••• Von Chris Radda und Reinhard Krémer
Günther Fasching ist Prokurist der KSV1870 Information GmbH. medianet sprach mit ihm über den aktuellen Status der heimischen Unternehmen und die weiteren Entwicklungen.
medianet: Wie geht es den österreichischen Unternehmen nach sechs Jahren Dauerkrise?
Günther Fasching: In Summe kann man sagen: Die österreichischen Unternehmen sind relativ stabil. Wenn man die Situation von 2019 mit heute vergleicht, ist aber schon eine Tendenz in Richtung erhöhtes Risiko erkennbar. Insgesamt betrachtet haben wir bei der Ratingverteilung der österreichischen Unternehmen ein leichtes Abrutschen ins Mittelfeld festgestellt.
Ähnliche Ergebnisse zeigt unser Austria Business Check – eine Umfrage, die wir jedes Jahr durchführen und bei der circa 1.100 Unternehmen befragt werden.
Die Detailergebnisse zur aktuellen wirtschaftlichen Situation der Unternehmen zeigen, dass es noch Luft nach oben gibt. Nur mehr 48 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie eine gute oder eine sehr gute Geschäftslage haben.
In Konjunkturzeiten liegt der Wert bei 60 Prozent – und dorthin sollten wir uns eigentlich wieder hinbewegen.
medianet: Gibt es auch positive Entwicklungen?
Fasching: Ja, natürlich. Bei den Investitionen sehen wir, dass Unternehmen Geld für KI-Aktivitäten in die Hand nehmen. Dieses Thema rangiert auf der Prioritätenliste weit vorne.
Wie es scheint, kann sich dem kaum ein Betrieb entziehen. Aber, ganz vorne sind leider auch Ersatzinvestitionen. Das heißt, dass momentan nur investiert wird, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Trotz allem sind die Insolvenzen heuer etwas rückläufig. Insolvenzen gehören eben auch zum Wirtschaftsleben dazu, wenngleich das Niveau historisch betrachtet hoch ist.
medianet: Wie sehen Sie die laufende Situation und den Ausblick auf das Gesamtjahr 2026?
Fasching: Der Trend der vergangenen Jahre wird sich auch heuer fortsetzen, denn an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich kaum etwas verändert.
Nach wie vor kämpfen die Betriebe mit multiplen Krisensituationen. Es wird ein schwieriges Jahr und die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, wie es mit den geopolitischen Themen, sprich dem Konflikt im Nahen Osten und dem Ukraine-Krieg, weitergeht. Wenn sich die Märkte wieder beruhigen, glaube ich, dass auch die Investitionsbereitschaft zurückkehren wird.
medianet: Prävention ist ein wichtiges Thema …
Fasching: Als Kreditschützer sage ich natürlich: Die Risiko- beziehungsweise Bonitätsprüfung von Geschäftspartnern ist ein wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Geschäftsführung.
Aber, Sie haben natürlich recht, ausgelöst durch die Krisen, aber auch durch die Globalisierung in den letzten Jahrzehnten, hat das persönliche Wissen über Geschäftspartner abgenommen und hier springen wir als Wirtschaftsauskunftei mit objektiven Daten ein.
Und so hat das Thema Bonitäts- und Risikoprüfung vor einer Geschäftsbeziehung in den vergangenen Jahren nochmals an Bedeutung gewonnen. Auch das Thema „Know Your Customer“ und damit zusammenhängend die Betrugsprävention ist heute sehr wichtig. Unverändert aktuell bleiben aber die klassischen Fragen: Kann ich auf offene Rechnung liefern? Will ich eine Anzahlung? Muss ich sonst irgendeine absichernde Maßnahme treffen, damit ich mein Geld tatsächlich am Ende
der Reise bekomme?
Hier kann der KSV1870 entscheidende Hilfe leisten: Je nach Bedarf stellen wir Auskünfte mit unterschiedlicher Informationsdichte zur Verfügung
– von kompakten Online-Auskünften bis hin zu komplett neu recherchierten Bonitätsprodukten.
medianet: Das Thema Bonität ist heute nicht mehr das einzige Kriterium …
Fasching: Richtig – Sie müssen heute als Unternehmen viele regulatorische Vorgaben erfüllen – Stichwort Sanktionslisten. Speziell mit dem Thema Ukraine und Russland sind Sanktionslisten sehr stark in den Fokus gerückt.
Es stellen sich Fragen wie: Darf ich mit diesem Unternehmen überhaupt eine Geschäftsbeziehung eingehen? Hinzu kommen Compliance-Überprüfungen: Wer steht tatsächlich hinter dem Unternehmen? Das alles klären wir ab. Und wir stellen mittlerweile auch ESG-Lösungen zur Verfügung.
medianet: Bonität ist oft auch zu einem wichtigen Marketing-Tool geworden – was leistet der KSV1870 in diesem Bereich?
Fasching: Unternehmen wollen ihre eigene Bonität oft proaktiv nutzen. Für diesen Zweck bieten wir ein Produkt an, das sogenannte „Bonitätslabel“. Das Unternehmen bekommt von uns einen QR-Code.
Jeder Geschäftspartner kann dann in Echtzeit überprüfen, wie die aktuelle Bewertung des Unternehmens beim KSV1870 aussieht. Den Code kann der Betrieb in einem Werbefolder, auf der Visitenkarte, auf der Website oder am „Point of Sale“ plakativ abbilden.
Auf diese Weise wird transparent, dass die Unternehmensbonität und die finanzielle Stabilität des Unternehmens eine gute ist.
medianet: Mit der Digitalisierung werden Kaufentscheidungen binnen Zehntelsekunden getroffen …
Fasching: Das Geschäft hat sich massiv gewandelt, vor allem was die Geschwindigkeit betrifft. Waren es vor zehn Jahren noch Tage, in denen ein Kunde auf eine Auskunft warten musste, so ist es im Onlinezeitalter notwendig, dass die Informationen im Moment des Abschlusses im Onlinegeschäft vorhanden sind.
Wir stellen Bonitätsdaten in Realtime zur Verfügung, wenn der Kunde sie braucht. Er kann über einen Online-Abruf etwa das Unternehmen identifizieren, die Bonität prüfen und die Compliance checken – sowohl im Commerz- als auch im Consumerbereich.
Und hier sind Online-Anbindungen maßgeblich. Wir stellen unseren Kunden stabile und leistungsfähige Systeme zur Verfügung und kooperieren international mit renommierten Marktbegleitern, um hochwertigste Informationen zu erhalten.
medianet: Was sehen Sie als Ihre wichtigste Aufgabe an?
Fasching: Wir wollen Unternehmen vor Forderungsausfällen oder Betrügern schützen. Wir wissen alle, wie schwierig und teuer es ist, Zahlungsausfälle oder gar komplette Ausfälle zu refinanzieren.