Unternehmenspleiten werden jetzt weniger
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FINANCENET Redaktion 26.06.2026

Unternehmenspleiten werden jetzt weniger

Eine aktuelle KSV1870 Hochrechnung verzeichnet weniger Insolvenzen – aber noch keine Trendwende.

•• Von Reinhard Krémer

Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung mussten im ersten Halbjahr 2026 in Österreich 3.401 Unternehmen (–2,6% gegenüber 2025) Insolvenz anmelden. Das sind im Schnitt knapp 19 Betriebe pro Tag. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede in den Bundesländern: den größten Anstieg (+38%) verzeichnet
Vorarlberg, den deutlichsten Rückgang Tirol (–31%). Zu den Insolvenztreibern zählen der Handel, das Baugewerbe und der Sektor Gastronomie/Beherbergung – sie verzeichnen seit Jahresbeginn 44% aller Firmenpleiten.

Die vorläufigen Passiva belaufen sich auf circa 4,2 Mrd. € – das entspricht einem Rückgang von 4,2%. Ob der aktuelle Rückgang bereits auf den zu Jahresbeginn im Rahmen des Betrugsbekämpfungsgesetzes 2026 de facto wieder eingeführten Klassenkonkurs zurückzuführen ist, bleibt mit Blick auf die zweite Jahreshälfte abzuwarten.

Keine Masse – kein Konkurs
Ebenso wie der Umstand, dass es infolge der gesetzlichen Anpassung auch langfristig – wie bereits damals vom KSV1870 vermutet – zu weniger Insolvenzverfahren kommen könnte, da weniger Fälle seitens der Gläubiger eingebracht werden. Das führt in weiterer Folge zu späten bzw. verspäteten Insolvenzanmeldungen, die dann mangels Masse nicht mehr eröffnet werden können, was wiederum zu Lasten der Gläubiger geht.

Während sowohl die Zahl der Unternehmensinsolvenzen als auch jene der eröffneten Verfahren (–8,6%) zuletzt gesunken sind, steigt im Gegenzug die Zahl der mangels Masse nicht eröffneten Fälle. Im ersten Halbjahr 2026 haben sich diese gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 7,3% auf insgesamt 1.414 Fälle erhöht. Für den heimischen Wirtschaftsstandort bedeutet diese Entwicklung eine zusätzliche Schwächung, zumal die Verluste aus diesen Verfahren seitens der Gläubiger zur Gänze abgeschrieben werden müssen.

Ansteckende Insolvitis
„Je mehr solcher nicht eröffneten Verfahren vorliegen, desto schwieriger wird es auch für finanziell gesunde Unternehmen, ihre wirtschaftliche Stabilität langfristig zu halten“, sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz und ergänzt: „Als KSV1870 stehen wir jederzeit für konstruktive Gespräche über eine zukünftige Abwicklung derartiger Verfahren zur Verfügung. Auch wenn ein erster Reformvorschlag auf konzeptiver Ebene geblieben ist, sind wir bereit, an einer sinnvollen Lösung aktiv mitzuwirken.“

Handel und Bau leiden stark
Der Handel (553 Verfahren) und das Baugewerbe (495) verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 weiterhin die meisten Insolvenzen. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass es seit Jahresbeginn in beiden Bereichen zu einem leichten Rückgang gekommen ist: Im Handel beträgt dieser 6,3%, im Baugewerbe 2,8%.
Das in einem gewissen Naheverhältnis zum Baugewerbe stehende Grundstücks-/Wohnungs­wesen verzeichnet bei 270 Unternehmens­insolvenzen einen Rückgang von 13,2%. Ebenfalls ein deutliches Minus von 17,5% steht im Bereich „Herstellung von Waren“ (137) zu Buche.

Gastronomie unter Feuer
Gleichzeitig hat sich die Situation in der Gastronomie/Beherbergung weiter zugespitzt: 441 Unternehmensinsolvenzen bedeuten nicht nur die drittmeisten Fälle aller Branchen, sondern auch einen Anstieg von 8,4%.

„Die Gründe dafür sind seit Monaten ähnlich. Hohe Betriebskosten, fehlendes Personal und strukturelle Probleme in Form von geringen Gewinnmargen sowie ein starker Konkurrenzkampf sind eine Mixtur, welche für viele Betriebe nicht mehr zu stemmen ist“, sagt Götze. Auch deshalb, weil der Personalmangel häufig zu verkürzten Öffnungszeiten führt und die notwendigen Einnahmen in entsprechend kürzerer Zeit erwirtschaftet werden müssen.

Wie die aktuelle KSV1870 Hochrechnung zeigt, sind im Jahresvergleich die vorläufigen Passiva um 4,2% auf insgesamt 4,2 Mrd. € gesunken.

Weniger Großinsolvenzen
Die Gründe dafür liegen in erster Linie in einer deutlich geringeren Anzahl an Insolvenzfällen mit Passiva von zumindest 50 Mio. €.  Während es im ersten Halbjahr des Vorjahres 14 Fälle dieser Größenordnung gab, sind es heuer nur sechs solcher Verfahren. Die bis dato größte Unternehmensinsolvenz des heurigen Jahres betrifft jene der Laura Privatstiftung (Signa/Benko) mit Passiva von rund 1,7 Mrd. €.

Strohfeuer oder Trendumkehr
Ob der aktuell leichte Rückgang der Unternehmensinsolvenzen lediglich ein kurzfristiges Strohfeuer darstellt oder bereits den Beginn einer tatsächlichen Trendumkehr markiert, lässt sich derzeit seriös kaum einschätzen.

Aus Sicht des KSV1870 erscheint es realistisch, dass am Jahresende 2026 das Vorjahresergebnis von rund 6.800 Firmenpleiten in Österreich wohl nicht überschritten werden dürfte.  „Für die kommenden Monate rechnen wir als KSV1870 mit einer ähnlichen Entwicklung wie zuletzt. Historisch betrachtet verlangsamt sich die Insolvenzdynamik im dritten Quartal regelmäßig, was auch auf die Ferien- und Urlaubszeit zurückzuführen ist. Ob das auch im heurigen Jahr der Fall sein wird, bleibt abzuwarten“, so der KSV1870-Experte.

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