ORF kündigt umfassende Aufklärung an
APA/GEORG HOCHMUTH
(v. l.) Stv. Stiftungsratsvorsitzender Gregor Schütze und Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer.
MARKETING & MEDIA Jakob Klawatsch 11.03.2026

ORF kündigt umfassende Aufklärung an

Nach dem Rücktritt von Weißmann verweist die Stiftungsrat-Spitze auf eine Untersuchung durch die Compliance-Stelle. Ingrid Thurnher soll vorläufig die Geschäftsführung übernehmen, parallel werden zwei Ausschreibungen für die Generaldirektion vorbereitet.

WIEN. Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat die Spitze des ORF-Stiftungsrats eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe angekündigt. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sagte bei einer Pressekonferenz, der Fall werde nun vollständig geprüft: „Es geht um die umfassende Aufklärung der gesamten Causa in allen Facetten“. Der Sachverhalt sei bereits an die Compliance-Stelle übergeben worden. Ziel sei es gewesen, das Verfahren rasch an die zuständige interne Stelle zu übergeben. „Wir haben versucht, das Verfahren genau dorthin zu bringen, wo es hingehört, nämlich in die Compliance-Stelle“, so Lederer. Der Stiftungsrat soll in seiner nächsten Sitzung detailliert informiert werden. Laut dem Stiftungsratsvorsitzenden soll jeder Schritt dokumentiert werden: „Es wird jeder Schritt auch minutiös von uns dargestellt werden.“

Thurnher soll ORF interimistisch führen

Als unmittelbare Konsequenz aus dem Rücktritt Weißmanns schlägt die Spitze des Stiftungsrats vor, Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Geschäftsführung zu betrauen. Lederer bezeichnete sie als erfahrene Führungspersönlichkeit im Haus: „Sie trägt praktisch die öffentlich-rechtliche DNA in sich.“ Thurnher habe als ZiB-2-Moderatorin, ORF-III-Chefredakteurin und Hörfunkdirektorin zentrale Funktionen ausgeübt. In dieser Rolle könne sie nun „unbeeinflusst die weiteren Schritte begleiten“.

Zwei Ausschreibungen für die Generaldirektion

Parallel dazu sollen zwei Ausschreibungen vorbereitet werden. Zunächst soll die Position des Generaldirektors beziehungsweise der Generaldirektorin bis Ende 2026 ausgeschrieben werden. Zusätzlich wird eine zweite Ausschreibung für die reguläre Funktionsperiode ab 2027 vorbereitet. Der Grund dafür liegt laut Stiftungsrat auch in neuen rechtlichen Vorgaben. „Das europäische Medienfreiheitsgesetz zwingt uns, die Ausschreibungskriterien entsprechend anzupassen“, erklärte Vize-Vorsitzender Gregor Schütze.

Taskforce soll Führungskultur prüfen

Neben der Aufarbeitung des konkreten Falls soll eine Taskforce die Führungskultur im ORF analysieren. Hintergrund ist die Frage, warum interne Meldesysteme offenbar nicht genutzt wurden. Lederer sagte dazu: „Es gibt schon ein Problem, wenn eine betroffene Mitarbeiterin sich einen Anwalt nehmen muss, um einen möglichen Schaden abzuwenden.“ Genau deshalb solle nun geprüft werden, warum bestehende Instrumente wie Whistleblower-Stelle oder Gleichstellungskommission nicht in Anspruch genommen wurden.

Rücktritt laut Stiftungsrat freiwillig

Spekulationen über einen erzwungenen Rücktritt wies Lederer zurück. Weißmann habe seine Entscheidung selbst getroffen. „Er hat uns am Sonntag um 12.45 Uhr seinen Rücktritt bekannt gegeben“, so der Stiftungsratsvorsitzende. Man habe ihm zuvor verschiedene Optionen offengelassen. „Von einer Drucksituation kann nicht die Rede sein.“

ORF-Betrieb läuft weiter

Auswirkungen auf den laufenden Betrieb sieht die Stiftungsratsspitze nicht. Lederer betonte, das Unternehmen arbeite weiter normal. „Das Programm funktioniert vollinhaltlich, wir sind voll am Arbeiten.“ Auch die Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest seien nicht gefährdet. „Sie können sich sicher sein, dass unser Team rund um die Uhr daran arbeitet“, so der Stiftungsratsvorsitzende abschließend. (red)

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