Mind Switch: Neue  Ansätze gegen Burnout
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CAREER NETWORK Redaktion 17.09.2026

Mind Switch: Neue Ansätze gegen Burnout

Ein Schweizer Start-up setzt auf neue Methoden und eine App, um Stressresilienz zu stärken und Burnout vorzubeugen.

Führungskräften und jeglichen engagierten Personen verspricht das Schweizer Start-up Mind Switch „nie wieder kreisende Gedanken, schlechter Schlaf und das Gefühl, nur noch zu funktionieren“. Dahinter steckt die Idee, die Stressresilienz zu stärken, die Symptome von Burnout zu lindern und im Idealfall zu verhindern. Persönliche Gespräche und tägliche Trainingseinheiten mittels App sollen dabei helfen, die neue Volkskrankheit in den Griff zu bekommen. Mind Switch-Geschäftsführer Pascal Bartosch erklärt, wie die neue Methode, die auch in Österreich bereits viele Fans hat, funktioniert.

medianet: Jeder redet über Burnout. Was verstehen Sie darunter, was sind die Symptome?
Pascal Bartosch: Der Begriff Burnout ist umgangssprachlich und keine Diagnose, sondern eine Ansammlung von Symptomen. Meistens ist die Diagnose, die gestellt wird, Erschöpfungsdepression, mittelschwere Depression oder eine generalisierte Angststörung. Aber eigentlich versteht man darunter das Ausbrennen, dass man keine Energie mehr hat, nicht mehr richtig durchschläft, Gedanken kreisen und das Abschalten nicht gelingt. Es fällt immer schwerer, die Leistung aufrechtzuerhalten. Das gipfelt dann in einem Burnout, wenn gar nichts mehr geht, man keine Motivation mehr hat und sich ausgebrannt fühlt. Man zieht sich zurück und nimmt sich immer weniger Zeit für sich selbst. Diese Entwicklung ist fließend.

medianet: Burnout wurde in den vergangenen Jahren zum Massenphänomen. Wurde es früher einfach nicht erkannt?
Bartosch: Wir bei Mind Switch sind der Meinung, dass sich die Situation verändert hat, auch wenn unsere Großeltern über eine 40-Stunden-Woche wahrscheinlich gelacht hätten. Burnout ist auch immer weniger ein Tabu und man spricht darüber. Früher war das sehr peinlich.
Aber die Zeiten haben sich enorm verändert und die Welt dreht sich tatsächlich immer schneller, es gibt die Globalisierung, die Digitalisierung, die Künstliche Intelligenz und geopolitische Unsicherheiten, den Jobmarkt und die nicht rosige Wirtschaftslage. Das alles führt zu großem Druck und bei vielen Menschen zu mehr Stress. Deshalb darf man das nicht mit früher vergleichen.

medianet: Die Ursachen liegen in der modernen Welt?
Bartosch: Der Mensch ist eigentlich ein Gewohnheitstier und mag keine Veränderungen. Doch die Veränderungsdichte war noch nie so hoch wie heute. Das führt zu Unsicherheiten und zu Stress. Es stellt sich die Frage, ob mein Job noch sicher ist. Wenn man nur sehr gestresst ist oder Krach mit dem Chef hat, ist das kein Burnout. Burnout ist das Resultat eines lange andauernden Stresszustandes.

medianet: Sie sagen, dass sich Burnout über Wochen und Monate hinweg entwickelt. Was sind erste Alarmsignale?
Bartosch: Ein ernstes Alarmzeichen ist, wenn man nicht mehr richtig abschalten kann. Wenn man mit den Kindern spielen will oder mit dem Partner beim Abendessen sitzt, ist man dennoch gedanklich abwesend und die Gedanken sind bei der Arbeit oder bei anderen Problemen. Es gibt Probleme beim Einschlafen, da sich die Gedanken weiterdrehen, oder man wacht mitten in der Nacht auf und beginnt nachzudenken. Weitere Anzeichen sind, wenn man sehr lange auf einen Urlaub hinfiebert und zwei, drei Tage danach ist die Erholung wieder komplett verflogen. Bei Panikattacken herrscht dann Alarmstufe Rot, das ist die Notbremse des Körpers.

