Vom Grazer Start-up  zur Nummer 1 in Europa
© Christian Jungwirth/Institut AllergoSan
Anita Frauwallner und Bernd ­Assinger
HEALTH ECONOMY Redaktion 29.05.2026

Vom Grazer Start-up zur Nummer 1 in Europa

Das Institut AllergoSan-Führungsduo Anita Frauwallner und Bernd Assinger im Interview über probiotische Medizin.

••• Von Martin Rümmele

Institut AllergoSan wächst als Familienunternehmen im Gesundheitsbereich. medianet traf die Geschäftsführer Anita Frauwallner und Bernd ­Assinger – Mutter und Sohn – zum Interview.

medianet: Ihr Unternehmen folgt fast den klassischen Start up-Gründungsgeschichten mit Garagen-Beginn. Was sind rückblickend die Erfolgsfaktoren?
Bernd Assinger: Wir sind heute eine der erfolgreichsten Probiotika-Marken weltweit, weil wir unseren Prinzipien von Anfang an treu geblieben sind: kompromisslose Produktqualität, spürbarer Nutzen und konsequente Forschung. Wir waren eines der ersten – und sind bis heute leider eines der wenigen – Unternehmen, das natürliche Substanzen wie Bakterien nach medizinisch-wissenschaftlichen Kriterien behandelt hat. Das bedeutet, jedes Produkt wird nach anerkannten wissenschaftlichen Kriterien überprüft und auf Basis fundierter Forschungsergebnisse entwickelt – das unterscheidet uns maßgeblich von anderen Anbietern im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Dieser evidenzbasierte Zugang rechtfertigt seit vielen Jahren das Vertrauen der Gesundheitsbranche in unsere Produkte. Dazu kommt eine enorme Leidenschaft des gesamten Teams für das faszinierende Organ Mikrobiom, das in der Medizin erst langsam die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient.
Anita Frauwallner: Wir waren von Anfang an entschlossen, neueste Forschung zur Entwicklung von vollkommen natürlichen Mitteln einzusetzen. Mit Mut und einem klaren Blick für neue Möglichkeiten. Und heute tragen 500 großartige Mitarbeiter unsere Vision mit – auch dieses Miteinander war und ist entscheidend für unseren Erfolg.

medianet: Was war die Vision zu Beginn, und wie hat sie sich im Laufe der Zeit verändert?
Frauwallner: Die Vision, Menschen zu helfen, ihre Gesundheit zurückzugewinnen und bis ins hohe Alter Lebensqualität zu bewahren – war damals dieselbe wie heute! In 30 Jahren haben wir in der Mikrobiomforschung Know-how auf höchstem Niveau entwickelt, mit über 150 Studien, die von international führenden Wissenschaftlern durchgeführt wurden. Aber es muss noch weiter gehen: Probiotische Medizin muss fixer Bestandteil des Gesundheitssystems werden – weltweit. Denn die hoch aktiven Mitbewohner in unserem Darm haben großen Anteil daran, ob wir gesund, vital und selbstbestimmt sein können – und zwar in jedem Lebensabschnitt.

medianet: Wie haben Sie Wissenschaft mit wirtschaftlichem Erfolg in Einklang gebracht?
Assinger: Ich sehe nicht, warum diese beiden Faktoren sich widersprechen sollten, ganz im Gegenteil. In unserem Geschäftsmodell bedingt das eine das andere. Wissenschaft ist das Fundament unseres Erfolgs, nicht die Fassade. Wir stehen fest auf dem Boden der Forschung.
Frauwallner: Für uns war Wissenschaft nie ein Kostenfaktor. Wer auf echte, studienbasierte Wirksamkeit setzt, gewinnt das Vertrauen von Ärzten, Apothekern und Patienten – und das ist der stärkste Wachstumsmotor, den man sich vorstellen kann. Wir arbeiten mit mehr als 70 renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa, Asien und den USA zusammen. Das Institut AllergoSan ist längst ein weltweit anerkanntes Kompetenzzentrum – und ‚Omni-Biotic‘ laut Iqvia die Nr. 1 der Probiotika-Marken in Europa und Nr. 3 weltweit.

