SALZBURG. Risiken werden für Unternehmen nicht nur vielfältiger, sondern auch schwerer kalkulierbar. Cyberangriffe, fragile Lieferketten, regulatorischer Druck, internationale Haftungsfragen und steigende Schadenkosten verändern das Risikomanagement grundlegend. Beim zweiten Koban Südvers Risk Summit in der Red Bull Organics Lounge in Salzburg stand daher eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie bereiten sich Unternehmen auf Krisen vor, bevor sie eintreten?
Der österreichische Industrieversicherungsmakler Koban Südvers lud nach der Premiere im Vorjahr erneut Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Recht, Logistik, Versicherung und Risikomanagement zum kompakten Fachformat. Gastgeber waren Klaus Koban, CEO und Gründer der Koban Südvers Group, sowie Florian Traußnig, Geschäftsführer für Risiko- und Versicherungstechnik. Das Leitmotiv des Tages: In volatilen Zeiten braucht es belastbare Seilschaften.
Den Rahmen lieferte der WBN Global Research Report 2026 „The New Risk Reality“. Die Studie zeigt, dass Versicherung in Unternehmen zunehmend nicht mehr nur als Kostenfaktor, sondern als strategisches Instrument betrachtet wird. 43% der befragten Entscheidungsträger sehen Versicherung bereits als Investition in die Zukunftsfähigkeit, 87% erwarten, dass ihre strategische Bedeutung in den kommenden drei Jahren weiter steigt. Zugleich zeigt sich, was international tätige Unternehmen von Maklerpartnern erwarten: lokale Marktnähe und persönliche Betreuung, aber auch Einbindung in ein leistungsfähiges globales Netzwerk.
Wie eng Risikomanagement und Unternehmensführung heute zusammenhängen, zeigte Martin Pfeffer, Partner der Valtus Management Factory. Am Beispiel des Sanierungsfalls Binder+Co AG skizzierte er, wie aus einer strategischen Krise über Jahre wieder wirtschaftliche Stabilität entstehen kann. Entscheidend seien dabei nicht nur Zahlen, sondern auch Kommunikation und Transparenz gegenüber Eigentümern, Finanzierungspartnern, Versicherern und weiteren Stakeholdern.
Einen anderen Blick auf Verwundbarkeit brachte Philipp Traussnig, Geschäftsführer der Traussnig Spedition, ein. Versorgungssicherheit sei nicht nur eine Frage von Infrastruktur, Lkw und Straßen, sondern zunehmend auch von Demografie und Arbeitskraft. 2024 wurden auf Österreichs Straßen laut Statistik Austria rund 562,6 Mio. Tonnen Güter bewegt. Gleichzeitig verschärft sich der Fahrermangel: Weltweit fehlen laut IRU Global Truck Driver Shortage Report 2024 rund 3,6 Mio. Berufskraftfahrer, in Deutschland etwa 70.000. Traussnigs Schlussfolgerung: Lieferketten müssen robuster werden, nicht nur effizienter.
Besonders greifbar wurde das Thema Risiko beim Schwerpunkt Cybersecurity. Patrick Bardel, Gründer und CEO der BPN Group, und Michael Geisler, CISO der Lagermax Group, zeigten anhand der IT-Landschaft von Lagermax, wie schwer es geworden ist, aus großen Datenmengen ein relevantes Lagebild zu gewinnen. Täglich werden dort mehr als 100 Mio. sicherheitsrelevante Ereignisse registriert. In einem Beispiel aus dem Security Operations Center wurden innerhalb von 30 Tagen 4.257 Sicherheitsmeldungen geprüft – am Ende blieben drei tatsächliche Bedrohungen. Die zentrale Botschaft: Unternehmen müssen jene wenigen Risiken erkennen, die wirklich geschäftskritisch sind. Künstliche Intelligenz erhöht dabei nicht nur die Abwehrmöglichkeiten, sondern verkürzt auch die Zeitspanne, in der Angreifer neue Schwachstellen ausnutzen können.
Auch die Großschadenabwicklung stand im Fokus. In einem Panel mit Sachverständigem Martin Schörkhuber und Rechtsanwältin Isabel Pinegger wurde deutlich, wie sehr sich Schadenfälle zwischen Regulierung, Technik, Recht und Erwartungsdruck verdichten. Gerade bei Industriebränden, Betriebsunterbrechungen oder Naturkatastrophen entscheiden die ersten 72 Stunden. Der Vorstand erwartet rasche Wiederherstellung, Versicherer prüfen komplexe Deckungsfragen, Banken, Belegschaft und Öffentlichkeit verlangen Antworten. Gleichzeitig haben gestiegene Wiederbeschaffungskosten das Risiko der Unterversicherung deutlich erhöht.
International wurde es beim Panel zu globalen Versicherungsprogrammen. Christophe Van Gool von Epic Insurance Brokers & Consultants und Marek Štimpl von Renomia diskutierten, warum internationale Programme keine Standardprodukte sind. Unterschiedliche Rechtsordnungen, Versicherungssteuern, Sanktionen, lokale Policen und Haftungskulturen verlangen präzise Architektur. Besonders die USA wurden als komplexes Patchwork aus 50 Jurisdiktionen beschrieben, in dem Schadenkultur und Haftungsrisiken stark variieren.
Das Fazit des Summits fiel klar aus: Resilienz entsteht nicht in der Krise, sondern davor. Versicherung ist dabei nicht die erste, sondern oft die letzte Verteidigungslinie. Entscheidend ist eine ganzheitliche Risikobetrachtung, die Prävention, Transparenz, lokale Expertise und internationale Handlungsfähigkeit verbindet.
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