, Generationenvielfalt und neue Erwartungshaltungen am Arbeitsmarkt, rechtliche Rahmenbedingungen im Recruiting, Personalmarketing und KI, Automatisierung und Daten als Unterstützung für HR-Teams.
Die Messe ist für ein Fachpublikum gedacht – HR-Manager und Personalverantwortliche, Recruiter- und Talent-Acquisition-Teams, Personalmarketer, Employer-Branding-Verantwortliche, Unternehmer und Führungskräfte mit Personalverantwortung. Andrea Starzer ist Programmchefin der Art of Recruiting, seit 2012 Teil der Geschäftsführung von PromoMasters Online Marketing und hat ihre Wurzeln im Personalmanagement. Von ihr stammt auch die Idee zu dem HR-Event – und sie konnte dafür die Salzburger Nachrichten als lokalen Player in der Medienwelt gewinnen.
medianet: Weshalb ist gerade jetzt eine Messe wie die Art of Recruiting nötiger denn je?
Andrea Starzer: Der HR-Bereich hat sich von der HR-Administration hin zu einem viel breiteren Aufgabenfeld verändert. Eines davon ist Recruiting. Noch vor zehn Jahren hat man eine Stellenanzeige in einer Zeitung oder auf einem Online-Portal geschaltet und auf Bewerbungen gewartet. Recruiting heute ist viel größer und umfangreicher, es bewirbt sich heute der Arbeitgeber beim Arbeitnehmer. Das hat sich um 180 Grad gedreht. Umso wichtiger ist es, die zahlreichen Aspekte des Recruitings zu beleuchten, und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Arbeitgeber wahrgenommen werden.
Ich denke hier natürlich an die Online-Sichtbarkeit, dass sich die Werte des Unternehmens online widerspiegeln und Erfahrungen und Bewertungen sichtbar sind. Das darf aber kein Greenwashing sein, sondern es muss offline gehalten werden, was online versprochen wird.
medianet: Ist der Paradigmenwechsel am Arbeitsmarkt unumkehrbar?
Starzer: Ich denke ja, denn die Menschen sind auf der Suche nach dem Sinn in ihrer Arbeit und sie soll zudem Spaß machen. Deshalb kommt nur ein Arbeitgeber in Frage, der mit ihren Werten im Einklang steht.
medianet: Was halten Sie von den Aussagen von Friedrich Merz, der ja ein Mehr an Arbeit von den Bürgern verlangt?
Starzer: Die Realität liegt in der Unternehmensführung. Die Mitarbeiter von PromoMasters haben eine 35-Stunden-Woche, Spaß bei der Arbeit und die Hälfte der Zeit wird im Homeoffice verbracht. Wir arbeiten hybrid. Man muss viel flexibler werden. Zudem ist es wichtig, die richtige Mischung an Mitarbeitern zu treffen, denn es gibt Positionen für Menschen und Menschen für Positionen.
medianet: Was sind heute die wichtigsten Bausteine eines erfolgreichen Recruitings?
Starzer: Es ist wichtig, Versprechen auch einzuhalten. Manche Stellenanzeigen versprechen Dinge, die sich dann als falsch herausstellen und man merkt keinen Teamspirit, das Arbeitsumfeld ist nicht motivierend und ein Obstkorb alleine wird nicht ausreichend sein.
Besonderheiten des Arbeitgebers müssen deshalb hervorgehoben werden. Da geht es etwa um das Vorhandensein eines Parkplatzes, die gute Anbindung an Öffis, ein bezahltes Klima-Ticket, überdachte Fahrradabstellplätze, die Möglichkeit des Mittagessens oder des Einkaufens in der nächsten Umgebung. Wenn wir an die Maslowsche Bedürfnispyramide denken, ist die Basisgrundausstattung oft gut vorhanden. Auch ein sicherer Arbeitsplatz ist wieder gefragt.
medianet: Wie haben sich andererseits die Anforderungen an Bewerber verändert?
