Der CSR-Goldstandard ist jetzt erschienen
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CSR & ESG Redaktion 27.03.2026

Der CSR-Goldstandard ist jetzt erschienen

Michael Fembek präsentierte die neueste Ausgabe des CSR-Guide im Österreichischen Gewerbeverein.

•• Von Georg Sohler

Der 17. CSR Guide stellt in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten die Vorzüge von Corporate Social Responsibility in den Vordergrund. Viele derartige Zeiten hat der Gastgeber, der Österreichische Gewerbeverein, bereits durchlebt. Die Unternehmervereinigung wurde bereits 1839 gegründet. Vizepräsident Reinhard Backhausen eröffnet
passend zum Thema: „Die Zeiten sind nicht einfach – die beste Antwort auf Krisen ist Innovation.“ Das gehe nur gemeinsam, denn Europa verfüge nicht über genügend eigene Rohstoffe. Um von der Weltlage unabhängig zu sein, müsse man auf Kreislaufwirtschaft setzen – und diese funktioniere nur über Kooperationen.

Herausgeber und Autor Michael Fembek erklärte: „Nachhaltigkeit und Transformation sind gerade jetzt entscheidend für den Erfolg von Wirtschaft und Gesellschaft.“ Umso wichtiger sei der CSR Guide 2026 als Nachschlagewerk für Österreichs Stärken und Chancen, wenn es um Themen wie Energieautarkie oder ressourcenschonendes Wirtschaften geht.
„Da die Allgemeinheit den Themen CSR und ESG zur Zeit leider weniger Aufmerksamkeit widmet, wollen wir dagegenhalten“, stellte Co-Herausgeber Oliver Jonke klar. Gerade die Präsentation des Guides sei eine gute Gelegenheit, mit Musterunternehmen Vorbildwirkung für Entscheider zu erzeugen; einige gaben ihr Wissen im Rahmen von Panels weiter.

Best Practice im Großen …
Mut machte in diesem Zusammenhang Gerald Fleischmann. Der Generaldirektor der Volksbank Wien AG registriert, dass politische Entscheidungen derzeit zurückhaltender getroffen werden, die Unternehmen dies aber nicht tun bzw. dürfen. So sieht beispielsweise die Satzung der Genossenschaft vor, die Regionen, in denen man tätig ist, nachhaltig zu fördern. Die Bank bildet zu diesem Zweck Mitarbeiter zu Transformationsberatern aus, die die Finanzierung zukunftsfähiger Projekte unterstützen. Dabei gibt es freilich wirtschaftliche Kennzahlen, über die er ebenfalls berichtete. Die wichtigste Botschaft ist jedoch: „Unser Ziel ist es, mit nachhaltigen Fonds wettbewerbsfähige Renditen zu erzielen. Erste Auswertungen zeigen, dass sich unsere Produkte im Marktvergleich stabil entwickelt haben.“

Christian Schön, geschäftsführender Gesellschafter der Auris Immo Solutions GmbH, betont dies aus der Perspektive von langfristig orientierten Immobilieninvestments mit Fokus auf nachhaltige Wohn- und Sozialimmobilien. „Ökonomie und Ökologie widersprechen sich nicht, ganz im Gegenteil.“ Das Unternehmen verwaltet Fonds mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro. Diese Fonds sind nachhaltig zertifiziert und erzielten in den letzten Jahren eine Netto-Performance über vier Prozent. Er verweist zudem auf zentrale Entwicklungen: „Nachhaltigkeit ist keine Rocket Science. Gleichzeitig werden wir älter, und der steigende Urbanisierungsgrad erhöht den Bedarf an Wohnraum und Pflegeeinrichtungen. Diese müssen so gestaltet sein, dass sie auch für nachfolgende Generationen einen nachhaltigen Nutzen erfüllen.“

… für zuhause …
Heute an morgen zu denken, ist ein Thema, dem sich der Möbelhändler Ikea ebenfalls im Kern verschrieben hat. Nicole Reitinger, Chief Financial Officer (CFO) für Ikea Österreich, sagte in ihrer Stellungnahme: „Das Unternehmensziel ist es, bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen.“ Dazu sind aus ihrer Sicht Zwischenziele notwendig: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Basisjahr 2016 auf die Hälfte reduziert werden. „Bereits 2025 haben wir bei Ikea Österreich unsere Emissionen um 43 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016 reduziert“, so Reitinger. Das Unternehmen setzt dafür auf mehrere Maßnahmen: So wird bereits beim Design auf größtmögliche Recyclingfähigkeit, Langlebigkeit und Reparierbarkeit geachtet. Gebäude sind ebenfalls ein wichtiger Hebel; das jüngste Projekt ist das neue Heiz- und Kühlsystem am Standort Graz, das auf Geothermie setzt. Auf den Punkt gebracht: „Nicht nachhaltig zu wirtschaften birgt Risiken: Ressourceneffizient zu arbeiten ist nicht nur für unseren Planeten und unser gemeinsames Zuhause wichtig – es ist auch wirtschaftlich attraktiv und bietet uns im Endeffekt allen einen Mehrwert.“

Diesen bietet auch Saint-Gobain Austria. Der Leichtbau-Spezialist, Stichwort Rigips oder Isover, gehört zur Saint-Gobain Gruppe und diese will bis 2050 das Ziel Netto-Null-Emissionen erreichen; bis 2030 plant das Unternehmen weltweit eine Reduktion von 33% der CO2-Emissionen (Scope 1 + 2) vs. 2017. Hierzulande setzt man dafür etwa auf 100% Grünstrom, das Bürogebäude in Puchberg wurde bereits vor zehn Jahren im Passivhausstandard gebaut, und der Wiener Standort ist seit 2024 CO2-neutral. „Nachhaltigkeitsprojekte sind zentrale Erfolgsfaktoren von Saint-Gobain Austria. Dies spiegelt die gesamte Saint-Gobain-Gruppe wider, die Nachhaltigkeit strategisch als Innovationsmotor und Erfolgsbasis sieht“, führt Peter Giffinger, CEO von Saint-Gobain Österreich, aus. Ein Beispiel ist Isover-Glaswolle: Sie enthält bis zu 80% Recyclingglas und amortisiert die CO2-Emissionen für Herstellung, Transport und Entsorgung schon nach drei Monaten.

… und für alle Fälle
Das sind nur einige Beispiele dafür, wie nachhaltiges Wirtschaften funktionieren kann. Weitere Einblicke kamen aus unterschiedlichsten Bereichen: Vanessa Ossinger (Vollpension) berichtete davon, wie Senioren Teil eines Gastronomiebetriebs sein können. Ursprung war eine Kooperation mit Anker, wie ihr dortiges Pendant, Alexandra Ballaun, erzählte. Karin Distelberger (Unverpackt) entwickelte eine Lösung, um die Gastronomie plastikfrei mit Trockenwaren zu beliefern – zu Großhandelspreisen. Niko Bogianzidis (Öklo) sprach über die Hintergründe der mobilen Komposttoiletten. Beratung zu CSR-Themen stand bei Alexandra Bolena (SENA) im Fokus; Gabriela-Maria Straka (respAct) berichtete davon, wie wichtig ein starkes Netzwerk ist.

Distelberger fasst den gegenwärtigen Stand in Sachen CSR zusammen: „Es entstehen keine Mehrkosten – Nachhaltigkeit muss auch wirtschaftlich sein.“

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