WIEN. Nach einem deutlichen Sprung von 1.312 Insolvenzfällen im ersten Quartal 2023 auf 1.709 im Jahr 2024 verharren die Zahlen laut Statistik Austria mit 1.785 (2025) und 1.741 (2026) auf hohem Niveau. Die meisten Insolvenzfälle gab es im Dienstleistungs- und Bau-Sektor. Exportorientierte mittelständische Betriebe, traditionell das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, geraten in ein Spannungsfeld aus globalem Wettbewerbsdruck und eingeschränkter Liquidität. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Faktor zunehmend an Bedeutung: die Kapitalbindung im Mittelstand.
Fluch und Segen zugleich
Gebundenes Kapital, sei es in Form von Rohstoffen, Maschinen oder Immobilien, ist in stabilen Zeiten das Fundament des operativen Erfolgs. Es sichert die Lieferfähigkeit und bildet die Basis für Wertschöpfung. In einer anhaltenden Krise mit sinkender Produktivität wendet sich das Blatt jedoch rasant. „Was Unternehmen handlungsfähig macht, kann sie im nächsten Moment unter Druck setzen. Hohe fremdfinanzierte Kapitalbindung ist Fluch und Segen zugleich“, erklärt Matthias Ortner, Equity Partner bei Advicum Consulting (Bild). Viele Unternehmen müssen dann Fremdkapital aufnehmen, oft zu steigenden Kosten. (rk)
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