Starzer: Wir philosophieren bei der Art of Recruiting auch darüber, wie der Lebenslauf der Zukunft aussieht. Oft ist es wichtiger, dass man einem Bewerber zutraut, eine bestimmte Arbeit zu übernehmen oder er sich im Arbeitsumfeld einarbeiten kann. In meinem Bereich des Online-Marketings müssen wir Mitarbeiter auf jeden Fall schulen, denn das Wissen, dass sie etwa an einer FH erworben haben, passt nicht zu unseren Anforderungen. Das Vertrauen und das Zutrauen machen den großen Unterschied.
In den vergangenen zehn Jahren wurden viele tolle Recruiting-Tools verkauft, die Bewerbungen filtern und der Recruiter schaut sich danach den einen oder anderen Lebenslauf an. Dabei fallen viele möglicherweise passende Kandidaten durch das Raster. Von dieser Überheblichkeit muss man sich verabschieden.
medianet: Soll ein Lebenslauf mit KI erstellt werden?
Starzer: Natürlich kann man sich von einer KI Tipps geben lassen, die aus den Basisdaten einen coolen Lebenslauf erstellt. Dazu kann sie ein ansprechendes Schreiben verfassen, das die Werte des Unternehmens widerspiegelt und ein Foto hübscher machen. Die Entscheidung, ob ein Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird, fällt in weniger als einer Minute.
medianet: Wird der Einsatz von KI beim Recruiting Standard?
Starzer: Die KI wird sicher bleiben, doch das hängt auch von der Unternehmensgröße ab. Früher bekamen wir für eine ausgeschriebene Stelle im Marketing 250 Bewerbungen, heute sind es 50. Die kann man sich schon persönlich, eventuell mit Hilfe einer KI, durchschauen.
medianet: Wie sehen Sie die Chancen von Bewerbern 50+?
Starzer: Zu dem Thema gibt es bei der Art of Recruiting zwei Sessions. Hier haben auch die Kollektivverträge noch ordentlich Potenzial in puncto Modernisierung, denn ein 55-jähriger Mitarbeiter kostet ordentlich Geld. Diese Gehälter lassen sich in dieser Branche für unerfahrene Mitarbeiter dann nicht durchsetzen. Aber auch hier müssen wir flexibler denken, denn für ältere Mitarbeiter gibt es passende Aufgaben, bei denen auch Weiterbildungswünsche und der Wille dazu vorhanden sind. Zudem gibt es hier Unterstützungen des AMS.
medianet: Die Kunst des Recruiting wird schwieriger. Eine Stelle ausschreiben und Bewerber zum Gespräch einzuladen reicht nicht mehr aus?
Starzer: Einfacher wird es nicht. Der Titel ‚Art of Recruiting‘ fiel mir bei dem Begriff ‚War for Talent‘ ein. Für mich geht es nicht um den Kampf um Talente, sondern es geht um die Kunst der digitalen Verführung und, dass ich jemanden gut in ein Team integrieren kann, der lange im Unternehmen bleibt. Ich bin immer mit einigen Menschen in Kontakt, die ich rasch ansprechen kann, um sie dann zeitnah als Mitarbeiter zu gewinnen. Das erspart uns Zeit und Kosten von Personalberatern.
Unternehmen müssen sich an die Lebensbedingungen der Mitarbeiter anpassen. Dazu zählt das Teilzeitthema bei Frauen. Das wird sich solange nicht ändern, bis die Männer daheimbleiben. Ich selbst war eine arbeitende Mutter und dann hat mein Kind im Büro am Boden mit Lego gespielt und Telefonate waren lustiger. Man muss die Menschen nehmen, wie sie sind und ihnen dafür auch Raum geben.
Art of Recruiting #aor2026 – Die Kunst des Personalmarketings & HR, 22./23. April 2026 im Salzburg Congress. Alle Infos:
art-of-recruiting.com
