Industriebarometer
© EY/Stefan Seelig
Axel Preiss, Leiter Industrials EY Österreich: „Es braucht gezielte Investitionen.“
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 24.04.2026

Industriebarometer

Österreichs Industrie zeigt erste Stabilisierung – Umsatz und Exporte wieder im Plus, Beschäftigung weiter unter Druck.

WIEN. Nach zwei Jahren Rezession zeigt die österreichische Industrie erstmals wieder leichte Erholungstendenzen: Im vierten Quartal 2025 erwirtschafteten die Unternehmen des produzierenden Bereichs einen Umsatz von 103,6 Mrd. €. Das entspricht einem Anstieg von 1,4% gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit wurde eine Serie von zehn Quartalen mit Umsatzrückgängen beendet.

„Das jüngste Umsatzplus ist ein wichtiges Signal, dass sich die industrielle Konjunktur stabilisieren könnte. Allerdings bewegen wir uns weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau – von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Wir erwarten zudem, dass der Konflikt mit Iran spürbare Auswirkungen auf die österreichische Industrie haben wird – insbesondere über Energiepreise, Lieferketten und das Investitionsklima. Die geopolitischen Folgen des Iran-Konflikts sind in diesen Zahlen noch nicht abgebildet.“

Positives und auch Negatives
Während die Gesamtentwicklung lange Zeit rückläufig war, zeigten einzelne Branchen zuletzt deutliche Wachstumsimpulse: Besonders stark entwickelte sich im vierten Quartal die Automobilindustrie mit einem Umsatzplus von knapp 16%. Auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+10,2%) sowie der Maschinenbau (+8,5%) konnten deutlich zulegen. Demgegenüber verzeichnete die Papier- und Pappeindustrie erneut einen Rückgang von sieben Prozent.

Trotz der leichten Umsatzbelebung setzt sich der negative Beschäftigungstrend fort: Zum Ende des vierten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich rund 1,02 Mio. Menschen beschäftigt – ein Rückgang von 2,2% bzw. rund 23.400 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Langfristig zeigt sich ein differenziertes Bild: Während technologiegetriebene Industrien seit 2019 deutliche Beschäftigungszuwächse verzeichnen konnten – etwa Elektrotechnik/Elektronik (+13%) oder Chemie/Pharma (+14%) – stehen klassische Industrien wie die Automobilbranche weiterhin unter erheblichem Transformationsdruck.

Exporte erholen sich und …
Auch die Exportentwicklung zeigt im vierten Quartal eine Trendwende: Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom stiegen um 2,8% auf 48,7 Mrd. €. Damit wurde eine Serie von sieben Quartalen mit rückläufigen Exporten beendet.

Treiber dieser Entwicklung waren vor allem steigende Exporte in die Eurozone (+3,6%) sowie in asiatische Märkte (+9,8%). Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine zunehmende geopolitische Fragmentierung: Die Exporte in die USA – immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt – gingen um 19% zurück, was einem Rückgang von rund 800 Mio. € entspricht.

… zeigen globale Nachfrage
Bemerkenswert ist EY zufolge, dass sich die Exporte in 14 der 15 wichtigsten Absatzmärkte positiv entwickelten – mit besonders starken Zuwächsen in die Schweiz (+337 Mio. €), nach Italien (+314 Mio. €)und Deutschland (+218 Mio. €).
Innerhalb der Branchen zeigte sich ein breites Wachstum: Sieben von acht Industriezweigen steigerten ihre Exporte. Das kräftigste Plus erzielte die Automobilindustrie, deren Auslandsumsatz um fast 16% zulegte. Das zweitstärkste Wachstum erzielte der Bereich Elektrotechnik/ Elektronik mit einem Plus von 12,4%. Die rote Laterne hält die Papierindustrie, die mit einem Minus von 6,8% rückläufig blieb.

„Die Exportzahlen zeigen, dass die internationale Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlicht der massive Rückgang im US-Geschäft, wie stark geopolitische Entwicklungen und Handelsbeziehungen die österreichische Industrie beeinflussen“, so Preiss.

Nachhaltige Stabilisierung?
Die aktuellen Zahlen würden laut EY ein ambivalentes Bild zeichnen: Während Umsatz und Exporte erstmals seit längerer Zeit wieder wachsen, bleibe der Beschäftigungsabbau ein klares Warnsignal. Technologiegetriebene und innovationsstarke Industrien würden zunehmend von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltigen Produktionsprozessen profitieren. Klassische, energieintensive Branchen hingegen würden weiterhin unter erheblichem Druck durch hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen stehen.

„Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen positiven Signale in eine nachhaltige Erholung münden, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Investitionen in Innovation, neue Technologien und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle. Nur so kann die österreichische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern“, betont Preiss abschließend. (hk)

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