••• Von Reinhard Krémer
Aus der Erhebung geht hervor, dass das Angebot an ESG-Produkten 2025 ausgebaut wurde und die Mehrheit der Befragten das Ambitionsniveau der Nachhaltigkeitsrichtlinien nicht verändert hat. Knapp 40% derjenigen, die Anpassungen vorgenommen haben, haben ihr Ambitionsniveau erhöht. Rund die Hälfte der befragten Anbieter erwarten zudem, dass die Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung neue Fortschritte bringt. Dieser optimistische Ausblick in die Zukunft spiegelt sich dementsprechend auch in den Prognosen wider: Ein Drittel der Befragten rechnet mit einem Wachstum nachhaltiger Geldanlagen für 2026.
Während Nachhaltigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem Fokus gerückt ist, beschäftigen sich Investmentmanager, Asset Owner und Banken weiterhin mit der Integration von Nachhaltigkeit in ihre Anlagestrategien. Das zeigt die Erhebung des diesjährigen FNG-Marktbericht 2026. 29% der Befragten berichteten, ihr ESG-Produktangebot ergänzt zu haben – dem gegenüber hat lediglich ein Prozent seine Produktpalette reduziert.
Kein Rückschritt bei Angebot
Die verbleibenden 70% nahmen keine Änderung vor. Zudem plant keiner der Befragten einen Rückbau des Angebots, 16% beabsichtigen sogar eine Erweiterung. Dies zeigt sich auch in Bezug auf die Ambition ihrer Nachhaltigkeitsrichtlinien. Die Mehrheit der Befragten behielt das Niveau bei. Knapp 40% derjenigen, die Anpassungen vorgenommen haben, haben ihr Ambitionsniveau erhöht, 13% haben es verringert.
Besonders deutliche Zuwächse zeigen sich in Österreich bei der systematischen Integration von Nachhaltigkeitskriterien sowie bei der Nutzung von Nachhaltigkeitsratings in nachhaltigen Anlagestrategien. Walter Hatak, stellvertretender Vorsitzender des FNG für Österreich, betont: „Nachhaltige Investments haben in den vergangenen Jahren einen qualitativen Reifeprozess durchlaufen. Lange Zeit wurden nachhaltige Veranlagungen vor allem über Ausschlusskriterien definiert – dabei geht nachhaltiges Investieren heute deutlich weiter.“
Wertebasiert klarer Mehrwert
„Erst durch die konsequente Einbindung von Nachhaltigkeitsaspekten in den Investmentprozess kann das Fondsmanagement jene Unternehmen identifizieren, die langfristig besonders zukunftsfähig aufgestellt sind. Damit entsteht über rein wertebasierte Überlegungen hinaus ein klarer Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger“, so Hatak.
Die derzeit bestehende EU-Regulatorik wurde von den Befragten auch dieses Jahr wieder als großes Hemmnis für die Entwicklung nachhaltiger Geldanlagen eingeschätzt. Besserung verspricht die von der EU-Kommission geplante Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung (engl. Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR).
Positive Impulse erwartet
Knapp die Hälfte der Befragten rechnet mit positiven Impulsen. Dabei wird vor allem Klarheit durch die möglichen neuen Produktkategorien „ESG-Grundlagen“, „Nachhaltigkeit“ und „Übergang“ und eine Vereinfachung der Berichterstattung erwartet. Daher sind die Befragten auch verhalten optimistisch. Trotz der vielen Herausforderungen rechnet ein Drittel mit einem Wachstum nachhaltiger Geldanlagen von bis zu zehn Prozent in den nächsten Jahren.
Marian Klemm, Vorstandsvorsitzender des FNG, resümiert: „Die Ergebnisse des FNG-Marktbericht 2026 zeigen, dass die nachhaltige Finanzbranche resilient gegen den aktuellen politischen Gegenwind ist. Nachhaltige Anbieter bleiben ihren Prinzipien treu und schwächen ihre Nachhaltigkeitskriterien nicht ab. Genau diese Widerstandsfähigkeit schafft die Grundlage für die langfristige Etablierung nachhaltiger Geldanlagen“.