medianet: Was können Betroffene tun, wenn sie erste Symptome bemerken?
Bartosch: Normalerweise versucht man sich abzugrenzen, mit einem Wellness-Wochenende oder einer Auszeit von bis zu einigen Monaten. Auch Atemübungen helfen meist nur kurzfristig. Doch unser Gehirn und seine Stressreaktionen in der Amygdala befinden sich noch in der Steinzeit. Deshalb muss dort angesetzt werden, damit diese Stressreaktion im Körper im Alltag viel weniger aktiviert wird. So läge das Stresslevel viel tiefer und man könnte wieder abschalten und durchschlafen. Das ist, was wir bei Mind Switch machen. Der erste Schritt ist aber, dass sich der Betroffene seines Zustands bewusst wird. Dabei hilft ein kostenloser Stresstest, den wir anbieten und bei dem man innerhalb von fünf Minuten eine Einschätzung erhält. Das ist aber keine Diagnose.

medianet: Ab wann wird professionelle Hilfe benötigt?
Bartosch: Der Prozess ist schleichend, man möchte ja noch ­funktionieren. Vielleicht sind Impulse von außen nötig. Wenn man aber gar nicht mehr abschalten kann, ist der Punkt erreicht, an dem man sich Hilfe holen sollte.

medianet: Dann ist eine Änderung der Lebensweise oder der Karriere nötig?
Bartosch: Nein, auf keinen Fall! Diese Stressreaktion läuft in unserem Körper innerhalb von 0,3 Sekunden ab. Unser Gehirn bewertet, ob es sich um eine Bedrohung handelt oder nicht. Wird eine Situation als Bedrohung eingeschätzt, wird die Amygdala aktiviert und Stress wird ausgelöst, um die wahrgenommene Bedrohung zu überleben. Wenn ich den Job wechsle, nehme ich mich, meine Fähigkeiten, meinen hohen Anspruch an mich, Perfektionismus und People-Pleasing mit. Ein Jobwechsel ist also nur eine Flucht.
Andere Lösungsansätze sind Atemübungen, Achtsamkeitstraining, progressive Muskelentspannung und Sport. Sie helfen dabei, jene Hormone, die bereits im Blut sind, abzubauen und das Nervensystem wieder zu entspannen. Eine Atemübung hilft nur im Moment, aber sie hat keinen Einfluss darauf, ob in zehn Minuten eine andere Situation wieder als Bedrohung wahrgenommen wird. Man muss sich ansehen, welche Situationen zu Stress führen und daran arbeiten, dass beim nächsten Mal eine solche Situation intuitiv nicht als Bedrohung eingestuft wird, ohne darüber nachzudenken.

medianet: Mit Mind Switch wollen Sie genau das bewirken. Wie unterstützen Sie Menschen in Sachen Stressresilienz?
Bartosch: Es sind bei jedem Menschen andere Faktoren, die zu einem solchen Zustand führen, sowohl im Berufs- als auch im Privatleben. Dafür haben wir ein innovatives Resilienzprogramm bzw. eine eigene Methode entwickelt, die in Europa und den USA patentiert ist. Damit können wir Klienten dabei unterstützen, stressauslösende Faktoren bei sich zu erkennen und zu verstehen, was hinter den Symptomen und einer Stressreaktion steckt.
In einem appbasierten Training werden dann gezielt jene unbewussten Muster, Prägungen und Trigger bearbeitet, die dazu führen, dass das Gehirn bestimmte Situationen automatisch als Bedrohung einstuft und eine Stressreaktion auslöst. Dafür investieren die Teilnehmenden zunächst während vier bis fünf Wochen täglich rund 20 bis 30 Minuten, in einer zweiten Phase noch etwa 15 Minuten. Durch das Training werden diese stressauslösenden Muster systematisch reduziert. In einer explorativen fMRT-Studie am Gehirn konnten wir diese Wirkung auch aufzeigen. Bevor wir mit einer Person arbeiten, lernen wir sie in einem kostenlosen Gespräch kennen, überprüfen, ob wir mit Mind Switch helfen können und stellen die konkrete Vorgehensweise vor. (ah)

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