••• Von Alexander Haide
Mensa-Mitglieder haben eines gemeinsam – einen hohen IQ. Ansonsten unterscheiden sie sich nicht von ihren Mitmenschen. Mensa-Mitglieder findet man im Alter von vier bis 94 Jahren, die meisten sind allerdings zwischen 20 und 49 Jahren alt. Darunter finden sich Hauptschüler, Maturanten, Dropouts oder Menschen mit mehreren Doktoraten, solche, die von der Wohlfahrt leben und Millionäre.
Derzeit gibt es ca. 145.000 Mensa-Mitglieder in rund einhundert Staaten – davon mehr als 1.400 in Österreich – und Mensa-Organisationen sind in 49 Ländern aktiv. Wie Hochbegabungen erkannt werden können, was ein hoher IQ für die Karriere und das Sozialleben bedeutet und wie er das Leben Betroffener beeinflusst, erklärt Peter Berger, Vorstand von Mensa Österreich.
medianet: Mitglied bei Mensa können Menschen werden, deren IQ ‚in den Top zwei Prozent‘ liegt. Was bedeutet das genau und wie hoch ist der durchschnittliche IQ der Österreicher?
Peter Berger: Um bei Mensa Mitglied zu werden, muss man einen IQ von zumindest 130 aufweisen. Die Normalverteilung der Intelligenz leitet sich von der Gaußschen Glockenkurve ab und der Durchschnitt in der Bevölkerung liegt bei 100. In der Forschung ist nicht bekannt, dass es bei Menschen aus verschiedenen Ländern oder Kontinenten einen Unterschied gibt. Es gibt aber Bildungsbedingungen, die in IQ-Tests einfließen. Man versucht verstärkt sprachlose IQ-Tests zu entwickeln, die unabhängig von der Muttersprache durchgeführt werden.
medianet: Der IQ ist also angeboren und steckt in den Genen?
Berger: Ja. Es ist auch so, dass sich der IQ nur geringfügig verändert. Es gibt Forschungsarbeiten die ergaben, dass eine frühkindliche Förderung durch viele Reize und Impulse für die Vernetzung im Gehirn und eine gute Ernährung für den IQ förderlich sind. Wenn der IQ bei der Geburt bei 95 liegt darf man sich aber nicht vorstellen, dass er auf 140 steigen kann. Der IQ liegt in den Genen und ist eine Veranlagung wie die Körpergröße.
Die moderne Intelligenzforschung unterscheidet mehr als 50 Unterarten von Intelligenz. Wenn jemand bei geometrischen Fragen schlecht abschneidet, ist das nur ein Teilbereich. Der Test den wir anbieten, verfügt über acht Teilbereiche, bei denen die unterschiedlichsten Fähigkeiten abgecheckt werden.
medianet: Da Sie Vorstand von Mensa Österreich sind – wie hoch ist Ihr IQ?
Berger: Darüber wird bei Mensa nicht gesprochen. Ein Kollege hat einmal gesagt, dass wir das gar nicht wissen wollen, da sonst einer der Dümmste wäre. Mensa Österreich bietet IQ-Tests an, deren Ergebnis nur der Auswertende und der Getestete kennen. Wir wissen, dass jedes neue Mitglied über einen IQ von mehr als 130 verfügt. Das reicht uns. Es gehört bei Mensa nicht zum guten Umgangston, seinen IQ preiszugeben.
medianet: Sollte ein hoher IQ im Lebenslauf angegeben werden oder sollte er besser geheim bleiben?
Berger: Das ist eine interessante Frage. Wir haben Mitglieder, die es aus unterschiedlichsten Motivationen streng geheim halten wollen, dass sie bei Mensa sind.