medianet: Gab es einen Moment, in dem Sie ernsthaft am Fortbestand des Unternehmens gezweifelt haben?
Frauwallner: Ja, diesen Moment gab es. Zwei Tage vor der Markteinführung unseres für die Apotheken relevantesten ‚Omni-Biotic‘-Produktes, das kurz davor die Auszeichnung für eine der zwölf besten Probiotika-Studien weltweit erhalten hatte, zwang uns die einstweilige Verfügung eines großen Pharmakonzerns, den Vertrieb sofort zu stoppen. Es folgten über zwei Jahre Prozesse, wöchentlich fielen mehrere tausend Euro für Anwälte an und damit Momente, in denen ich nicht wusste, wie ich die Gehälter meiner Mitarbeiter zahlen sollte. Aber ich habe gekämpft – juristisch, finanziell und mit jeder Faser meiner Überzeugung. Am Ende bekamen wir in allen Punkten vom OGH Recht.

medianet: Sie gehören zu den Pionieren der Mikrobiomforschung. Wie wird sich der Bereich weiterentwickeln, und wie behaupten Sie sich gegen wachsende Konkurrenz?
Assinger: Wir investieren nach wie vor intensiv in wissenschaftliche Produktentwicklung und erweitern das Portfolio kontinuierlich um studienbelegte Pro-, Prä- und Synbiotika. Genau das macht den Unterschied in einem der am stärksten wachsenden Bereiche der Medizin. Sehr viele Anbieter springen gerade auf den Probiotika-Zug auf, getrieben vor allem durch wirtschaftliche Faktoren und weil sich herumspricht, dass wir durch Mikrobiom-Modulation fantastische Erfolge erzielt haben. Aber wer nicht ausreichend forscht, wer das Thema Mikrobiom nicht wirklich versteht, sondern nur auf der Welle des Erfolgs mitsurfen will, wird sich die Zähne ausbeißen. Denn Bakterien sind lebende Organismen mit hochspezifischen Eigenschaften. Wir haben ein hochspezialisiertes Kompetenzzentrum für die Arbeit mit aktiven Bakterien aufgebaut, in dem sich 500 Mitarbeiter einer Mission widmen: das volle Potenzial des Mikrobioms besser zu verstehen und für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Dazu zählt nicht nur unsere große medizinisch-wissenschaftliche Abteilung, sondern jeder Bereich, der es möglich macht, dieses Ziel zu erreichen – von Logistik über Infrastruktur bis zum Kundenservice. Denn unabhängig von der jeweiligen Aufgabe richtet sich Denken, Handeln und Arbeiten aller auf dieses Ziel.

medianet: Zwei Generationen in einem Unternehmen ist immer eine Herausforderung. Wie gehen Sie damit um?
Frauwallner: Ganz ehrlich – ich könnte mir niemand Besseren für die Leitung des Unternehmens wünschen als meinen Sohn. Wir haben ein gemeinsames Ziel, und jeder leistet seinen eigenen Beitrag. Wir haben klare Bereiche definiert, in denen jeder Verantwortung trägt – und die wir gegenseitig respektieren.
Assinger: Genau das ist der Schlüssel: Respekt vor den jeweiligen Fähigkeiten des anderen. So können wir die Stärken von zwei Generationen bestmöglich nutzen.

medianet: Wie treffen Sie Entscheidungen? Wer setzt sich durch, wer steckt zurück?
Assinger: Wir handeln agil, unter Einbeziehung unserer Spezialisten und evaluieren laufend, was notwendig und sinnvoll ist, um uns weiterzuentwickeln. Auf Basis dieser Expertise treffen wir dann sehr rasch belastbare Entscheidungen. Dabei verantwortet meine Mutter Forschung und Produktentwicklung und referiert national wie international zu aktuellen Studienergebnissen. Ich befasse mich neben rechtlichen und finanziellen Themen vorrangig mit Business Development und neuen Märkten.

