„Die Situation wird  angespannt bleiben“
© karriere.at/Katharina Schaller-Berger
Maresa Mayer
CAREER NETWORK Redaktion 20.03.2026

„Die Situation wird angespannt bleiben“

Maresa Mayer von karriere.at analysiert im Interview den aktuellen Arbeitsmarktreport 2026.

•• Von Alexander Haide

Der Arbeitsmarktreport von karriere.at zählt zu den wichtigsten Instrumenten, um einen Überblick über den aktuellen Stand des heimischen Job-Markts zu erhalten und Zukunftstrends einschätzen zu können. Report-Autorin Maresa Mayer ist seit 2022 PR-Managerin bei karriere.at, unter anderem für die externe Kommunikation mit Presse und Kunden zuständig, und beschäftigt sich mit Markt- und Meinungsforschung zum Thema Arbeitsmarkt.

medianet: Sind die Ergebnisse des Arbeitsmarktreports nach wie vor aussagekräftig oder eher als Rückschau zu betrachten, wo doch das Wirtschaftswachstum durch multiple Krisen gerade abgewürgt wird?
Maresa Mayer: Ich gehe davon aus, dass die Situation angespannt bleiben wird. Wir sehen die schwierige Situation in der Wirtschaft, die seit dem Jahr 2022 auch den Arbeitsmarkt belastet und es ist kein Ende in Sicht. Es wird immer wieder von den Wirtschaftsforschern in den Raum gestellt, dass sich die Situation bessern wird, doch davon merken die Unternehmen noch nichts. Ich glaube, die aktuellen Zahlen sind sowohl in der Rückschau als auch als Vorschau zu betrachten. Man kann davon ausgehen, dass sich die eingetrübte Stimmung am Arbeitsmarkt nicht so rasch bessern wird.

medianet: Laut Ihrem Arbeitsmarktreport suchte die IT-Branche im Jahr 2025 verstärkt Mitarbeiter, doch KI verändert das Berufsfeld vor allem bei Codern und Programmierern. Wie volatil ist die Branche und können heute erlernte Qualifikationen morgen bereits obsolet sein?
Mayer: KI verändert nicht nur die IT-Branche, aber die Veränderungen sind dort besonders spürbar, da dort der Großteil der Beschäftigten mit KI arbeitet. Es wird auch behauptet, dass ganze Arbeitsbereiche wegfallen und Stellen komplett verlorengehen, dieser Meinung bin ich aber nicht. Aber sie verändern sich sehr stark und Beschäftigte müssen sich mit diesen Veränderungen zumindest auseinandersetzen und lernen, wie KI genutzt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass IT-Fachkräfte, die noch nie mit einer KI gearbeitet haben, auf dem Arbeitsmarkt unattraktiver sind. Das gilt nicht nur für die IT, sondern im Prinzip für alle Branchen. Wir sehen, dass es KI-Jobs in allen Berufsfeldern gibt.
Die KI-Jobs in der IT auf karriere.at sind vor allem KI-Entwicklerjobs, dabei geht es weniger um die Anwender. Ich gehe davon aus, dass die meisten Unternehmen in Stelleninseraten nicht anführen, dass KI im jeweiligen Berufsfeld angewendet wird. Das bedeutet aber nicht, dass dies nicht bereits der Fall ist.

medianet: Die Rufe nach weniger Teilzeit sind unüberhörbar. Nun ergab Ihr Arbeitsmarktreport, dass im Jahr 2025 15 Prozent der Jobs als Teilzeitstellen ausgeschrieben waren. Geht der Ruf nach mehr Betreuungsangeboten nicht an der Realität vorbei, wenn die Wirtschaft verstärkt Teilzeitarbeitende sucht?
Mayer: Es gibt im Arbeitsmarktreport eine Berufsfeldanalyse, die zeigt, in welchen Bereichen besonders viele Teilzeitstellen ausgeschrieben wurden und in welchen zum geringeren Anteil.
Es fällt auf, dass gerade in Männerdomänen der Anteil bei Vollzeit bei 93 Prozent liegt und kaum Flexibilität für Teilzeit vorhanden ist. In klassisch weiblich dominierten Berufen, wie im Gesundheits- und Sozialbereich, ist das Angebot an Teilzeitstellen mit 42 Prozent besonders hoch. Die Differenzierung entlang der klassischen Geschlechterrollen ist ein Teil des Problems. Man möchte viele Frauen in technische Berufe bringen, doch dann werden im IT- und EDV-Bereich 85 Prozent der Stellen ausschließlich in Vollzeit ausgeschrieben. Wenn mehr Frauen in die Arbeitswelt und vor allem in männlich dominierte Berufsfelder gebracht werden sollen, dann muss auch eine entsprechende Unterstützung vorhanden sein. Das muss nicht unbedingt nur die Kinderbetreuung sein. Alles, was Unternehmen in Sachen Flexibilität anbieten können, wird sie für berufstätige Eltern interessanter machen, zum Beispiel Gleitzeitregelungen und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Es muss nicht immer nur die Teilzeit sein.