Wenn jemand seinen hohen IQ in einen Lebenslauf aufnimmt gibt es die Sichtweise, dass das Neid auslösen könnte. Oder ein Vorgesetzter meint, der Bewerber könnte ihn mit Leichtigkeit überholen. Es gibt in manchen Unternehmen eine sehr fortschrittliche Denkweise, dass Mitarbeiter mit einem hohen IQ als Chance gesehen werden. Ich predige immer, dass ein Mitarbeiter mit einem hohen IQ nicht unbedingt Führungsverantwortung übernehmen muss. Ich ziehe gerne einen Vergleich mit dem Sport. Ein Fußballtrainer muss ja auch nicht besser Fußballspielen können als sein Mittelstürmer.
medianet: Gibt es Berufe, für die Hochbegabte besonders geeignet sind?
Berger: Viele sind im IT- und Finanzbereich tätig. Oft werden Hochbegabte dort gezielt gesucht und wir organisieren auch Veranstaltungen mit Personalchefs, die Mitarbeiter suchen, die schnell Zusammenhänge im mathematischen Bereich erkennen können. Das sind etwa Versicherungen, die Risikoabschätzungen für neue Anlageprodukte brauchen. Das kann man aber nicht pauschal sagen, sondern man muss sich den jeweiligen Fall individuell ansehen.
medianet: Bringt ein hoher IQ auch Nachteile mit sich?
Berger: Hochbegabte Menschen denken viel nach und grübeln. Ich weiß, dass sie sich mit Smalltalk schwerer tun als Normalbegabte.
medianet: Welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft bei Mensa?
Berger: Neben den unzähligen Veranstaltungen, die wir auf lokaler und internationaler Ebene anbieten, ist es der Kontakt zu Menschen, die ähnlich ticken wie man selbst. Wir erleben es immer wieder, wenn neue Mitglieder am Stammtisch teilnehmen, dass sie sich angekommen fühlen. Man findet überdurchschnittlich schnell die gemeinsame Wellenlänge.
medianet: Mensa ist also eher ein soziales Netzwerk als eine Jobbörse?
Berger: Jein. Wir versuchen mit der Wirtschaft eine Win-win-Situation zu schaffen, denn es werden dringend Mitarbeiter gesucht. Wir verfügen über die klügsten Köpfe des Landes in unseren Reihen. Es gab auch bereits gemeinsame Veranstaltungen mit der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung und H&R-Verantwortlichen von hochkarätigen Betrieben. Ich kann aber nicht beurteilen, ob daraus bereits richtige Karrieren entstanden sind.
medianet: Wie fördert Mensa Hochbegabte?
Berger: Wir haben seit zwei Jahren eine neue Kinder- und Jugendbeauftragte, die für Kinder stimulierende Veranstaltungen organisiert, wie den Besuch des Welios Science Center in Wels. Dabei lernen Kinder spielerisch.
Was alle Mensa-Mitglieder gemeinsam haben, ist der Wissensdurst und vor allem bei Kindern ist er schier unstillbar. Es gibt Kinder, die Fragen stellen, für deren Antworten die Eltern erst googeln müssen. Wir sind bei der Kinder- und Jugendförderung aber noch lange nicht dort, wo wir sein wollen. Wir kooperieren in dem Bereich mit Mensa Deutschland, die eine viel größere Organisation als unsere ist mit wesentlich mehr Möglichkeiten und etwa Jugendcamps veranstalten.
medianet: Mensa richtet sich in Österreich eher an die Altersgruppe 18+?
Berger: Nein, denn wir haben auch Volksschulkinder als Mitglieder. Mensa International schreibt auch vor, dass es kein Alterslimit für die Aufnahme in den Verein gibt.
medianet: Sie bieten viele Anlaufstellen zur psychologischen Beratung an. Wird das von Hochbegabten öfter beansprucht?
Berger: Das kann ich nicht sicher beantworten. Die Psychologen stehen da auch, weil sie individuelle IQ-Tests anbieten und Leuten helfen, denen eine typische Schulsituation, wie bei unseren Tests, nicht liegt.
medianet: Gibt es einen Unterschied zwischen Hochbegabten und Genies?
Berger: Nicht jeder Hochbegabte ist ein Genie und ich würde mich selbst nicht als Genie bezeichnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Genie hochbegabt ist, ist vermutlich aber sehr hoch.