medianet: Was inspiriert Sie?
Assinger: Die Zufriedenheit der Kunden, die positiven Rückmeldungen, und Gespräche mit Menschen, die so dankbar für unsere Arbeit sind. Dieser klare Kundennutzen war einer der entscheidenden Faktoren, dem Beruf des Wirtschaftsanwalts den Rücken zu kehren und ins Institut AllergoSan zurückzukehren. Vor kurzem haben wir von der neurochirurgischen Intensivstation der Uniklinik Graz die Nachricht erhalten, dass die durchgehende Anwendung eines unserer indikationsspezifischen Probiotika herausragenden Erfolg hatte: Seit fünf Jahren ist kein einziger Patient unter Antibiose an einer Infektion mit dem ansonsten sehr gefährlichen Krankenhauskeim Clostridium difficile verstorben. Solche Erfolge berühren und motivieren ungemein.

medianet: Wo sehen Sie die Wachstumschancen?
Assinger: Unser Wachstum wird maßgeblich aus der Internationalisierung kommen. Selbstverständlich gilt es, unsere Nummer-1-Position in Europa auszubauen. Gleichzeitig wird das ‚Omni-Biotic‘-Portfolio schon jetzt am globalen Markt von Fachexperten als ‚the benchmark in probiotics‘ bezeichnet, weshalb wir weiter große Chancen in der internationalen Erweiterung sehen. Neben neuen Produktentwicklungen steigern wir laufend unser Know-how, um Menschen in den jeweiligen Märkten noch gezielter mit natürlichen und hochwirksamen Probiotika helfen zu können.

medianet: Gibt es neue Produkte, Produktfelder oder gar neue Geschäftsfelder?
Frauwallner: Die Pipeline ist voll. Aktuell laufen 40 Studien, und wir beschäftigen uns intensiv mit neuen Anwendungsgebieten, die mir persönlich sehr am Herzen liegen – etwa die Onkologie: Wir sehen, dass Probiotika die Wirksamkeit neuer Krebstherapien verbessern und ihre Nebenwirkungen reduzieren können. Dazu kommen Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen zu verbessern, die Beschwerden während der Menopause zu verringern und ganz gezielt dafür zu sorgen, dass Menschen mit bester Gesundheit ein langes Leben genießen können.

medianet: Erfolgreiche Start-ups holen nach einigen Jahren Investoren herein oder setzen auf einen Exit. Warum haben Sie das nicht getan?
Assinger: Wir haben unser Unternehmen von Anfang an aus eigener Kraft, ohne Investoren und im Einklang mit unseren persönlichen Werten aufgebaut. Es ging uns nie um die Maximierung wirtschaftlicher Gewinne, sondern um die Leidenschaft, die Welt des Mikrobioms weiter zu erforschen und wirksame, innovative Produkte möglichst vielen Menschen zur Verfügung zu stellen. Das funktioniert für uns nur in diesem Setting: als Familienunternehmen, das gemeinsam mit einem hervorragenden Managementteam die Zügel selbst in der Hand behält. Denn so können wir sicherstellen, dass Entscheidungen im Einklang mit unseren Werten getroffen werden und nicht zur Steuerung und Optimierung eines Aktienkurses.

medianet: Wo sehen Sie das Unternehmen in zehn Jahren?
Frauwallner: Mein großes Anliegen ist eine wissenschaftlich fundierte Medizin, die vorrangig auf Prävention und natürliche Substanzen setzt. Besonders am Herzen liegt mir, dass unsere Probiotika von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Daran arbeiten wir mit aller Kraft, damit jeder Mensch durch diese modernen Erkenntnisse zu mehr Gesundheit gelangt. In zehn Jahren sehe ich das Institut AllergoSan als feste Größe in der modernen Medizin verankert – als Beweis, dass Wissenschaft und Natur gemeinsam Außerordentliches bewirken können. Und wir werden weiter alles daran setzen, das Potenzial der probiotischen Mikroben für ein besseres Leben zu nutzen.
Assinger: Und all das wird weiter in Graz geschehen. Wir agieren wirtschaftlich international, aber bleiben gleichzeitig unseren Wurzeln und unserem Standort in der Steiermark eng verbunden. Aktuell arbeiten wir an einer signifikanten baulichen Erweiterung unseres Headquarters.

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