medianet: Die Teilzeit bleibt also weiblich?
Mayer: Ja, außer es verändern sich die Rahmenbedingungen für Mütter. Es braucht auch stärker die Unterstützung durch die Männer. Würden sich mehr Männer dazu bereit erklären die Väterkarenz in Anspruch zu nehmen und die Anreize seitens der Politik stimmen, dann wären mehr Frauen in der Lage und bereit, in Vollzeit zu arbeiten.

medianet: Der Arbeitsmarktreport vermeldet einen Anstieg bei Green Jobs. Wird sich der Trend angesichts der Krisen, die Klimaziele aufweichen, fortsetzen?
Mayer: Ich bin absolut davon überzeugt, denn das Thema erneuerbare Energie, Ressourcenschonung und Klimaschutz relevant bleibt, auch wenn es derzeit aufgrund anderer aktueller Ereignisse medial untergeht.
Es ist eine Tatsache, dass wir in diesem Bereich mehr unternehmen müssen. In Österreich sind wir da schon ganz gut aufgestellt und ich gehe davon aus, dass wir das als Chance für die Zukunft nutzen, auch am Arbeitsmarkt. Die rasanten Entwicklungen in der internationalen Politik machen aber eine Planung äußerst schwierig.

medianet: Diversität wird bei Stellenausschreibungen großgeschrieben. Findet das aufgrund von Political Correctness statt, oder gab es echte Veränderung?
Mayer: Laut Arbeitsmarktreport nimmt der Diversitäts-Bezug in Stelleninseraten zu, auch wenn das nur ein kleiner Indikator ist, wie offen Unternehmen für verschiedene Personengruppen sind. Es gibt offensichtlich ein Bewusstsein dafür und es ist ein Zeichen, dass Diversität bei den Jobsuchenden gut ankommt.
Vor allem junge Menschen wünschen sich verstärkte Anstrengungen für mehr Diversität und fordern das bis zu einem gewissen Grad von Unternehmen auch ein. Diversität ist auf jeden Fall ein Thema, das gekommen ist um zu bleiben, denn die Realität ist, dass wir in einer diverseren Gesellschaft leben als noch vor zwanzig Jahren.
Johannes Kopf (AMS-Vorstand, Anm.) hat erst kürzlich wieder betont, dass wir zugewanderte Personen in den Arbeitsmarkt integrieren müssen. Es hilft dabei nicht darauf zu beharren, dass man keine Kopftuchträgerinnen im Unternehmen beschäftigen will. Es ist notwendig, sich auch anderen Zielgruppen zu öffnen als früher. Das gilt auch für die Ansprache von Frauen. Wenn ich mir die Stelleninserate ansehe, dann zeigen Fotos darin oft sehr tradierte Rollenbilder, zum Beispiel der Mann als Chef und die Frau als Sekretärin. Ich als Frau finde solche Stellen extrem unattraktiv und bin sicher, dass nicht nur ich das so empfinde.

medianet: Der Fachkräftemangel wird immer wieder erwähnt, doch Sie haben aufgezeigt, dass immer weniger Stellen ausgeschrieben werden. Zudem gibt es etwa in Wien wesentlich mehr Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle als es verfügbare Plätze gibt, denn viele Betriebe sind nicht mehr bereit, Fachkräfte selbst auszubilden.
Mayer: Oft sind es die unattraktiven Jobs, bei denen Unternehmen klagen, dass sie keine Mitarbeiter finden oder die Verweildauer bei den Arbeitgebern relativ kurz ist. Das sind Berufe mit Nachtarbeit, schweren körperlichen Tätigkeiten oder mit einer schlechten Entlohnung.
Ich rate Jugendlichen, die auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, offen zu bleiben, zum Beispiel für eine Lehrstelle in einem anderen Bundesland, wo es attraktive Lehrstellen gibt. Die Konzentration des Arbeitsmarkts auf Wien ist ein Problem. Viele Menschen suchen nur in der Nähe vom Wohnort.
Wenn man sich bereit zeigt zu pendeln oder den Wohnort zu verändern, wäre das aus Sicht des Arbeitsmarkts sehr
positiv.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL