••• Von Reinhard Krémer
Die Experten des Erste Group Research haben den Pulsschlag der weltweiten Anlagemärkte gemessen. Die Volatilität an den Aktienmärkten ist in den letzten Wochen deutlich gesunken und der globale Aktienmarktindex hat nach einem Anstieg im Mai in Euro um fünf Prozent zuletzt wieder ein neues Rekordhoch erreicht. Die für 2026 prognostizierte Umsatzwachstumsrate der globalen Unternehmen ist auf +11,6% im Jahresvergleich angestiegen. Die Konsensus-Schätzung für das jährliche Gewinnwachstum der Konzerne hat sich ebenfalls signifikant erhöht und beträgt nun +25% im Jahresvergleich.
Die Sektoren Technologie, Energie und Finanzen leisten heuer demnach die größten Beiträge zum Gewinnanstieg des globalen Aktienmarktindex. „Wir erwarten, dass aufgrund dieser sehr guten Perspektiven der Aufwärtstrend der globalen Leitindizes auch im Juni anhalten wird“, heißt es vom Erste Group Research.
Nach einer sehr guten Berichtssaison in den USA im ersten Quartal wird für laut Konsensus-Forecast für die nächsten Quartale ein Anhalten der Wachstumsdynamik prognostiziert.
Saftige Gewinne in den USA
Die erwartete Gewinnsteigerung für das zweite Quartal beträgt im Jahresvergleich +21% und für das dritte Quartal +24%. Im Gesamtjahr 2026 sollten die Gewinne der US-Unternehmen insgesamt um hohe 24% wachsen.
Auch bei den europäischen Firmen zeichnet sich für die nächsten Quartale ein positiver Trend der Umsatz- und Gewinnentwicklung ab. Bei den Umsätzen für das zweite und für das dritte Quartal wird jeweils ein Anstieg um jeweils zehn Prozent im Jahresvergleich erwartet. Die Gewinne sollten im zweiten Quartal um +14% und im dritten Quartal um +15% höher ausfallen als im Vorjahr. Die erwartete Gewinnsteigerung für das Gesamtjahr 2026 beträgt +16%.
Emerging Markets schwächer
Der globale Emerging Market Index (ohne Südkorea) gab im Mai in Euro um drei Prozent nach. Die Aussichten für das Umsatz- und für das Gewinnwachstum der Unternehmen sind für
2026 jedoch positiv. Das prognostizierte Umsatzwachstum beträgt heuer elf Prozent im Jahresvergleich.
Die Gewinne werden laut Konsensus-Schätzung um +12% im Jahresvergleich steigen. Das geschätzte KGV für 2026 des Emerging Market Index beträgt 10,8 und ist damit relativ günstig.
Aufgrund der höheren politischen und wirtschaftlichen Risiken und der wesentlich geringeren Gewinnwachstumsdynamik ist es deutlich niedriger als jenes des globalen Aktienmarktes. „Wir erwarten für den Juni einen leichten Anstieg des globalen Emerging Market Index“, so die Experten des Erste Group Research.
Euro-Renten sind stabil …
Im Verlauf des Mai veränderte sich die Zinsstrukturkurve deutscher Anleihen nicht und es gab auch keine Niveauverschiebung. Die Renditen von kurzen Laufzeiten verharrten auf hohem Niveau, da der Markt weiterhin von zwei bis drei Zinserhöhungen der EZB im Ausmaß von insgesamt 50 bis 75 Basispunkten (BP) in diesem Jahr ausgeht. Die Renditen längerer Laufzeiten blieben stabil bei annähernd 3,0%. „Wir gehen davon aus, dass die Renditen kurzer Laufzeiten sinken werden, da die EZB die Leitzinsen nicht im vom Markt erwarteten Ausmaß anheben wird. Der Ausblick bleibt aber unsicher, weil schwer abschätzbar ist wie nachhaltig der Inflationsdruck sein wird. Längere Laufzeiten erwarten wir hingegen bis Ende des Jahres wenig verändert“, verlautet aus dem Erste Group Research.
… und US-Renditen gestiegen
US-Renditen sind im Verlauf des Mai generell gestiegen. Neben der anhaltenden Krise am Persischen Golf waren die Inflationsdaten für April, die eine Verbreiterung des Inflationsdrucks indizierten, ausschlaggebend. „Wir sehen die Reaktion des Marktes als gerechtfertigt, denn tatsächlich sind die Risiken für eine hartnäckige US-Inflation gestiegen. Wir gehen jetzt davon aus, dass die US-Notenbank in diesem Jahr zumindest einmal die Zinsen anheben wird. Längere Laufzeiten werden hingegen durch die anhaltend hohe Inflation und der Ungewissheit über den weiteren Pfad der Inflation bestimmt sein“, sagen die Erste Group-Experten.
„Ein weiteren Anstieg der Renditen ist für uns somit wahrscheinlich. Von einer rasch steigenden Staatsverschuldung und einem damit hohen Angebot an Treasuries sollte diese Bewegung zusätzlich unterstützt werden“, so die Analysten. Der Dollar reagierte auf den Ausbruch des Iran-Kriegs mit einer Befestigung. Diese sichere-Hafen Bewegung fiel aber moderat aus.
Waffenstillstand gut für Euro
Mit der Verkündung des Waffenstillstands ließ der Status des Dollar als Fluchtwährung nach und der Euro legte wieder zu und ist seitdem sehr nahe dem Wechselkurs vor Ausbruch des Kriegs.
„Aufgrund zunehmender Anzeichen für eine hartnäckige US-Inflation erwarten wir eine Zinserhöhung in den USA. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Zinsen wird in der zweiten Jahreshälfte auf beiden Seiten des Atlantiks hoch bleiben, mit Aufwärtsrisiken in beiden Wirtschaftsräumen. Wir prognostizieren daher eine Seitwärtsbewegung des Dollar zum Euro“, heißt es im Erste Group-Report.
Unsicherheiten gut für Gold
Der Goldpreis tendierte im Mai in Euro seitwärts. Die Investmentnachfrage durch Gold-ETFs verzeichnete im Mai Abflüsse in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar, vor allem in Asien und in den USA.
Die Bestände, die durch Gold-ETFs gehalten werden, sanken auf 4.121 t und waren leicht unter dem Höchststand vom Februar von 4.176 t. Die globalen Notenbanken blieben hingegen im ersten Quartal weiterhin Nettokäufer von Gold mit einem Anstieg der Nachfrage um drei Prozent im Jahresvergleich. Der positive Nachfragetrend der globalen Notenbanken sollte andauern. Die bestehenden geopolitischen Unsicherheiten unterstützen den Goldpreis.
Negativ hingegen wirken die Opportunitätskosten an den Finanzmärkten. Die globalen Leitindizes erreichten zuletzt neue Rekord-Hochs und die angestiegenen Renditen von Staatsanleihen reduzieren ebenfalls die Attraktivität von Gold. „Wir erwarten für den Juni eine Seitwärtsbewegung des Goldpreises“, sagen die Erste Group-Experten.