•• Von Reinhard Krémer
Wie zuversichtlich blicken Verbraucher in Europa und den USA auf ihre persönlichen Finanzen? Und wo befindet sich Österreich im internationalen Vergleich, wenn es um die finanzielle Zuversicht geht? Um diese Frage zu beantworten, hat die Spar- und Anlageplattform Raisin erstmals den Money Confidence Index in elf Ländern erhoben. Die Studie zeigt: Viele Haushalte stehen weiter unter Druck, vor allem durch hohe Lebenshaltungs-, Wohn- und Energiekosten. Österreich präsentiert sich im internationalen Vergleich jedoch robust.
Der Finanzstress liegt unter dem Länderschnitt, das Gefühl finanzieller Kontrolle ist deutlich stärker ausgeprägt. Für die Studie wurden von Innofact AG im Auftrag von Raisin insgesamt 11.403 Personen in elf Ländern befragt. In Österreich umfasst die Stichprobe 1.005 Befragte. Das Ergebnis: Österreich liegt über dem internationalen Durchschnitt.
Niederlande führen Ranking an
Im Ranking führen die Niederlande mit 55,3 Punkte, gefolgt von Deutschland (49,7 Punkte), Spanien (48,2 Punkte) und Polen (48,0 Punkte). Österreich reicht sich mit 47,7 Punkten knapp über dem Durchschnitt auf Platz 5 von elf Ländern ein. Auch in Österreich prägen Geldsorgen den Alltag vieler Menschen. 46,3% der Befragten geben an, derzeit sehr oder ziemlich gestresst in Bezug auf ihre persönlichen Finanzen zu sein. Damit liegt Österreich jedoch unter dem internationalen Durchschnitt von 50,2%.
Im Ländervergleich zeigt sich damit ein differenziertes Bild: Während der finanzielle Druck auch hierzulande klar spürbar bleibt, ist er weniger stark ausgeprägt als in vielen anderen Märkten. Besonders hoch ist der Finanzstress etwa in Spanien, den USA, Großbritannien und Finnland. Die Niederlande weisen hier den niedrigsten Wert im Ländervergleich auf. „Österreich zeigt im internationalen Vergleich ein solides Bild: Die Menschen spüren den Druck hoher Alltagskosten, fühlen sich aber zugleich vergleichsweise handlungsfähig. Genau dieses Zusammenspiel aus Belastung und Kontrolle macht den österreichischen Markt besonders interessant“, sagt Matthias Rodenbücher, Country Head DACH bei Raisin.
Ein Fünftel ist entspannt
Rund 20% der Landsleute beschreiben sich in Bezug auf ihre Finanzen als ziemlich oder sehr entspannt. Damit liegt Österreich nur leicht über dem internationalen Durchschnitt von 18,4%.
Besonders deutlich sticht Österreich beim subjektiven Kontrollgefühl hervor. 53,7% der Befragten geben an, viel oder vollständige Kontrolle über ihre täglichen Finanzen zu haben. Der internationale Durchschnitt liegt hier bei 40,2%. Nur die Niederlande und Deutschland schneiden in dieser Kategorie besser ab. Gleichzeitig geben 16,4% der Österreicher an, sie hätten keine oder nur sehr wenig Kontrolle über ihre Alltagsfinanzen.
Finanzsituation steuerbar
Damit fällt der Anteil jener, die kaum finanzielle Kontrolle wahrnehmen, geringer aus als im internationalen Durchschnitt von 21,4%. Das spricht dafür, dass Österreich zwar nicht frei von finanziellen Belastungen ist, viele Menschen ihre finanzielle Situation aber noch als steuerbar wahrnehmen.
An erster Stelle der finanziellen Prioritäten steht für die Österreicherinnen und Österreicher die Deckung laufender Alltagsausgaben: 73,5% der Befragten geben an, Lebensmittel, Wohnen, Energie und tägliche Ausgaben zu ihren drei wichtigsten Finanzthemen zu zählen.
Sicherheitsdenken immanent
Auf Platz zwei folgt der Aufbau finanzieller Rücklagen. 67,3% der Befragten nennen den Notgroschen als eine ihrer Top-3-Prioritäten. Der Wunsch nach finanzieller Absicherung spielt hierzulande damit eine wichtigere Rolle als im internationalen Durchschnitt von 63,1%.
Bemerkenswert ist zugleich der hohe Stellenwert langfristigen Sparens und Investierens. 52,6% der Österreicher nennen langfristigen Vermögensaufbau als eine ihrer drei wichtigsten finanziellen Prioritäten – damit liegt Österreich über dem internationalen Durchschnitt. Österreich zeigt damit eine doppelte Dynamik: Im Alltag dominiert der Wunsch nach finanzieller Sicherheit, gleichzeitig bleibt der langfristige Vermögensaufbau relevant.
Auf die Frage, welche Faktoren das Vertrauen in die eigene finanzielle Situation am stärksten verbessern würden, nennen Österreicherinnen und Österreicher vor allem niedrigere Kosten im Alltag. Die Befragten konnten dabei jeweils ihre drei wichtigsten Faktoren auswählen. 53,8% zählen niedrigere Lebensmittel- und tägliche Ausgaben zu ihren Top-3-Hebeln für mehr finanzielles Vertrauen. Dahinter folgen ein höheres Einkommen oder eine Gehaltserhöhung mit 50,7% sowie niedrigere Kosten für Energie, Wohnen, Miete oder Kreditraten mit 47,2%.
Zinsen als Vertrauensfaktor
Auffällig ist außerdem der Stellenwert von Kreditzinsen. 18,3% der Befragten in Österreich nennen niedrigere Zinsen für Kredite und Kreditkarten als wichtigen Faktor für mehr finanzielles Vertrauen. Das ist der höchste Wert aller elf untersuchten Länder und deutlich über dem internationalen Durchschnitt von 13,5%. Auch höhere Nettoerträge auf Ersparnisse spielen eine Rolle: 23,3% der Befragten in Österreich nennen bessere Erträge auf Erspartes als Vertrauenshebel. Finanzwissen oder Beratung werden hingegen seltener genannt: 14,1% sehen bessere Finanzbildung oder Orientierung als zentralen Faktor für mehr Vertrauen.