Psyche in großer Not
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Neben dem persönlichen Leid, verursachen psychische Erkrankungen auch enorme volkswirtschaftliche Kosten.
HEALTH ECONOMY Redaktion 26.06.2026

Psyche in großer Not

Laut OECD-Studie ist jeder fünfte Europäer psychisch krank. Das kostet – auch in Österreich – gesunde Lebensjahre.

••• Von Evelyn Holley-Spiess

BERLIN/WIEN. Die Zahlen sprechen für sich: Beinahe jeder fünfte EU-Bürger leidet aktuell an einer psychischen Erkrankung. Rund 60% der Betroffenen bekommen allerdings keine adäquate Hilfe. Laut einer Analyse von Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) resultieren daraus rund 28.000 vorzeitige Todesfälle jährlich. Österreich schneidet bei diesem internationalen Vergleich schlecht ab.

Modellrechnung bis 2050
Eine Modellrechnung für den Zeitraum 2025 bis 2050 kommt zu dem Schluss, dass Österreich – verglichen mit den anderen EU-Ländern – bei der durchschnittlich verlorenen Lebens­erwartung in Gesundheit und der verlorenen Lebenserwartung durch psychische Erkrankungen insgesamt an zweitletzter Stelle liegt. Konkret beträgt der Durchschnittswert 3,33 Jahre weniger Lebenserwartung in Gesundheit, im Schnitt der 27 EU-Länder sind es 2,5 Jahre.

Eine wesentliche Ursache für diese Entwicklung ist die generell mangelhafte Versorgungslage. „Basierend auf vorangegangenen OECD-Surveys und Surveys der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen wir, dass im EU- und OECD-Schnitt rund 60 Prozent der Menschen, die psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe benötigen, keinen Zugang dazu haben“, erklärte Michael Müller von der OECD kürzlich in der deutschen Ärztezeitung. Relevant sind laut OECD auch geschlechterspezifische Charakteristika. Demnach leiden Frauen öfter unter Angststörungen und Depressionen. Bei Männern steht häufig Alkohol- oder anderer Substanzmissbrauch im Mittelpunkt.

Kosten für die Volkswirtschaft
Neben dem persönlichen Leid haben diese Entwicklungen auch volkswirtschaftlich gravierende Folgen: Laut OECD-Schätzung droht für den genannten Zeitraum eine Reduktion des Bruttoinlandsproduktes um 1,7% allein durch die geringere Erwerbsbeteiligung der Betroffenen, Krankenstände und verminderte Produktivität im Job. Zudem koste schlechte psychische Gesundheit die Volkswirtschaften Europas jedes Jahr rund 76 Mrd. €.

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